Ich verdiene zu wenig

Gleiche Chancen und Bezahlung für Frauen und Männer im Arbeitsleben sowie die gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sind nach wie vor nicht verwirklicht. Frauen leisten dank diverser Betreuungspflichten immer noch einen großen Anteil unbezahlter Arbeit und viele Branchen, in denen Großteils Frauen arbeiten, sind nach wie vor sehr schlecht bezahlt. Das wirkt sich langfristig auch auf die Pensionshöhe aus und steigert das Risiko für Altersarmut – und es lässt uns den Wert von Arbeit grundsätzlich hinterfragen.

News zum Thema

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Wert von Arbeit

Viele für unsere Gesellschaft wichtige Branchen wie der Gesundheits- oder Sozialbereich sind nach wie vor sehr schlecht bezahlt – gerade Jobs in der Pflege, der Pädagogik und im Dienstleistungsbereich, wo Großteils Frauen arbeiten. Wir setzten uns dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung in diesen Bereichen verbessert und Mindestlöhne in den Kollektivverträgen festgeschrieben werden.

Zusätzlich werden zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Haushalt von Frauen erledigt. Bezahlte Arbeit wird bei Frauen nach wie vor als „Zuverdienst-Job“ gesehen, während Männer oft als „Ernährer“ der Familie gelten. Im Durchschnitt arbeiten Frauen in Österreich zusätzlich 27 Stunden in der Woche unbezahlt, Männer hingegen nur 16 Stunden. Daher sind viele Frauen, fast die Hälfte von ihnen, gezwungen einen Teilzeit- statt einen Vollzeitjob anzunehmen. Das muss sich ändern.

Viele für unsere Gesellschaft wichtige Branchen wie der Gesundheits- oder Sozialbereich sind nach wie vor sehr schlecht bezahlt. Das muss sich ändern!

Gewerkschaftsfrauen

Equal Pay Day

Nach wie vor ist in Österreich der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern drastisch hoch – die Einkommensschere beträgt etwa 20 Prozent. Das bedeutet für erwerbstätige Frauen einen Einkommensverlust von rund 435.000 Euro in einem Erwerbsleben. Der Europäische Gewerkschaftsbund hat errechnet, dass es noch mindestens 30 Jahre dauern wird, bis es Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gibt – ein Szenario, das für die Gewerkschaftsfrauen völlig inakzeptabel ist.

30 Jahre noch bis zur Lohngleichheit? Für uns völlig inakzeptabel!

Gewerkschaftsfrauen

Equal Pay Day 2020

Am 22. Oktober 2020 war in Österreich „Equal Pay Day” – also jener Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erreicht haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Das heißt: Österreichs Frauen arbeiten heuer im Verhältnis zu den Männern 71 Tage „gratis“ und verdienen damit im Durchschnitt um mehr als 10.000 Euro weniger pro Jahr. Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Österreich bei 53.153 Euro liegt, verdienen Frauen durchschnittlich 42.880 Euro brutto im Jahr. Daraus ergibt sich ein Minus von 19,3 Prozent.

Der Wiener Equal Pay Day fällt heuer auf den 11. November 2020. Das heißt: Wiens Frauen arbeiten heuer im Verhältnis zu den Männern 51 Tage „gratis“. Im österreichweiten Vergleich schneidet Wien am besten ab. Hier zeigt sich die Wichtigkeit einer guten sozialen Infrastruktur ist. Dank dem guten Angebot an Kinderbetreuung und Co. sind die Berufschancen für Frauen in Wien entsprechend günstig, was sich wiederum auf ihr Einkommen auswirkt. In Vorarlberg fiel der Equal Pay Day heuer beispielweise bereits auf den 24. September (Gender Pay Gap: 27 Prozent).


Einkommensberichte

Seit 1. März 2011 sind Unternehmen erstmals verpflichtet, die Einkommen ihrer Beschäftigten nach Geschlecht betriebsintern und anonymisiert offenzulegen. Der ÖGB war maßgeblich an der gesetzlichen Verankerung der Einkommenstransparenz beteiligt. Einkommensberichte können Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Bezahlung schwarz auf weiß aufzeigen.

Die Einkommensberichte sind ein starkes Instrument um damit nachvollziehen können, wie hoch die Gehälter von Frauen und Männern in einer Verwendungsgruppe sind. Wenn Ungleichheiten beim Einkommen da sind, kann das Gespräch mit der Unternehmensleitung gesucht und Druck gemacht werden, damit diese Unterschiede behoben werden.


Frauenpensionen

Frauen erhalten im Jahr 2020 immer noch rund 42 Prozent weniger Pension als Männer. Die Gründe für die Pensionsschere sind vielfältig. Grundsätzlich wird die Höhe der Pension von der Dauer des Erwerbslebens und dem Einkommen bestimmt. Nachdem Frauen aufgrund von Betreuungspflichten öfter Erwerbsunterbrechungen haben und allgemein weniger verdienen als Männer, wirkt sich das in der Folge massiv auf ihre Pensionshöhe aus.

Die Durchschnittspension von Frauen ist nur geringfügig höher als die Armutsgrenze in Österreich, die aktuell bei 1.060 Euro im Monat liegt. Es ist daher sehr schwierig, mit dieser Pension sein Leben zu bestreiten. Auf Reisen gehen und ausreichend Geld für Hobbies zu haben, bleibt für viele Frauen im Alter leider oft ein Traum. Das Pensionseinkommen reicht oft kaum aus, um einen Monat lang über die Runden zu kommen, unerwartete Rechnungen zu begleichen oder die Wohnung im Winter angemessen warm halten zu können.

Dadurch sind viele Frauen finanziell abhängig von ihrem Partner. Den meisten Frauen sind diese Ungerechtigkeiten bewusst, es gibt aber zu wenig Transparenz und Wissen, wie hier gegengesteuert werden kann. Die ÖGB-Frauen fordern eine bessere und längere Anrechnung der Kindererziehungszeiten auf die Pensionshöhe und einen Rechtsanspruch auf einen Gratis-Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr, um hier gegenzusteuern (siehe Forderungspapier "Vereinbarkeit Familie und Beruf").