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Die 40 Stunden-Woche hat abgedankt

Wenn die Produktivität steigt und die Arbeitsbelastung überhandnimmt, ist Arbeitsverkürzung die Lösung

Seit 45 Jahren und einer gefühlten Ewigkeit gilt in Österreich die 40-Stunden-Woche. Seither ist viel passiert. Die Wirtschaft ist stabil, die Anzahl der ArbeitnehmerInnen nimmt zu und die Produktivität insgesamt – besonders jene pro Arbeitssunde – steigt. „Österreich zählt traditionell zu den Ländern innerhalb der EU mit der höchsten Produktivitätssteigerung im Langzeitvergleich“, bestätigt Ernst Tüchler, Experte für Volkswirtschaft im ÖGB. Seit 1950 ist die Arbeitszeit nur leicht gesunken, obwohl wir um ein Vielfaches produktiver sind. 

„Österreich zählt traditionell zu den Ländern innerhalb der EU mit der höchsten Produktivitätssteigerung im Langzeitvergleich.“ 
Ernst Tüchler

Auf der anderen Seite nimmt die Arbeitsbelastung zu und der Druck auf ArbeitnehmerInnen steigt. Während die einen 255 Millionen Überstunden im Jahr machen, arbeitet mehr als eine Million Menschen – oftmals unfreiwillig – nur Teilzeit. Die voranschreitende Digitalisierung führt dazu, dass Arbeitsplätze automatisiert werden und verschwinden – sie ermöglicht uns aber auch Zeit zu sparen. Im Gegenzug wird es in der Dienstleistung, Pflege und Betreuung mehr Arbeitskräfte brauchen.

Fakt ist: Arbeit ist genug da, sie muss nur gerecht verteilt werden.

Kürzere Arbeitszeiten: Mehr Produktivität und glücklichere Menschen

Den eindeutigen Zusammenhang zwischen kürzerer Arbeitszeit und höherer Produktivität hat die Hans Böckler Stiftung in Deutschland schon 2007 festgestellt. Studien beweisen immer wieder, dass viele Menschen zwar acht Stunden lang körperlich am Arbeitsplatz anwesend sind, aber im Schnitt nur wenige Stunden konzentriert arbeiten können. Moderne Arbeitsgeräte und Digitalisierung erleichtern uns zwar oftmals den Arbeitsalltag, führen aber auch dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr verschwimmen.

Spätestens nach etwa sechs Stunden ist aber Schluss mit der Konzentration und die Produktivität sinkt.

Bekannt ist auch, dass kürzere tägliche Arbeitszeiten deutlich positive Effekte auf die Mitarbeitermotivation, die Gesundheit, die Work-Life-Balance und Krankenstandstage haben.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Beim Thema Arbeit und Arbeitszeit geht es nicht nur um ökonomische Zusammenhänge, sondern auch darum, ob und wie Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dazu braucht es Erwerbsarbeit und Einkommen, die das Auskommen sichern und die Zeit ermöglichen, an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen. Neben Arbeit braucht es Zeit für Hobbys, FreundInnen, PartnerInnen, Care-Arbeit, Freizeit, Erholung oder einfach für sich selbst.

Der Blick auf die steigende Produktivität kombiniert mit den sozialen Effekten führt uns vor Augen, dass eine Arbeitszeitverkürzung längst überfällig ist.

All das sind Merkmale guter Arbeit, die zum Wohlergehen der Gesellschaft und zum Funktionieren der Wirtschaft beiträgt, ohne krank zu machen. Der Blick auf die steigende Produktivität kombiniert mit den sozialen Effekten führt uns vor Augen, dass eine Arbeitszeitverkürzung längst überfällig ist.

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