Sozialstaat = unser Sicherheitsnetz
Warum Sozialleistungen keine Almosen sind – und was hinter der Debatte um Lohnnebenkosten steckt.
Als Martin am Freitag die Kündigung bekommt, bricht für ihn erst einmal eine Welt zusammen. 18 Jahre im Betrieb, zwei Kinder, Kredit für die Wohnungseinrichtung. Wie geht es weiter? Wie lange reicht das Ersparte? Doch Martin steht nicht vor dem Nichts: Er bekommt Arbeitslosengeld, kann den Kredit vorerstweiterbezahlen, die Krankenversicherung bleibt. Genau das zeigt, was der Sozialstaat bedeutet – für Martin in seiner Notlage und für uns alle: medizinische Versorgung, Arbeitslosengeld, Pensionen oder Unterstützung bei Pflege – Leistungen, die wir jeden Tag spüren.
Ein Netz, das trägt
Was für Martin in seiner Situation Selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines starken Sozialstaats. Wenn Menschen ihren Job verlieren, krank werden oder im Alter nicht mehr arbeiten können, sorgt unser Sozialstaat dafür, dass niemand plötzlich ohne Einkommen dasteht. Das schützt nicht nur Einzelne, es hält unsere Gesellschaft zusammen und hilft auch der Wirtschaft ums Eck.
Wer zahlt (zu wenig)?
Finanziert wird unser Sozialstaat durch Beiträge zur Sozialversicherung und Steuern. Ein Teil der Sozialversicherungsbeiträge stammt von Arbeitnehmer:innen, ein relevanter Teil kommt aber von den Arbeitgebern – das sind die sogenannten Lohnnebenkosten. Den größten Anteil am Steueraufkommen leisten Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen – bei jeder Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung und bei jedem Einkauf mit der Mehrwertsteuer.
Das Prinzip unseres Sozialstaats heißt Solidarität: Viele zahlen nach ihren Möglichkeiten ein, niemand wird in einer Notlage alleingelassen. Wer (zu) wenig zahlt? Vermögende – und das, obwohl sie sich mehr leisten könnten.
Kein Sozialstaat – was dann?
Ohne Sozialstaat würden uns die großen Lebensrisiken wie zum Beispiel Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit mit voller Härte treffen:
- Eine Operation kostet Tausende Euro.
- Wer seinen Job verliert, hat kein Einkommen mehr.
- Bildung und Pflege sind dann unbezahlbar.
- Im Alter droht ein Leben in Armut.
Gefährliche Debatte
Damit unser System funktioniert, braucht es ausreichend Mittel. Trotzdem wird immer wieder gefordert, die Lohnnebenkosten zu senken. Klingt harmlos – ist es aber nicht. Vielmehr bedeutet es: weniger Geld für Pensionen, Krankenversicherung oder Arbeitslosenversicherung. Kurz gesagt: Es fließt weniger Geld in den Sozialstaat – und damit gibt es langfristig auch weniger Leistungen für alle.
Was Martin passiert ist, kann jede:n treffen. Und genau dafür gibt es unseren Sozialstaat. Er ist kein Geschenk, sondern ein Sicherheitsnetz für uns alle. So unverzichtbar wie Rettung, Feuerwehr und Trinkwasser. Mehr: oegb.at/soziale-gerechtigkeit
Mythos vs. Realität
Mythos: „Der Sozialstaat ist für die Faulen.
Realität: Alle profitieren – von der Geburt bis zur Pension.
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Mythos: „Der Staat zahlt das schon.“
Realität: Wir finanzieren den Sozialstaat – vor allem wir Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen.
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Mythos: „Weniger Lohnnebenkosten bringen mehr Gehalt bzw. Lohn.“
Realität: Nein, nicht automatisch, nur die Unternehmensgewinne wären damit sofort höher. Kein Sozialstaat – was dann?