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Statt über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters zu diskutieren, braucht es dringend eine altersgerechtere Arbeitswelt für ältere Arbeitslose. Adobe Stock

Machen wie die Schweizer

In der Schweiz wurde kürzlich in einer Volksabstimmung der Vorschlag, das gesetzliche Pensionsantrittsalter von 65 auf 66 Jahre zu erhöhen, abgelehnt. Diese Entscheidung wird von vielen als vernünftig angesehen, während es in Österreich von wirtschaftsnahen Kräften auch immer wieder Forderungen nach Anhebung des Regelpensionsalters auf 67 Jahre gibt.

Für ältere Arbeitslose schwierig einen neuen Job zu finden

 Doch warum ist eine solche Anhebung problematisch? Ein beträchtlicher Teil der Arbeitnehmer:inen geht nicht direkt aus dem Arbeitsleben in eine Alters- oder Invaliditätspension, sondern landet in Arbeitslosigkeit oder Krankenstand. Für diese Menschen bedeutet eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters einfach längere Phasen der Arbeitslosigkeit, da es besonders für ältere Arbeitslose oder gesundheitlich beeinträchtigte Personen schwierig ist, einen neuen Job zu finden.

„Statt also über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters zu diskutieren, brauchen wir dringend eine altersgerechtere Arbeitswelt sowie bessere Erwerbschancen für ältere Arbeitslose“, betont Dinah Djalinous-Glatz, Referatsleiterin für Sozialversicherungspolitik im ÖGB, und verweist darauf, dass vor allem Frauen damit konfrontiert sind, nicht aus der Erwerbstätigkeit heraus in Pension zu gehen. So dürfe auch nicht übersehen werden, dass einige Berufe bereits jetzt so belastend sind, dass es kaum möglich ist, sie bis zum Regelpensionsalter auszuüben. Des Weiteren würde eine Anhebung des Pensionsalters auch zu einer Senkung der durchschnittlichen Pensionshöhe führen, da Abschläge immer zum Regelpensionsalter berechnet werden. Bereits jetzt sind die durchschnittlichen Alterspensionen nicht übermäßig hoch. Im Dezember 2023 betrug die durchschnittliche monatliche Alterspension der gesetzlichen Pensionsversicherung in Österreich 1.603 Euro brutto.

Gute Gründe gegen Anhebung

Die Einführung einer Pensionsautomatik, die das Regelpensionsalter an die steigende Lebenserwartung koppelt, wird ebenfalls kontrovers diskutiert. Der ÖGB hat sich stets gegen eine solche Automatik ausgesprochen. Zum einen sollten so relevante Entscheidungen wie die Höhe des Regelpensionsalters demokratisch durch das Parlament und nicht durch einen Computer getroffen werden. Zum anderen würde eine Koppelung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die steigende Lebenserwartung zu einer Umverteilung von unten nach oben führen, da das Einkommen einen direkten Einfluss auf die Lebenserwartung hat.

Insgesamt sprechen also viele Gründe gegen eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. „Statt die Menschen länger arbeiten zu lassen, sollten wir uns darauf konzentrieren, die Arbeitswelt an die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer:innen anzupassen und ihnen bessere Erwerbschancen zu bieten. Eine solche Maßnahme würde nicht nur das Wohlbefinden der Arbeitnehmer:innen verbessern, sondern auch langfristig das Pensionssystem stabilisieren“, so Djalinous-Glatz. 

Während die Anhebung des Pensionsalters in der Schweiz abgelehnt wurde, gab es bei den Eidgenossen ein Ja zur 13. Pension. Damit wird die erste Säule im Pensionssystem der Schweiz gestärkt. Eine positive Entwicklung, da dort die Pensionen bisher nur 12 Mal im Jahr ausgezahlt werden. In Österreich werden die Pensionen bereits 14 Mal im Jahr ausbezahlt.

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