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Harvey Weinstein ist leider kein Einzelfall

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Was #metoo bewegt hat und der Film Bombshell uns vor Augen führt

Alltagssexismus, Übergriffe, Machtmissbrauch: Der Hashtag #metoo hat im Oktober 2017 Missstände und Straftaten in der Filmindustrie ans Licht gebracht. Im Zentrum dabei steht Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Seit damals haben ihm mehr als 80 Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Ende Februar hat ihn ein US-Gericht der Vergewaltigung und schweren sexuellen Nötigung schuldig gesprochen.

Schon ein Jahr vor dem Bekanntwerden des Weinstein-Skandals erschütterten Enthüllungen über den Fox-News-Chef Roger Ailes Amerika. Roger Ailes war Begründer und 20 Jahre lang CEO des konservativen Fernsehsenders Fox News, des meistgesehenen amerikanischen Nachrichtensenders, der auch Donald Trump zum Wahlsieg verhalf. 

Macht ausnutzen

Im Film „Bombshell“ (seit 13. Februar in den Kinos) spielen Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie die Frauen, die Roger Ailes 2016 zu Fall brachten. Ailes nutzte seine Position und vor allem seine Macht aus: Er entschied darüber, wen er groß machte und wer zum Star wurde.

Beweisen mussten ihm die Frauen lediglich ihre Loyalität – „brave Soldaten“ wüssten schon wie – mit Blowjobs.

Cholerisch stampfte er durch die Büroräume und rief den Mitarbeiterinnen „Ziehen Sie sich ein kürzeres Kleid an“ zu, denn die durchsichtigen Tische im Fernsehstudio hätten ja einen Grund. 

Fleischbeschau

Als es die ehrgeizige Jungjournalistin Kayla Pospisil (gespielt von Margot Robbie) – eine fiktive Figur, zusammengesetzt aus rund 20 Frauen – ins Büro des Chefs schafft, um für sich als Moderatorin zu werben, interessiert er sich nur für ihre Beinlänge. Das Fernsehgeschäft sei ein „visuelles Medium“, darum müsse er ihre Beine überprüfen. Immer höher soll Kayla ihren Rocksaum heben. Höher. Noch höher. Bis schlussendlich ihr Slip zu sehen ist. 

Trailer zum Film "Bombshell"

„Sie sind sexy, aber viel zu anstrengend“

Sexuelle Herabwürdigungen standen auch auf Sendung quasi an der Tagesordnung, doch hinter der Kamera war es noch schlimmer, schilderte Gretchen Carlson (gespielt von Nicole Kidman) im Film. Als sie sich weigerte, länger die „TV-Barbie“ zu spielen, kündigte man ihr aufgrund „enttäuschender Zuschauerzahlen“. Sie war es auch, die AiIes als erste wegen sexueller Belästigung verklagte. 

Aussagen wie „Männerhasserin“, „Lernen Sie doch mit den Jungs auszukommen“ oder „Sie sind sexy, aber viel zu anstrengend“ notierte Gretchen Carlson über ein Jahr lang.

Megyn Kelly (Charlize Theron), damals ebenfalls Starmoderatorin bei Fox News, schloss sich nach längerem Schweigen der Klage an.

Sexuelle Belästigung gibt es überall

Herabwürdigungen, Erpressungen und Übergriffe am Arbeitsplatz machen vor keinem Milieu und keiner Branche oder (Führungs)Etage halt. Deutlich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen hat bereits schlechte Erfahrungen mit sexueller Belästigung durch männliche Kollegen, Chefs oder Kunden gemacht.

Aufgrund von Hierarchien und Abhängigkeiten ist sexuelle Belästigung besonders am Arbeitsplatz problematisch. 

Wie auch im Fall von Fox News haben viele Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder sich die Karriere zu zerstören. Sie trauen sich dann nicht, sich gegen Belästigungen oder Diskriminierungen zu wehren. Und das, obwohl im Gesetz ganz klar geregelt ist, dass der Arbeitgeber die ArbeitnehmerInnen sowohl vor sexueller Belästigung durch andere ArbeitnehmerInnen als auch durch Kundinnen und Kunden schützen muss.

Machtsysteme

Besonders problematischer ist es dann, wenn die sexuelle Belästigung vom Chef ausgeht. In diesem Fall kämpfen Frauen nicht nur gegen den eigenen Arbeitgeber, sondern meist auch gegen ein Machtsystem, das schwer zu durchbrechen ist. Wie auch in „Bombshell“ wollen Frauen oft, „dass es einfach aufhört“. Auch Megyn Kelly schwieg lange, im Glauben, dass sie darüber „erhaben sein“ müsse. Nur ein Bruchteil der Opfer geht zur Polizei.

Weinsteins Verurteilung markiert eine neue Ära

Weinsteins Verurteilung zeigt, was eine Bewegung wie #metoo ermöglichen kann. Aber ohne die Aussagen der mutigen Frauen wäre eine Verurteilung nicht möglich gewesen. "Dieser Prozess und die heutige Entscheidung der Geschworenen markieren eine neue Ära der Gerechtigkeit, nicht nur für diejenigen, die das Schweigen gebrochen haben und sich damit großem persönlichem Risiko ausgesetzt haben, sondern für alle Opfer von Belästigung, Missbrauch und Übergriffen am Arbeitsplatz", heißt es in einem Statement der Aktivistinnenorganisation Time's Up nach der Urteilsverkündung.

Wehren Sie sich!

Wenn Sie das Gefühl haben, diskriminiert oder belästigt zu werden, seien Sie nicht ruhig:

  • Sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens darüber
  • Informieren Sie Ihren Vorgesetzten
  • Sichern Sie Beweise – das hilft, sich später an alle Vorfälle zu erinnern
  • Holen sie sich Hilfe: beim Betriebsrat, beim Jugendvertrauensrat oder bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft (http://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at)

Alle Beratungsangebote des ÖGB in den Bundesländern finden Sie unter http://bit.ly/Mobbingberatung

Tipps, was Betroffene – aber auch BetriebsrätInnen – im Fall von Diskriminierung oder Belästigung tun und wie sie sich wehren können, gibt es außerdem in der Rechtsinfo der ÖGB-Frauen „Gleichbehandlung in der Arbeitswelt“.

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