Zur Pensionsdebatte:
An Altersgrenze von 65 Jahren wird nicht gerüttelt!
„Arbeitehmer:innen in der Pensionsdebatte gegeneinander auszuspielen ist ein absolutes No-Go!“, stellt Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied angesichts der vermehrten Zurufe nach einem noch späteren Pensionsantrittsalter klar. Demnach sollen Beschäftigte nur dann mit 65 Jahren in Pension gehen können, wenn sie bis dahin 45 Jahre gearbeitet haben. Damit werden unter anderem jene benachteiligt, die für ihre Berufslaufbahn Ausbildungen benötigt haben. Statt immer neue Hürden für den Pensionsantritt zu errichten, braucht es Maßnahmen, die gesundes Arbeiten bis zur Pension ermöglichen: bessere Arbeitsbedingungen, konsequenten Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, mehr Prävention und einen Arbeitsmarkt, der ältere Arbeitnehmer:innen nicht aussortiert.
„Offenbar zählt der Mensch und seine persönliche Lebensrealität gar nichts mehr. Die Rufe nach immer noch mehr Arbeiten und das Ausspielen von jenen, die eine Lehre abgeschlossen haben, gegenüber jenen, die eine andere Ausbildung absolviert haben, offenbart ein bedenkliches Weltbild, das die unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erwerbsbiographien der Menschen völlig ausblendet“, zeigt sich die Gewerkschafterin entsetzt. Wer über die Finanzierung des Pensionssystems diskutieren will, müsse seriöse Lösungen auf den Tisch legen und dürfe die Verantwortung nicht einseitig auf die Beschäftigten abwälzen.
Vor allem erreichen viele Beschäftigte – insbesondere in körperlich oder psychisch anspruchsvollen Berufen – das gesetzlich vorgeschriebene Pensionsalter nicht oder mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen. „Ihnen nun noch längere Erwerbszeiten aufzubürden, ist weder sozial gerecht noch wirtschaftlich sinnvoll. Dieser angebliche Leistungsgedanke, der immer ins Treffen geführt wird, geht an der Realität vollkommen vorbei. Wer Leistung wirklich belohnen will, soll bei der Bezahlung von gesellschaftlich unverzichtbarer Arbeit beginnen“, hat die Gewerkschafterin kein Verständnis für die aktuelle Debatte.
30 Prozent der Betriebe ohne Mitarbeitende über 60
Noch absurder werden Forderungen nach längeren Arbeitszeiten angesichts der Situation am Arbeitsmarkt. „Wie sollen Menschen länger arbeiten, wenn sie von vielen Unternehmen schon ab 50 aussortiert werden?“, verweist die Tiroler ÖGB-Chefin auf die Absurdität. Laut einer Erhebung von AK und ÖGB beschäftigen 30 Prozent der mittleren und größeren Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten in Österreich keine einzige Person über 60 Jahren. Der Anteil der 60- bis 64-Jährigen an der Gesamtbelegschaft liegt bei mageren fünf Prozent. „Diese Zahlen entlarven die Debatte um ein höheres Pensionsalter als scheinheilig. Vielmehr muss die Wirtschaft ihre Hausaufgaben machen und die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Beschäftigte bis zum regulären Pensionsantritt im Erwerbsleben bleiben können“, fordert die Gewerkschafterin mehr Verantwortung. Sie spricht sich zudem für einen wirksameren Kündigungsschutz für ältere Mitarbeiter:innen aus.
Der ÖGB bleibt zudem weiterhin bei der Forderung nach einem Bonus-Malus-System: jene Betriebe, die Ältere beschäftigen, sollen belohnt werden, während jene, die dies ablehnen, zahlen sollen. Föger-Kalchschmied fordert zudem die finanzielle Absicherung sowie Ausweitung der „Beschäftigungsinitiative 50+“.