Warnung vor Altersarmut:
Jede fünfte Frau ab 65 armutsgefährdet
Während das Alter, ab dem man in Pension gehen kann, in den letzten Jahren für Frauen angehoben wurde und die Rufe nach noch längerem Arbeiten immer lauter werden, erhöht sich das faktische Pensionsantrittsalter kaum. Zahlreiche Beschäftigte müssen beim Antritt ihres wohlverdienten Ruhestands massive Abschläge in Kauf nehmen. In Österreich ist jede fünfte Frau ab 65 Jahren armutsgefährdet. Während in Tirol die Pension der Männer durchschnittlich 2.281 Euro brutto beträgt, liegt sie bei Frauen bei lediglich 1.327 Euro brutto.
„Die Gründe für diese gefährliche Entwicklung liegen im Erwerbsleben. Niedrige Einkommen, schlechtere Aufstiegschancen, Erwerbsunterbrechung aufgrund von Betreuungspflichten und Teilzeitarbeit haben langfristige Auswirkungen. Die Politik darf nicht tatenlos zusehen, wie immer mehr Frauen in die Altersarmut rutschen, sondern muss hier strukturelle Verbesserungen auf den Weg bringen!“, erwartet sich Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied endlich Maßnahmen. Sie unterstreicht die schwierige Situation: „Viele wissen nicht, wie sie mit der geringen Pension über die Runden kommen sollen. Zusätzlich verschärft wird die Situation bei jenen, die alleine leben.“ Die Tiroler ÖGB-Chefin fordert zur Vorbeugung von Altersarmut unter anderem mehr Beschäftigungsinitiativen, altersgerechte Arbeitsplätze, bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und erneuert ihre Forderung nach einer raschen Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie.
Dass bei Teilzeit die Verantwortung allein bei den Beschäftigten selbst liege, stellt Föger-Kalchschmied entschieden in Abrede: „Gerade bei frauendominierten Branchen wie im Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich und im Handel werden Jobs überwiegend in Teilzeit ausgeschrieben. Dadurch sind die Einkommen naturgemäß geringer. Es sind also die Betriebe selbst, die hier prekäre Beschäftigungsformen forcieren.“ Teilzeitarbeit ist allerdings auch auf fehlende Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurückzuführen. „Tirol hat hier mit dem Vermittlungsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz schon viel erreicht, allerdings muss im Bereich der Öffnungszeiten – untertags, am Wochenende und in den Ferien – noch deutlich nachgebessert werden. Auch im Bereich der Pflege braucht es mehr Unterstützung pflegender Angehöriger“, so Föger-Kalchschmied.
Ein wesentlicher Meilenstein zur besseren Bezahlung von Frauen ist die von der EU vorgegebene und bislang in Österreich noch nicht umgesetzte Entgelttransparenzrichtlinie. „Gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit muss endlich Realität werden! Wer hier mit dem vorgeschobenen Argument des bürokratischen Mehraufwands dieses wichtige Instrument zur Gleichstellung zu verhindern versucht, nimmt bewusst in Kauf, dass Frauen weiterhin finanziell benachteiligt werden. Transparenz schafft Fairness – und Fairness darf nicht an überholten Ausreden von Wirtschaftsseite scheitern.“
30 Prozent der Betriebe ohne Mitarbeitende über 60
Doch auch bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen müsse man ansetzen, ist sich die Tiroler ÖGB-Chefin sicher: „Wir erleben immer wieder, dass ältere Arbeitnehmer:innen trotz jahrelanger Treue zur Firma aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die Chancen, ab 50 einen neuen Job zu finden, sind deutlich erschwert, ab 60 in der Realität kaum möglich.“ Besonders erschreckend: Laut einer Erhebung von AK und ÖGB beschäftigen 30 Prozent der mittleren und größeren Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten in Österreich keine einzige Person über 60 Jahren. Der Anteil der 60- bis 64-Jährigen an der Gesamtbelegschaft liegt bei mageren fünf Prozent. Der ÖGB bleibt weiterhin bei der Forderung nach einem Bonus-Malus-System: jene Betriebe, die Ältere beschäftigen, sollen belohnt werden, während jene, die dies ablehnen, zahlen sollen.
Altersgerechte Arbeitsplätze
Wer länger arbeiten soll, braucht passende Rahmenbedingungen. Wichtig sind gesundheitsfördernde Arbeitsplätze und Vorbeugung gegen körperliche wie psychische Belastung. Auch Flexibilität spielt eine Rolle: Teilzeit, Homeoffice, angepasste Arbeitszeiten oder längere Urlaubsphasen können dabei helfen, dass Arbeit bis ins höhere Alter möglich bleibt. „Altersgerechte Arbeitsplätze sind der Schlüssel zu mehr Beschäftigung. Auch hier sind die Unternehmen in der Pflicht, ihren Mitarbeiter:innen, die ihnen jahr- oft jahrzehntelang die Treue gehalten haben, am Ende des Erwerbslebens gute Rahmenbedingungen zu schaffen.“
Föger-Kalchschmied fordert zudem die finanzielle Absicherung sowie Ausweitung der „Beschäftigungsinitiative 50+“.