Zum Hauptinhalt wechseln
Fachkräfte werden dringend benötigt – doch für Menschen über 50 bleiben die Türen oft geschlossen. peterschreiber.media – stock.adobe.com

Erfahrung gesucht, Chancen gefordert

Fachkräfte werden dringend benötigt – doch für Menschen über 50 bleiben die Türen oft geschlossen. Der ÖGB fordert ein Bonus-Malus-System für Betriebe.

Michael M.* ist 50 Jahre alt. Seit Monaten sucht er in Wien einen Job im Verkauf oder im Service. Trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung, großer Einsatzbereitschaft und unzähliger Bewerbungen erhält er eine Absage nach der anderen – oft ohne Begründung. Nicht weil er nicht qualifiziert wäre, sondern weil Vorurteile es ihm schwer machen. Diese Erfahrungen schilderte er kürzlich in einem Kommentar auf Facebook. „Ich bin fit, flexibel, arbeite gerne Vollzeit – auch am Wochenende und im Schichtdienst. Trotzdem habe ich immer stärker das Gefühl, dass mein Alter das Problem ist – auch wenn niemand das offen ausspricht“, schreibt Michael.

Vorurteile statt Chancen

Ab 50 gilt man am Arbeitsmarkt oft als „zu alt“. Nicht offiziell, nicht offen ausgesprochen – aber spürbar. Viele Arbeitnehmer:innen wie Michael erleben genau das: Sie verlieren ihren Job oder können aus gesundheitlichen Gründen ihren bisherigen Beruf nicht weiter ausüben. Sie wollen weiterarbeiten, doch niemand gibt ihnen eine Chance. „Besonders frustrierend ist, dass viele Unternehmen dringend Fachkräfte suchen, aber Bewerber über 50 systematisch aussortieren. Das wirkt entmutigend und ist für mich und viele andere existenziell belastend“, schreibt der 50-Jährige. Betriebe hingegen fürchten höhere Kosten oder geringere Leistungsfähigkeit – oft ohne jede Grundlage. Die Folgen für Michael und Tausende Arbeitnehmer:innen 50 plus sind bitter: lange Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste, gesundheitliche Belastungen – und vor allem Sorgen um die Zukunft. Denn viele Betroff ene rutschen direkt aus der Arbeitslosigkeit in die Pension und damit oft auch in die Altersarmut.

Quelle: STANISLAUS STADLMANN, AK WIEN \\ ARBEITSMARKTDATENBANK DES AMS ÖSTERREICH UND DES BMASGPK
Bleib informiert über deine Arbeitswelt!
Das Wichtigste auf einen Blick

Länger arbeiten – aber ohne Job?

Immer wieder fordern Wirtschaftsvertreter:innen, dass das Pensionsantrittsalter hoch werden müsse. Doch diese Forderung passt nicht zur Realität. Wie soll jemand länger arbeiten, wenn Betriebe ältere Personen systematisch ausschließen? Studien zeigen: Der Großteil ist auch rund um das Pensionsantrittsalter noch motiviert und arbeitsfähig. Dieses Potenzial wird verschenkt. Besonders betroff en sind Frauen. Seit 2024 steigt das Frauenpensionsantrittsalter schrittweise auf 65 Jahre. Sie müssen länger arbeiten, treffen aber auf einen Arbeitsmarkt, der sie früh ausschließt. Das erhöht das Risiko von Altersarmut.

Quelle: STANISLAUS STADLMANN, AK WIEN \\ ARBEITSMARKTDATENBANK DES AMS ÖSTERREICH UND DES BMASGPK

Anreizsystem für Unternehmen

Der ÖGB fordert ein Bonus-Malus-System für Unternehmen. Betriebe, die ältere Arbeitnehmer:innen einstellen und halten, sollen gezielt belohnt werden. Unternehmen, die Menschen ab 50 systematisch ausschließen oder früh aus dem Job drängen, sollen fi nanziell stärker in die Verantwortung genommen werden. So entsteht ein klarer Anreiz für eine faire Personalpolitik – ohne Altersdiskriminierung.

Aktion 55+

Neue Chancen für ältere Arbeitnehmer:innen

Mit der Aktion 55+ setzt die Bundesregierung ein gezieltes Arbeitsmarktprogramm für Menschen ab 55 Jahren um. Ziel ist es, ältere Arbeitnehmer:innen beim raschen Wiedereinstieg in den Job zu unterstützen. Geplant sind 3.000 bis 6.000 neue Arbeitsplätze mit kollektivvertraglicher Bezahlung – vor allem in sozialökonomischen Betrieben, gemeinnützigen Projekten und auch in privaten Unternehmen. Der ÖGB sieht darin einen wichtigen Schritt, insbesondere für Frauen. Da das Pensionsantrittsalter schrittweise steigt, sind viele länger auf gute und faire Arbeit angewiesen.

Mehr Infos: oegb.at/ams/aktion55

Unsere Forderungen:

  • Konsequenter Kampf gegen Altersdiskriminierung bei Bewerbungen
  • Förderungen für Betriebe, die Arbeitnehmer:innen ab 50 einstellen
  • Weiterbildung und altersgerechte Arbeitsplätze
  • Faire Chancen für alle Altersgruppen – auch beim Wiedereinstieg

Länger arbeiten kann nur funktionieren, wenn Arbeit auch zugänglich bleibt. Ein gutes Arbeitsleben endet nicht mit 50 und eine faire Arbeitswelt darf niemanden ausschließen.