Heute arbeiten deutlich mehr Frauen als vor 15 Jahren, die meisten aber in Teilzeit.

Heute arbeiten deutlich mehr Frauen als vor 15 Jahren, die meisten aber in Teilzeit.

Geschlechtergerechtigkeit

80 % der Teilzeit­beschäftigten sind weiblich

Viele Frauen würden gerne mehr arbeiten, haben aber keine Möglichkeit

Die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark erhöht. Das bestätigt auch Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, in der aktuellen Ausgabe des FalterMit knapp 69 Prozent hätten Frauen 2018 die historisch höchsten Erwerbstätigenquoten, erklärt Pesendorfer. Auch wenn diese Zahlen sehr erfreulich sind, ein bitterer Beigeschmack bleibt dennoch: Zwar gehen immer mehr Frauen einer Beschäftigung nach, aber sie arbeiten vor allem in Teilzeit. 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten sind weiblich.

Während die Teilzeitquote der Frauen 1994 noch bei 29 Prozent lag, waren es im Jahr 2017 50,1 Prozent. Viele würden gerne mehr arbeiten, haben aber nicht die Möglichkeit dazu. Auch heute noch wird der Großteil der unbezahlten Arbeit in Österreich von Frauen verrichtet. „Ob Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen oder Haushaltstätigkeiten – all das lastet vor allem auf den Schultern der Frauen“, erklärt Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende. Besonders im ländlichen Raum fehle es an Kinderbetreuungseinrichtungen, die eine Vollzeitbeschäftigung und eine echte Wahlfreiheit für Frauen ermöglichen. Anders als in Wien schließen viele bereits am frühen Nachmittag und bleiben während der Schulferien ganz geschlossen.

Wahlfreiheit für Frauen, Chancengleichheit für Kinder

Echte Wahlfreiheit bedeutet, dass Frauen selbst entscheiden können, ob und wie viele Stunden sie arbeiten wollen. Um ihnen das zu ermöglichen, braucht es laut ÖGB-Frauen ganz dringend einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr. „Dieser soll nicht nur eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen, sondern auch gratis sein. Nur so bekommen auch wirklich alle Kinder von Anfang an die gleichen Chancen“, betont Schumann.

Nur bei der Kinderbetreuung anzusetzen, reiche aber nicht aus. Es braucht auch mehr Geld für den flächendeckenden Ausbau der Pflegeheime, Tageszentren und mobilen Dienste. Denn Frauen müssen auch aufgrund eines Pflegefalls in der Familie oft in Teilzeit arbeiten oder ihren Job gänzlich aufgeben – mit teils dramatischen Folgen für die spätere Pension.

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