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Krise darf nicht auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden
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Frauen in der Krise

Wir brauchen einen Booster in Sachen Gleichstellung!

Die Krise hat die Ungleichheit verschärft. Handeln wir endlich

Die Corona-Infektionszahlen bewegen sich auf Rekordniveau. Ideen, wie diese Krise gemanagt werden kann, fehlen weiterhin. Und einmal mehr sind es die Frauen, die einen großen Teil der Last dieses nicht existenten Krisenmanagements tragen. Wir kennen das bereits aus den letzten zwei Jahren: Gerade in Familien mit betreuungspflichtigen Kindern wird davon ausgegangen, dass das schon irgendwie gehen wird. Sobald Kinder nicht mehr in Schule oder Kindergarten betreut werden können, müssen Eltern das irgendwie abfedern. In vielen Fällen sind es die Frauen, die dann in den sauren Apfel beißen. Schon vor Corona haben Frauen mehr unbezahlte Arbeit geleistet als Männer. Aus Untersuchungen der letzten Jahre wissen wir, dass die Corona-Krise dieses Ungleichgewicht an unbezahlter Arbeit noch verschärft hat. Fällt die Betreuung in Schule oder Kindergarten aus, übernehmen in den meisten Fällen Frauen diese zusätzliche Arbeit.

Die Uni Wien befragte im Auftrag der Arbeiterkammer im Jahr 2020 Eltern laufend zu den Herausforderungen durch Corona. Je nach Berufsgruppen und Lebenssituation gab es ganz spezielle Herausforderungen: Während Eltern in systemrelevanten Berufen vor allem durch steigende Arbeitsbelastung und Angst vor Ansteckung litten, hatten Eltern im Homeoffice vor allem mit der Vermischung von Beruf und Familienleben und häufigem Arbeiten zu Tagesrandzeiten zu kämpfen. Bei der Aufteilung der Ressourcen, also ruhige Arbeitsumgebung oder gute technische Ausstattung, haben tendenziell Frauen zugunsten von Männern und Kindern zurückgesteckt. Arbeiten am Küchentisch – oft neben den Kindern – ist die Homeoffice-Realität vieler Frauen. Eltern in Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit hatten vor allem finanzielle Sorgen, und AlleinerzieherInnen – bekanntlich auch großteils Frauen – hat es in vielfacher Hinsicht besonders hart getroffen: Das soziale Unterstützungsnetz ist ausgefallen, die Aushandlungsprozesse mit den Vätern waren oft schwierig und die finanzielle Lage war angespannt. Dazu kam noch die psychische Belastung durch Einsamkeit und Isolation. Allen Gruppen gemeinsam war auch in dieser Untersuchung: Frauen trugen die Hauptlast der zusätzlichen Betreuungs- und Hausarbeit – und daran hat sich bislang auch nichts geändert.

Es ist inakzeptabel, dass die vielfach von Frauen geleistete Arbeit in systemrelevanten Berufen (Pflege, Handel, Kinderbildung usw.) genauso wie die Mehrbelastung zuhause von den politischen EntscheidungsträgerInnen nicht wahrgenommen und thematisiert wird, sondern einfach als selbstverständlich zu gelten scheint. So kann es nicht weitergehen. Wir brauchen einen Booster in Sachen Gleichstellung. Es ist hoch an der Zeit, dass Frauenarbeit ordentlich bezahlt wird. Und wir brauchen eine faire Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen Männern und Frauen. Der wichtigste Hebel dazu ist die Verkürzung der Normalarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Damit hätten Männer mehr Zeit für die Arbeit zuhause und Frauen in Teilzeitarbeit eine ordentliche Lohnerhöhung.

ÖGB-Kommunikation
Elisabeth Mandl

Mag.a Karin Zimmermann, geb. 1976, ist ÖGB-Bundesfrauensekretärin, Expertin für Gleichstellungsthemen und frauenpolitische Arbeit im ÖGB. Sie hat Politikwissenschaft studiert und war von 2002-2007 im Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung tätig. Danach wechselte sie in den ÖGB: zuerst als Expertin im ArbeitnehmerInnenschutz, dann als inhaltliche Koordinatorin im ÖGB-Präsidentenbüro. Seit September 2021 ist sie ÖGB-Bundesfrauensekretärin. Dort gestaltet und koordiniert sie die Arbeit der ÖGB-Frauen und setzt sich für faire Chancen und gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen für Mädchen und Frauen ein.

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