Besserer Hitzeschutz in Innenräumen:
Klimakrise längst in Arbeitswelt angekommen
Die vergangenen Tage zählten in Österreich zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die anhaltende Hitzewelle zeigt einmal mehr, dass extreme Temperaturen längst keine Ausnahme mehr sind, sondern zur neuen Realität werden. Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fordert jetzt besseren Hitzeschutz bei Arbeiten auch in Innenräumen. „Obwohl es seit Jahren immer heißer wird, wurden in der Vergangenheit viel zu wenig Vorkehrungen zum Schutz der Beschäftigten getroffen. Erneut sind wir zu wenig vorbereitet auf die Hitzewellen und ihre verheerenden Auswirkungen“, mahnt die Gewerkschafterin dringend Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer:innen sowie zur Bekämpfung des Klimawandels ein.
Seit 1. Jänner 2026 ist die neue Hitzeschutzverordnung in Kraft. Konkret verpflichtet die Verordnung Arbeitgeber dazu, Schutzmaßnahmen zu setzen, sobald die GeoSphere Austria eine Hitzewarnung ab Stufe 2 (ab 30 Grad) ausgibt. Ab dann darf auch das Arbeitsinspektorat kontrollieren – „ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Gesundheit und Sicherheit“, betont Föger-Kalchschmied. Die Hitzeschutzverordnung umfasst unter anderem technische und organisatorische Schutzmaßnahmen, etwa durch Arbeitszeitverlagerung, Beschattung, Tätigkeitswechsel sowie persönliche Schutzmaßnahmen, z. B. leichte Schutzkleidung, Kopfbedeckung, kühlende Kleidung und Sonnenschutz. Mit der Hitzeschutzverordnung wurde eine langjährige Forderung der Gewerkschaft erfolgreich umgesetzt.
Hitze u.a. in Produktionsstätten, Küchen und überhitzten Büros
Angesichts der Hitzewelle der vergangenen Tage, die unter anderem Innsbruck mit knapp 39 Grad den heißesten Junitag seit Beginn der Aufzeichnungen bescherte, fordert die Tiroler ÖGB-Chefin jetzt auch besseren Schutz in Innenräumen: „Wer in einer Produktionshalle, einer Hotelküche, auf einer Baustelle im Innenbereich, im Friseursalon oder einem überhitzten Büro arbeitet – um nur ein paar Beispiele von vielen zu nennen - ist gesundheitlichen Belastungen ebenso ausgesetzt wie Beschäftigte auf Baustellen oder im Straßenbau. Hohe Temperaturen führen zu Konzentrationsverlust, Kreislaufproblemen und erhöhen das Unfallrisiko massiv. Die Klimakrise ist längst in der Arbeitswelt angekommen. Wir benötigen dringend einen umfassenden Hitzeschutzplan, der alle Arbeitsorte miteinschließt!“ Ein solcher Hitzeschutzplan könnte von verpflichtenden Pausen in kühleren Räumen, über bauliche Schutzmaßnahmen bis hin zu freien Tagen ab einer gewissen Temperatur reichen. Sie verweist zudem auf die schwierige Situation von Buslenker:innen, die nicht selten ihre Pausen in völlig überhitzten Bussen verbringen müssen, den Motor und somit die Klimaanlage nicht einschalten dürfen.
Klimawandel auf dem Vormarsch: Politik gefordert
Gleichzeitig sieht der ÖGB Tirol die Politik in der Verantwortung, den Klimawandel entschlossener zu bekämpfen. „Arbeitnehmer:innenschutz und Klimaschutz gehören untrennbar zusammen. Die Politik ist hier klar in der Verantwortung, alle nur möglichen Maßnahmen gegen den Klimawandel endlich zu realisieren!“ Wie dringend entschlossenes Handeln ist, zeigt auch eine aktuelle Schnellanalyse der World Weather Attribution-Initiative (WWA): Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Trotzdem ist Österreich säumig: Laut dem Umweltbundesanwalt verfehlt Österreich die Klimaziele 2030 mit der aktuellen Politik deutlich.
Rekordhitze als unmissverständlicher Weckruf
„Diese Fakten sind ein unmissverständlicher Weckruf. Die Rekordhitze der vergangenen Tage darf nicht zur neuen Normalität werden. Wir müssen alles daransetzen, die Klimakrise einzudämmen und gleichzeitig die Menschen vor den verheerenden Folgen zu schützen. Jetzt sind entschlossene Maßnahmen gefragt: für wirksamen Klimaschutz und für sichere Arbeitsbedingungen bei jeder Temperatur“, appelliert Föger-Kalchschmied. Zu den vom ÖGB geforderten Maßnahmen zählen unter anderem der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, klimafitter Gebäudebau, Einbindung angemessener Strategien für einen gerechten Wandel in den nationalen Energie- und Klimaplan mit Fokus auf Erleichterung von Beschäftigungsübergängen, langfristige Strategien zur Reduktion des Energie- und Ressourcenbedarfs sowie die Erarbeitung einer österreichweiten, mit den Klimazielen von Paris kompatiblen Infrastrukturstrategie als übergeordnetes, zeitlich abgestuftes, breit abgestimmtes Planungsinstrument, das für alle Gebietskörperschaften verbindlich ist.
Milliardär:innen eskalieren die Klimakrise
Der Klimawandel erhöht zudem die Ungerechtigkeit: Während die Superreichen zu großen Teilen für den vermehrten Schadstoffausstoß verantwortlich sind, kann sich der ärmere Teil der Bevölkerung deutlich schwerer vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen. Oxfams Berechnungen zeigen, dass 50 der reichsten Milliardär:innen der Welt in einem einzigen Jahr jeweils mit durchschnittlich 184 Flügen 425 Stunden in der Luft verbrachten. Damit war jede und jeder von ihnen für so viel Treibhausgase verantwortlich wie der Durchschnitt der übrigen Weltbevölkerung in 300 Jahren. Im gleichen Zeitraum haben die Superjachten dieser Milliardär:innen so viel Treibhausgase produziert wie ein durchschnittlicher Mensch in 860 Jahren.