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Pressekonferenz zum Thema Arbeiterinnen mit Klaudia Frieben, stv. Bundesvorsitzende & Bundesfrauenvorsitzende Gewerkschaft PRO-GE, Korinna Schumann, Vizepräsidentin & Bundesfrauenvorsitzende ÖGB und Yvonne Rychly, stv. Bundesfrauenvorsitzende Gewerkschaft vida ÖGB/Julia Berndl
Geschlechtergerechtigkeit

Arbeiterinnen – im Schatten unserer Gesellschaft

Arbeiterinnen leisten Unverzichtbares, trotzdem wird ihre Arbeit oft nicht wertgeschätzt und unterbezahlt. Was es braucht, um ihre Lebens- und Arbeitssituation zu verbessern

Hitze, Kälte, Nässe, Monotonie – Arbeiterinnen verrichten ihre Tätigkeiten unter schwierigen Bedingungen und vielfach unbemerkt. Während der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig ihre Arbeit für Österreich ist. Sie mussten trotz hohem Infektionsrisiko ihre Schichten antreten, wie etwa die Arbeiterinnen in der Reinigungsbranche und der Produktion. Trotzdem fanden ihre Leistungen kaum Anerkennung. „Arbeiterinnen verdienen eine Verbesserung ihrer Lebens-, Arbeits- und Einkommenssituation! Wir fordern Arbeitgeber und politische EntscheidungsträgerInnen auf, hier endlich aktiv zu werden”, erklärt ÖGB-Vizepräsidentin und ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann.   

Arbeiterinnen in der Reinigung 

Fast 50.000 Menschen in Österreich beispielsweise sind in der Reinigung beschäftigt, knapp 68 Prozent davon sind Frauen. Weitestgehend unsichtbar verrichten sie ihre unverzichtbaren Arbeiten an Tagesrandzeiten, zumeist in geteilten Diensten früh am Morgen oder abends bis spät in die Nacht hinein und das überwiegend in Teilzeitarbeit. Arbeiterinnen in der Reinigungsbranche arbeiten unter prekären Bedingungen mit niedrigen Löhnen. Neben der erhöhten gesundheitlichen Gefährdung der Reinigungskräfte durch die Pandemie beeinträchtigen die Arbeitszeiten auch ihre Lebensqualität.  

Arbeiterinnen in der Produktion 

Industrieproduktion, Gewerbe und Handwerk tragen in hohem Ausmaß zur Wertschöpfung bei.  Ein großer Teil der ArbeiterInnen sind Frauen, die Tag für Tag ihre Schichten antreten und unter körperlichem Einsatz die Produktion abwickeln. Ohne ihre systemrelevante Arbeit gäbe es weder Nahrung und Medikamente noch Gebrauchsgüter. Trotz hohem Infektionsrisiko und anfangs zu Beginn der Pandemie schlechten Schutzmaßnahmen mussten Frauen in der Produktion ihre Schichten antreten und waren mit Kurzarbeit und Einkommenseinbußen konfrontiert.  

1.700 Euro Mindestlohn und Maßnahmenpaket gegen Teuerung 

Durch niedrige Löhne sind Arbeiterinnen besonders von den massiven Teuerungen und steigenden Lebenserhaltungskosten betroffen. Vorgeschlagene Maßnahmen der Regierung zur Abfederung der Teuerung gehen an der Lebensrealität geringverdienender vorbei. „Die Bezahlung reicht meist nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten”, kritisiert Yvonne Rychly, stellvertretende Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft vida. Die ÖGB- und Gewerkschaftsfrauen der PRO-GE und vida fordern daher einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.700 Euro brutto für Vollzeitbeschäftigte in allen Branchen. Darüber hinaus braucht es ein rasches Maßnahmenpaket gegen die Teuerung, wie z.B. durch eine Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel. 

Kinderbildungsplatz ab 1. Geburtstag 

Neben finanzieller Absicherung fehlt es Arbeiterinnen und ihren Familien oft auch an Kinderbildungsplätzen, die Vollzeitarbeit möglich machen. Um Familie und Arbeit besser zu vereinbaren, braucht es daher einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz ab dem 1. Geburtstag. „“Zusätzlich muss das Angebot an Kinderbildungseinrichtungen ausgebaut werden, die auch den Bedürfnissen bei untypischen Arbeitszeiten gerecht werden”, fordert Schumann. 

Erhöhung des Arbeitslosengeldes 

Eine weitere Herausforderung für Arbeiterinnen ist die Unsicherheit der Arbeitsplätze. „“Die Globalisierung verleitet Unternehmen oftmals, die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern und Standorte in Österreich zu schließen”, erklärt Klaudia Frieben, stv. Bundesvorsitzende und Bundesfrauenvorsitzende der der Gewerkschaft PRO-GE. Den Job zu verlieren, bedeutet für viele Menschen einen Abstieg in die Armut. Um Frauen langfristig gute Perspektiven zu bieten, braucht es eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent Nettoersatzrate.  Auch eine hohe Nettoersatzrate bei der Corona-Kurzarbeit ist für Frauen besonders wichtig. Die Erfahrungen aus der Kurzarbeit aus den letzten zwei Jahren zeigen: Arbeiterinnen waren besonders lang in Kurzarbeit. 44,8 Prozent der Frauen waren länger als sechs6 Monate in Kurzarbeit. Bei Männern lag der Anteil bei 23,9 Prozent. 

„Angesichts der sich abzeichnenden Lieferkettenprobleme braucht es auch weiterhin eine gute bzw. noch bessere Absicherung in der Kurzarbeit. Die Arbeiterinnen dürfen nicht Leidtragende dieses Problems werden. Die Regierung muss hier sofort handeln“, fordert ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann.

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