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In Österreich gibt es einen Rechtsanspruch auf Elternkarenz – für beide Elternteile gleichermaßen. In der Praxis ist die Aufteilung aber alles andere als gerecht.

Karenz: Warum Papa Karriere macht – und Mama draufzahlt

Elternschaft verändert Karrieren – aber nicht für alle gleich. Warum Frauen verlieren, und viele Männer profitieren – und wie sich das ändern lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Österreich ist EU-Schlusslicht bei der Väterkarenz: Mütter bleiben im Schnitt rund 416 Tage zu Hause, Väter nur etwa neun Tage
  • Studien zeigen eine klare Einkommenslücke durch Elternschaft: Mütter verlieren über Jahre hinweg zehntausende Euro („Mutterschaftsstrafe“), während Väter oft beruflich profitieren („Vaterschaftsbonus“)
  • Mehr Väterkarenz stärkt Familien, Betriebe und Gleichstellung: Nötig sind Papamonat mit vollem Lohnausgleich, Familienarbeitszeit, bessere und leistbare Kinderbetreuung und Elternteilzeit für alle und vor allem: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

Elternkarenz in Österreich: Recht für beide – Realität zulasten der Mütter

In Österreich gibt es einen Rechtsanspruch auf Elternkarenz – für beide Elternteile gleichermaßen. In der Praxis ist die Aufteilung aber alles andere als gerecht. Über alle sozialen Schichten und Bundesländer hinweg zeigt sich dasselbe Bild: Papa arbeitet weiter – Mama bleibt zu Hause.

Kurz gesagt: Papa macht Karriere, Mama macht den Haushalt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Geld, Rollenbilder, Betriebskulturen und politische Rahmenbedingungen greifen ineinander. Das Ergebnis ist klar messbar – und trifft vor allem Frauen.

Väterkarenz im EU-Vergleich: Österreich am Ende der Rangliste

Eine Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zeigt: Mütter bleiben im Schnitt 416 Tage in Karenz, Väter nur etwa neun Tage. Auch OECD-Daten, ausgewertet vom Momentum-Institut, sprechen eine klare Sprache: Nur rund 3,6 Prozent der Karenzbezieher:innen sind Männer – mehr als 96 Prozent der Elternkarenz wird von Frauen übernommen.

Das Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer bestätigt den Trend: Frauen bleiben nach der Geburt eines Kindes wieder länger zu Hause – und die ohnehin geringe Väterbeteiligung sinkt weiter. 

Warum so wenige Väter in Karenz gehen: Geld, Rollenbilder und Betriebskultur

Männer verdienen im Schnitt mehr als Frauen. Für viele Familien wirkt es daher logisch, dass der Vater weiterarbeitet und die Mutter in Karenz geht. Was dabei oft übersehen wird: Frauen verlieren langfristig sehr viel Geld durch Karenz- und Teilzeitjahre.

Christa Hörmann, gf. Frauenvorsitzende des ÖGB, bringt es auf den Punkt: 
„Solange fast nur Frauen zu Hause bleiben, zahlen sie den Preis – mit geringerem Einkommen, schlechteren Karrierechancen und höheren Armutsrisiken.“ 

Traditionelle Rollenbilder bremsen Gleichstellung bei der Kinderbetreuung

In sozialen Medien werden sogenannte „Tradwives” idealisiert. Also Frauen, die ein bewusst traditionelles Rollenmodell vertreten: Er verdient, sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. Solche digitalen Phänomene und gelebte traditionelle Familienmodelle verfestigen die Erwartung, dass Kinderbetreuung primär Frauensache sei. Das beeinflusst Entscheidungen – in Familien genauso wie in Betrieben.

Die Risiken für Einkommen, Karriere und Pension von Frauen werden dabei ausgeblendet.  

Betriebskultur und Karriereängste halten Männer von der Karenz ab

Wer lange weg ist, gilt oft als weniger verfügbar oder weniger engagiert. Das schreckt Männer ab, überhaupt in Karenz zu gehen – und drängt Frauen in Teilzeit- und Karriere-Sackgassen. 

Die „Mutterschaftsstrafe“: Wie viel Einkommen Frauen durch Kinder verlieren

Die Forschung spricht von der „Mutterschaftsstrafe“ (Motherhood Penalty). Gemeint sind die massiven Einkommens- und Karrierenachteile, die Frauen durch Kinder im Vergleich zu Männern und kinderlosen Frauen erleiden. Auswertungen des Momentum-Instituts zeigen:

  • Väter erhalten über ihr Leben hinweg im Schnitt 3,48 Millionen Euro brutto an Erwerbs- und Pensionseinkommen.
  • Mütter kommen nur auf 2,52 Millionen Euro.
  • Das sind rund 960.000 Euro weniger als ihre Partner. 

Der „Vaterschaftsbonus“: Warum Männer beruflich von Kindern profitieren

Der Mutterschaftsstrafe steht der „Vaterschaftsbonus“ gegenüber: Viele Männer erleben nach der Geburt eines Kindes keinen Karriereknick, sondern im Gegenteil Gehaltserhöhungen oder Beförderungen. 

Fachkräftemangel und Führungskultur: Warum Betriebe unter fehlender Väterkarenz leiden

Wenn Frauen nach der Geburt aus der Arbeitswelt gedrängt werden, fehlen sie in Entscheidungs- und Führungspositionen. Das ist ein realer Verlust an Fach- und Führungskräften. Gleichzeitig zeigen internationale Management-Studien: Väter, die tatsächlich in Karenz waren, entwickeln Kompetenzen, die moderne Führung braucht – etwa Teamarbeit, Organisation, Empathie und Konfliktlösung. Mehr Väterkarenz bedeutet also nicht weniger Leistung – sondern bessere Führung. 

Gleichere Aufteilung von Care-Arbeit: Was Väterkarenz für Familien verändert

Wenn Väter Karenz nehmen, bleibt die Aufteilung von Haus- und Familienarbeit auch später ausgewogener. Eine Auswertung aus Norwegen legt zudem nahe: Regionen mit höherer Väterkarenz haben höhere Geburtenraten. Das spricht dafür, dass planbare und faire Arbeitsteilung Familien entlastet. 

Mutterschaftsstrafe und Vaterschaftsbonus – kurz erklärt

Mutterschaftsstrafe

Bezeichnet die langfristigen Einkommens- und Karrierenachteile, die Frauen durch Kinder bekommen – etwa durch längere Karenz, Teilzeit und schlechtere Aufstiegschancen.

Vaterschaftsbonus

Beschreibt den gegenteiligen Effekt bei Männern: Väter bleiben meist durchgehend im Beruf und profitieren nicht selten von Gehaltserhöhungen oder Beförderungen nach der Geburt eines Kindes.

Die Folge: 

Über ein Erwerbsleben hinweg entsteht eine Einkommenslücke von rund 960.000 Euro zwischen Müttern und Vätern (laut Auswertungen des Momentum-Instituts).

ÖGB-Forderungen: Was sich bei Karenz und Kinderbetreuung ändern muss

  • Einen Papamonat mit vollem Lohnausgleich
  • Umsetzung des ÖGB/AK-Familienarbeitszeit-Modells
  • Einen Rechtsanspruch auf ganztägige, beitragsfreie Kinderbetreuung
  • Elternteilzeit für alle – unabhängig von der Betriebsgröße