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Nicole (links) sorgt sich um die Zukunft ihrer Familie. Frau Baulesch (Mitte) hat Angst vor der Gasrechnung: Ihre Pension reicht nicht aus, um die explodierenden Kosten decken zu können. Und Monika Shalaj (rechts) bleibt am Ende des Monats einfach nichts mehr übrig, die Teuerung frisst alles auf. Drei Frauen haben uns erzählt, welche Auswirkung die Rekordteuerung auf ihr Leben hat.
Nicole (links) sorgt sich um die Zukunft ihrer Familie. Frau Baulesch (Mitte) hat Angst vor der Gasrechnung: Ihre Pension reicht nicht aus, um die explodierenden Kosten decken zu können. Und Monika Shalaj (rechts) bleibt am Ende des Monats einfach nichts mehr übrig, die Teuerung frisst alles auf. Elisabeth Mandl
Preise runter!

Teuerung - drei Frauen, drei Schicksale

Drei Menschen erzählen davon, wie die aktuelle Preisexplosion ihr Leben beeinflusst und ihnen Zukunftsängste bereitet

„Ich lebe von Monat zu Monat“

Monika Shalaj ist Leiterin eines Kinderhorts in Traiskirchen in Niederösterreich.

Sie hat damit nicht nur beruflich viel Verantwortung, sondern als Alleinerzieherin mit zwei Kindern im Alter von 6 und 17 Jahren auch privat jede Menge zu tun. Die aktuelle Teuerungswelle setzt ihr ordentlich zu. „Ein Wocheneinkauf unter 150 Euro ist fast nicht mehr drin“, erzählt die 40-Jährige. Bestimmte Dinge kaufe sie einfach nicht mehr, weil sie zu teuer sind, oder sie steigt auf Alternativen um: „Ich würde eigentlich gerne regional und Bio einkaufen, auch weil es umweltfreundlicher verpackt ist, aber das in Plastik eingeschweißte Obst und Gemüse aus dem Ausland ist da oft günstiger“, bedauert sie.

Sparen geht schon lange nicht mehr. Ich lebe von Monat zu Monat.

Monika Shalaj
Monika Shalaj
Elisabeth Mandl

Auch die hohen Spritpreise belasten die Familie. Zur Arbeit könnte die junge Mutter zwar mit der Bahn fahren, aber Einkäufe erledigen und ihre Kinder zum Fußball und anderen Freizeitaktivitäten zu bringen, schafft sie ohne Auto nicht. Trotzdem versuchen sie vermehrt auf das Fahrrad auszuweichen oder Wege zu Fuß zu erledigen.  Ihre  Kinder sollen die Auswirkungen jedenfalls nicht spüren, da stecke sie lieber selbst zurück. Wenn neue Kleidung gekauft wird, dann für die Kinder.

Auswärts essen zu gehen sei als Alleinerzieherin ohnehin kein Thema mehr: „Wenn dann zu Geburtstagen oder zu besonderen Anlässen, aber nicht einfach so zum Spaß.“ Und sparen, das gehe schon lange nicht mehr. „Ich lebe von Monat zu Monat.“ 

„Ich schränke mich in vielen Bereichen ein“

Die Rekord-Teuerungswelle macht natürlich auch vor älteren Menschen nicht halt und frisst gnadenlos die Pensionen auf.

Und das tagtäglich, wie die ehemalige Angestellte Margot Baulesch erzählt. „Ich schränke mich in vielen Bereichen ein. Allein beim Einkaufen merke ich, dass ich jetzt viel weniger im Wagerl hab als vor einem Jahr, aber gleich viel bezahle wie damals.“ Damit ist sie nicht allein, auch in Margots Bekanntenkreis „überlegen fast alle, wo sie hingreifen“. Hat man sich früher zu besonderen Anlässen etwas gegönnt, so lässt man jetzt die Finger davon, weil man es sich einfach nicht leisten kann. „Es ist wirklich heftig.“ 

Margot Baulesch
Elisabeth Mandl

Allein beim Einkaufen merke ich, dass ich jetzt viel weniger im Wagerl hab als vor einem Jahr, aber gleich viel bezahle wie damals.

Margot Baulesch

Angesichts der hohen Spritpreise ist Margot froh, dass sie viele ihrer Wege mit den Öffis erledigen kann. „Hier haben wir Glück in Wien, aber was machen PensionistInnen, die in Gebieten leben, wo es kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt?“, fragt sie. Aus Angst vor einer immensen Nachzahlung bei ihrer Gas-Jahresabrechnung hat Margot auch ihre Heizung in den Wintermonaten um drei Grad zurückgedreht, ein warmer Jogger hilft ihr, dass sie trotzdem nicht friert.

Emotional wird Margot, wenn sie darüber spricht, wie die Regierung die Menschen zurzeit im Stich lässt: „Sie müsste umgehend Steuern auf Grundnahrungsmittel oder Sprit senken. Das würden viele PensionistInnen sofort spüren!“ 

„Das gute Leben bröckelt Stück für Stück weg“

70 Stunden in der Woche zu arbeiten – auch in der Nacht –, das ist für Nicole keine Ausnahme. Sie muss dafür ihr privates Auto verwenden, und das ist ein Problem.

„Ich bekomme Kilometergeld, aber das rechnet sich nicht mehr. Ich zahle aus meiner Privattasche, dass ich für die Firma fahren darf“, klagt die 41-Jährige, die für Nachtzustellungen verantwortlich ist. Öffis kommen deshalb nicht infrage. „Ich arbeite Vollzeit, aber das Leben ist trotzdem nicht mehr leistbar. Ich überlege schon, ob ich einen zweiten Job annehmen muss“, erzählt sie.

Ich arbeite Vollzeit, aber das Leben ist trotzdem nicht mehr leistbar.

Nicole
Nicole Adamowitsch
Elisabeth Mandl

Die Situation habe sich für sie und ihre Familie in kurzer Zeit massiv verschlechtert. „Ich habe immer gearbeitet, als Familie waren wir gute Mittelschicht. Aber jetzt habe ich Angst, weil ich spüre, wie wir massiv an Lebensqualität verlieren“, schildert die Wienerin ihre Zukunftssorgen. Plötzlich tauchen Fragen auf, die zuvor undenkbar waren. Urlaub und Schwimmunterricht für ihre Tochter? Beides geht sich nicht mehr aus. Der Schulbeginn stelle sie, wie viele andere Familien, vor weitere finanzielle Probleme.

„Die psychische Belastung ist enorm. Corona, Krieg, Teuerungen – ich habe teilweise schon große Angst vor der Zukunft“, so Nicole, die festhält: „Man geht nur mehr arbeiten, um hoffentlich seine Ausgaben zu decken. Mehr ist das nicht mehr. Das gute Leben bröckelt Stück für Stück weg, ohne dass ich weniger leiste.“

„Uns reicht’s!” sagte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian am Wiener Karlsplatz vor 20.000 Menschen. Österreichweit gingen mehr als 32.600 DemonstrantInnen auf die Straße, um den explodierenden Kosten und der Untätigkeit der Politik den Kampf anzusagen.

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