Verschlossene Türen in der Villa Martini in Mattersburg. Die Arbeit drinnen geht trotzdem weiter. Michaela Hofer und ihre 40 KollegInnen kümmern sich weiter um 50 BewohnerInnen.

Vor den Vorhang

ÖGB lässt HeldInnen der Arbeit zu Wort kommen

„Es sind jene Menschen, die in „normalen“ Zeiten kaum beachtet werden, die jetzt in der Coronakrise aber mit noch mehr Engagement als sonst für uns da sind. Sie sind es, die sich im Dauereinsatz um unser aller Leben kümmern – die einen sind sichtbar, die anderen wirken im Verborgenen. Der Großteil von ihnen sind Frauen. Wir holen sie vor den Vorhang und geben ihnen ein Gesicht“, erklärt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Hannelore Binder.

Es sind jene Männer und Frauen, die Österreich derzeit am Laufen halten. Jene Menschen, die täglich im Handel, im Pflege- und Gesundheitsbereich oder in der Verwaltung, der Reinigung oder Betreuung arbeiten. Der Großteil von ihnen ist weiblich. In den Betreuungsberufen arbeiten 88 Prozent Frauen, das Gesundheitspersonal ist zu 82 Prozent weiblich, in der Lebensmittelbranche sind 71 Prozent der Beschäftigten Frauen.

„Die Arbeit dieser Menschen darf nicht nur in Extremsituationen wie der derzeitigen wertgeschätzt werden. Vielmehr bräuchten die Beschäftigten dringend bessere Arbeitsbedingungen, wie wir sie als ÖGB schon lange fordern. Sie sollten bei KV-Verhandlungen nicht länger um Wertschätzung und Anerkennung betteln müssen“, betont ÖGB-Landesfrauensekretärin Dorottya Kickinger.

Das wünscht sich auch Michaela Hofer, wenn die Krise vorbei ist. „Wir hoffen, dass wir nachher bei der 35-Stunden-Woche für die Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitsbereich mehr Gehör finden werden!“ Hofer kümmert sich im Altenwohn- und Pflegeheim „Villa Martini“ in Mattersburg um 50 PatientInnen ab der Pflegestufe vier. Für sie und ihre 40 Kolleginnen rennt auch während der Coronakrise ein fixes Dienstradl weiter. Der Unterschied ist, dass es keine Besuche gibt und PatientInnen auch nicht raus dürfen. Auch mit dem Arzt wird so oft wie möglich per Fax kommuniziert, im Notfall kommt er natürlich ins Haus. Man ist auch beim Umgang mit den PatientInnen vorsichtiger, trägt häufiger Mundschutz, um sich und vor allem die Älteren zu schützen. Bis jetzt gibt es bei den Bewohnern auch Verständnis für die Situation, „manche fragen aber schon, wann wieder der Alltag beginnt!“

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