Rückblick
Ehrung für jahrzehntelange Treue zur Gewerkschaft
Wer bis zu 80 Jahre lang einer Gewerkschaft die Treue hält, hat nicht nur die Geschichte Österreichs miterlebt, sondern auch jene der Arbeitnehmer:innenbewegung mitgeschrieben. Genau solche beeindruckenden Lebenswege standen bei der Ehrungsveranstaltung der Gewerkschaft vida am 27. Oktober 2026 im Kongresssaal der Arbeiterkammer Oberösterreich im Mittelpunkt.
Insgesamt 70 Mitglieder aus der Region Linz-Mühlviertel wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. vida-Landesvorsitzender Gerhard Siegl, Landesgeschäftsführer Mario Roitmair und Regionalvorsitzender Heinz Hell überreichten Ehrenurkunden und Ehrennadeln an Mitglieder, die der Gewerkschaft seit 25, 40, 50, 60, 70 oder sogar 80 Jahren verbunden sind.
„Wir sind hier, um Menschen zu würdigen, die über viele Jahre hinweg mit ihrer Mitgliedschaft, mit ihrem Engagement und mit ihrer Solidarität einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärke unserer Gewerkschaft geleistet haben. Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt und faire Arbeitsbedingungen nicht selbstverständlich sind, zeigt ihr mit eurer Treue, wie wichtig gewerkschaftliche Arbeit ist. Ihr seid das Fundament unserer Bewegung!“, betonte Siegl.
Als Österreich wieder aufgebaut wurde
Besonders bewegend war die Ehrung jener sechs Mitglieder, die bereits seit 80 Jahren der Gewerkschaft angehören, jedoch leider nicht persönlich anwesend sein konnten. Ihr Eintrittsjahr war 1946, eine Zeit des Neuanfangs. Österreich befand sich im ersten Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, die Arbeiterkammern wurden wiedererrichtet, der ÖGB festigte seine Strukturen und die Grundlagen der Sozialpartnerschaft entstanden. Viele Gebäude lagen noch in Trümmern, gleichzeitig wurde die Basis für jene sozialen Errungenschaften geschaffen, von denen Arbeitnehmer:innen bis heute profitieren.
Die Geehrten mit einer 80-jährigen Mitgliedschaft haben diese Entwicklung über acht Jahrzehnte hinweg begleitet. Sie erlebten den Wiederaufbau des Landes, die Entstehung der Sozialpartnerschaft und den Ausbau der Arbeitnehmer:innenrechte aus nächster Nähe.
Für Gerhard Siegl ist das weit mehr als eine beeindruckende Zahl: „80 Jahre Gewerkschaftsmitglied zu sein, bedeutet in der Zwischenkriegszeit aufgewachsen zu sein und die Nachkriegszeit und den Wiederaufbau mitgestaltet zu haben, die Gewerkschaft von ihren Anfängen bis jetzt begleitet und die Entstehung der Sozialpartnerschaft miterlebt zu haben. Ein langjähriges Bekenntnis zur Gewerkschaft ist ein Zeichen dafür, dass Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung auch in der aktuellen stürmischen Zeit nichts an Bedeutung verloren haben.“
Von der Aufbauzeit bis heute
Auch die Ehrung von 20 Mitgliedern für 70 Jahre Mitgliedschaft führte zurück in eine prägende Epoche Österreichs. Als diese Kolleg:innen der Gewerkschaft beitraten, schrieb das Land das Jahr 1956. Österreich war gerade dem Europarat beigetreten, Tausende Menschen flohen nach dem Ungarn-Aufstand über die Grenze, und gewerkschaftliche Arbeitskämpfe sorgten für wichtige Verbesserungen bei Löhnen und Arbeitsbedingungen. Der österreichweite Streik der Bäckereiarbeiter und die Arbeitskämpfe in Donawitz zählen noch heute zu den bedeutenden gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen der Zweiten Republik.
Die Jubilare stehen damit stellvertretend für Generationen von Arbeitnehmer:innen, die in unterschiedlichen Zeiten, aber mit derselben Überzeugung hinter ihrer Gewerkschaft standen: Gemeinsam ist man stärker.
Mit der Ehrungsveranstaltung bedankte sich die Gewerkschaft vida bei allen Ausgezeichneten für ihre langjährige Unterstützung, ihre Solidarität und ihr Engagement. Ihre Treue ist ein starkes Zeichen dafür, dass gewerkschaftlicher Zusammenhalt auch nach Jahrzehnten nichts von seiner Aktualität verloren hat.