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Die Gewerkschaftsjugend spricht sich klar gegen eine Wehrdienstverlängerung aus. Für junge Menschen zählt heute jeder Monat. Späterer Einstieg ins Berufsleben, weniger Einkommen, mehr Unsicherheit – das sind die realen Folgen einer Dienstverlängerung. Wer von „Pflicht“ spricht, verschweigt, dass hier Lebenszeit genommen wird. bwagner - stock.adobe.com

Bundesheer

Wehrdienstdebatte: Nein zur Verlängerung

„Wieder einmal sollen Jugendliche die Versäumnisse der Politik ausbaden“, meint Matthias Hauer, Bundessekretär der Gewerkschaftsjugend in einem Gastkommentar

Die aktuelle Wehrdienstdebatte zeigt vor allem eines: Wenn der Politik nichts mehr einfällt, greift sie auf die Zeit junger Menschen zurück. Statt echte Antworten auf Sicherheits- und Krisenfragen zu liefern, wird vorgeschlagen, den Präsenz- und Zivildienst zu verlängern und die Wehrpflicht sogar auf Frauen auszuweiten. Das ist kein Fortschritt. Das ist ein Rückschritt mit Ansage.

Wieder einmal sollen Jugendliche die Versäumnisse der Politik ausbaden. Es wird so getan, als wäre Zeit eine unendliche Ressource, die man sich einfach bei der nächsten Generation holen könne. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Für junge Menschen zählt heute jeder Monat. Späterer Einstieg ins Berufsleben, weniger Einkommen, mehr Unsicherheit – das sind die realen Folgen einer Dienstverlängerung. Wer von „Pflicht“ spricht, verschweigt, dass hier Lebenszeit genommen wird.

Mehr Zwang ist keine Sicherheit

Die Idee, längere Dienste würden automatisch zu mehr Sicherheit führen, ist ein gefährlicher Irrtum. Sicherheit entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch kluge Konzepte, durch gute Ausbildung, durch funktionierende Strukturen. All das fehlt im Vorschlag der Wehrpflichtkommission. Es gibt kein schlüssiges Konzept, keine klare Strategie, keine konkreten Maßnahmen, wie Katastrophenschutz oder Verteidigungsfähigkeit tatsächlich verbessert werden sollen. Stattdessen wird einfach an der Uhr gedreht – und an der Zukunft junger Menschen gleich mit.

Als Gewerkschaftsjugend lehnen wir diese Logik ab. Wir sagen klar Nein zur Verlängerung von Präsenz- und Zivildienst. Und wir sagen ebenso klar Nein zur Ausweitung der Wehrpflicht auf Frauen. Gleichstellung bedeutet nicht, Ungerechtigkeit auf mehr Menschen zu verteilen. Wer ein ungerechtes System ausdehnt, macht es nicht fairer, sondern lediglich größer.

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Lösungen im Tarnanzug

Die Politik behandelt junge Menschen wie eine Notlösung für strukturelle Probleme, die es schon gab, bevor diese auf der Welt waren. Wo Personal fehlt, sollen Junge einspringen. Wo Konzepte fehlen, sollen sie Zeit opfern. Das ist bequem – aber zutiefst unfair. Die Last wird auf jene verschoben, die am wenigsten Macht haben, sich dagegen zu wehren.

Wir sind eine Friedensbewegung. Wir stehen für eine Gesellschaft, die Konflikte nicht mit Zwang beantwortet, sondern mit Perspektiven. Echte Sicherheit entsteht nicht durch mehr Pflicht, sondern durch Investitionen in Bildung, soziale Absicherung, gute Arbeitsbedingungen, gute Bezahlung und einen starken Katastrophenschutz mit fair bezahlten, freiwilligen Kräften.

Unsere Zukunft ist mehr wert

Die Frage ist nicht, wie lange junge Menschen noch dienen sollen. Die Frage ist, warum die Politik nicht bereit ist, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und echte Lösungen zu entwickeln. Solange das nicht passiert, bleibt diese Debatte das, was sie ist: ein Ablenkungsmanöver auf Kosten der Jugend.

Unsere Botschaft ist klar: Jugend ist keine Manövriermasse. Und unsere Zukunft ist zu wertvoll für schlechte Entscheidungen und falsche Antworten.

Kommentar von Matthias Hauer, Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) veröffentlicht auf www.diepresse.com.