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Schere zwischen Arm und Reich - Armut, Reichtum - Umverteilung
In den kommenden 25 Jahren werden hierzulande etwa 800 Milliarden Euro vererbt. Markus Bormann – stock.adobe.com

Milliardär:innen: Österreich braucht gerechte Steuern

In den nächsten 25 Jahren werden 800 Milliarden Euro vererbt – fast alles bleibt steuerfrei

Das Wichtigste in Kürze 

  • 800 Milliarden Euro werden in Österreich in den nächsten 25 Jahren vererbt – völlig unversteuert
  • Die reichsten 100 Familien besitzen 205 Milliarden Euro
  • Der ÖGB hat berechnet: Noch nie wurden so wenig vermögensbezogene Steuern gezahlt, wie jetzt: Im Jahr 2024 kamen nur 0,98 Prozent der Steuereinnahmen aus Vermögen
  • Der ÖGB fordert: Steuergerechtigkeit durch faire Erbschafts- und Vermögenssteuern

Stell dir vor, du wachst auf und bist auf einmal Milliardär:in. Ein Anruf vom Notar, ein Brief vom Anwalt, und plötzlich gehört dir ein prachtvolles Haus, ein Aktiendepot, ein dickes Bankkonto. Das Geld fällt dir einfach in den Schoß. Für viele klingt das wie ein Märchen. Doch für Österreichs Millionenerben und -erbinnen ist das die Realität.

In den kommenden 25 Jahren werden hierzulande etwa 800 Milliarden Euro vererbt, so rechnet das Momentum Institut vor. Und fast all dieses Geld wechselt den Besitz, ohne dass der Staat auch nur einen Cent davon sieht. Das Ergebnis? Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer – vererbt von Generation zu Generation.  

Rekordtief bei vermögensbezogenen Steuern  

Der ÖGB hat berechnet: Im Jahr 2024 kamen nur 0,98 Prozent der Steuereinnahmen aus Vermögen. Das ist weniger als ein Prozent. So wenig wie noch nie. Früher war dieser Anteil höher. In den 1990er-Jahren waren es etwa drei Prozent. Seitdem ist er immer weiter gesunken. Heute tragen Millionäre mit großen Vermögen so gut wie nichts zum Steuersystem bei.

Darum brauchen wir gerechte Vermögens- und Erbschaftssteuern

Laut ÖGB-Berechnungen besitzen die reichsten Österreicher:innen sogar 251.000 Mal so viel wie der mittlere Haushalt in Österreich

Die reichsten 100 Familien und Einzelpersonen in Österreich halten laut der aktuellen Trend-Rangliste zusammen 205 Milliarden Euro – das ist mehr als ein Zehntel des gesamten Haushaltsvermögens aller privaten Haushalte in Österreich. Der reichste Österreicher besitzt sogar das 251.000-mal so viel wie der mittlere Haushalt in Österreich.

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Das Wichtigste auf einen Blick

 

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt Österreich seit Jahren, beispielsweise Erbschaftssteuern einzuführen.

Österreich gehört mittlerweile zu den letzten im internationalen Vergleich, wenn es um die Besteuerung von Vermögen geht – und vergibt so wertvolle Einnahmen für wichtige Zukunftsinvestitionen und für eine gerechte Verteilung der Lasten der Budgetsanierung.

Vermögenssteuer – Krisenprofiteure sollen beitragen

Das reichste Prozent der österreichischen Haushalte kontrolliert einen übermäßig großen Anteil des gesamten Nettovermögens – Schätzungen gehen von bis zu 50 Prozent aus. 

Besonders auffällig: Die reichsten 100 Familien halten rund 200 Milliarden Euro, wobei die Top 5 allein mehr besitzen als die Hälfte der Bevölkerung. Das GPA-Modell zeigt: eine faire Vermögenssteuer bringt etwa 7,4 Milliarden Euro ein.

Erbschaftssteuer – eine Frage der Gerechtigkeit

In Österreich werden jährlich Milliarden Euro steuerfrei vererbt, allein für 2025 gehen Schätzungen von rund 21,5 Milliarden aus. Das reichste Prozent erhält durchschnittlich 4,2 Millionen Euro pro Erbschaft und damit etwa 40 Prozent des Gesamtvolumens. 

Eine moderne Erbschafts- und Schenkungsteuer könnte daher, selbst mit hohen Freibeträgen und unter Einbeziehung von Vermeidungseffekten, etwa 1,8 Milliarden Euro abwerfen. International ist das üblich: 27 OECD- und 17 EU-Länder haben derzeit solche Steuern.

Der ÖGB fordert daher:

  • Eine Erbschaftssteuer für große Vermögen
  • Eine Vermögenssteuer für die reichsten Haushalte