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Gemeindebau Karl Marx-Hof
ÖGB

Wohnen

Es lebe der Gemeindebau

Ohne sozialen Wohnbau könnten sich viele Menschen in Österreich keine Wohnung leisten

Die Wohnkosten steigen seit Jahren in ganz Europa drastisch an – so auch in Österreich. Mit gezielter Förderung versucht Österreich hier gegenzusteuern und leistbaren Wohnraum auch in Zukunft zu erhalten. Vor allem Wien ist globaler Vorreiter am sozialen Wohnungsmarkt und das soll auch in Zukunft so bleiben. 

Stadt Wien investiert in sozialen Wohnbau

Wien wird regelmäßig zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Die Stadt wächst enorm und ExpertInnen erwarten auch in Zukunft ein Bevölkerungswachstum von über 10.000 Personen pro Jahr. Wohnraum wird daher immer knapper und auch teurer. Es werden zwar ständig neue Wohnungen gebaut, große Teile der Wiener Bevölkerung können sich diese Wohnungen allerdings nicht leisten.

In Österreich wohnen etwa 43 Prozent aller Menschen zur Miete, in Wien sogar 78 Prozent. Rund ein Viertel aller MieterInnen in Österreich lebt in Gemeindewohnungen oder in Wohnungen, die von gemeinnützigen Bauträgern errichtet wurden (geförderte bzw. Genossenschaftswohnungen) — in Wien liegt der Anteil sogar bei knapp zwei Drittel.

Die Wohnqualität dieser Wohnungen ist relativ hoch, die Kosten sind verhältnismäßig billig. Im Schnitt zahlen WienerInnen im Gemeindebau 6,60 Euro Miete pro Quadratmeter, in geförderten Wohnungen durchschnittlich 7,10 Euro pro Quadratmeter – in beiden Fällen weit weniger als am frei finanzierten privaten Wohnungsmarkt.

100 Jahre Gemeindebau – der Klassiker des sozialen Wohnbaus

Seit den 1920er Jahren begann man in Wien, Gemeindebauten zu errichten, um die große Wohnungsnot und Armut der Menschen in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg zu bekämpfen. Heute sind es rund 1.800 Bauten, die von etwa einer halben Million Menschen bewohnt werden.

Anders als in Städten wie Paris oder Berlin wurden die Wohnungen nicht an den Stadtrand geschoben, sondern sind in der ganzen Stadt verstreut. Sinn war die Mischung von unterschiedlichen Gruppen – die Entstehung einer Art sozialen Ghettos sollte vermieden werden. Die Wiener Wohnungspolitik ist damit weltweites Vorbild.

Heute gibt es in allen Wiener Bezirken Gemeindebauten, die meisten in den klassischen Arbeiterbezirken Favoriten und Rudolfsheim-Fünfhaus. Sie prägen das Wiener Stadtbild und sind zentraler Bestandteil der Wiener Architektur und auch Kultur. Der größte Gemeindebau ist die Großfeldsiedlung in Floridsdorf mit über 5.500 Wohnungen. Der Karl-Marx-Hof, einer der bekanntesten Wiener Gemeindebauten, ist mit einer Länge von über einem Kilometer das längste ununterbrochene Wohngebäude der Welt.

Gemeindebau NEU

15 Jahre lang wurden keine neuen Gemeindebauten mehr in Wien errichtet. Seit 2015 investiert die Stadt Wien endlich wieder in echten sozialen Wohnbau. Unter dem Schlagwort „Gemeindebau NEU“ sollen bis zum Jahr 2021 immerhin 4.000 neue Gemeindewohnungen gebaut werden, damit auch in Zukunft genügend leistbare Wohnungen zur Verfügung stehen. Keine andere Stadt der Welt hat heute so viel gemeinnützigen Wohnungsbesitz wie Wien. Grund dafür ist, dass der kommunale Wohnbestand in Österreich nicht privatisiert wurde, wie es in vielen anderen europäischen Ländern der Fall war, und daher auch keinen Spekulationen ausgeliefert war.