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Erfolgsgeschichte: Frauenstiftung Steyr

Anfang der 90er sperrten zwei Betriebe in Steyr zu. Engagierte Frauen gründeten daraufhin den Verein Frauenarbeit Steyr.

Anfang der 1990er Jahre sperrten in Steyr zwei Betriebe zu: der Elektronikhersteller Telefunken und das Kabelwerk VTS. Mit einem Schlag waren rund 600 meist un- bzw. angelernte Frauen arbeitslos. Daraufhin beschlossen engagierte Frauen, den Verein Frauenarbeit Steyr zu gründen, um den Arbeitssuchenden neue Perspektiven zu zeigen.

Angebot nutzen Akademikerinnen genauso wie Frauen ohne Pflichtschulabschluss

Seit Oktober 1992 können Arbeitssuchende, Wieder- und Umsteigerinnen sich nach einer Erstberatung und der Erstellung eines Bildungsplanes zu allen möglichen Berufen ausbilden lassen. Das Angebot nutzen Akademikerinnen genauso wie Frauen ohne Pflichtschul- oder Lehrabschluss, junge Frauen ebenso wie die Generation 55 plus und Alleinerzieherinnen, Verheiratete und auch Migrantinnen.

Sie besuchen Schulen, absolvieren hausinterne Kurse oder werden direkt in Betrieben ausgebildet: etwa zur Apothekenhelferin, Zahntechnikerin, Betriebselektrikerin oder auch Unternehmerin.

Durchschnittlich schließen pro Jahr siebzig Frauen ihre Ausbildung ab, ebenso viele bleiben in den Lehrbetrieben, finden anderswo Arbeit oder gründen ihren eigenen Betrieb.

Wurden 1992/1993 noch vier Frauen ausgebildet, so gab es im Jahr 1998 bereits 500 Teilnehmerinnen in verschiedensten Kursen und Projekten und 1.500 Ratsuchende. Seit den 2000er Jahren werden jährlich rund 2.000 Frauen betreut.

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Die Frauen können sich zu allen möglichen Berufen ausbilden lassen, auch technische Berufe stehen im Fokus.

Eine der Gründungsmitglieder ist die Hilfsarbeiterin und Betriebsrätin Anna Buchberger. Sie erinnert sich an die vielen Hürden, die es anfangs zu nehmen gab, wie die Sicherstellung der Finanzierung durch die öffentliche Hand.

Gab man dem Verein 1992 noch kaum Überlebenschancen und stieß er durch Fördermittelumstellungen beim Arbeitsmarktservice (AMS) im Jahr 2002 auf Schwierigkeiten, so sagt die Geschäftsführerin Klaudia Burtscher heute: „Das AMS steht auf uns.“

War es anfangs kaum möglich, Ausbildungsbetriebe für Frauen in technischen oder handwerklichen Branchen zu finden, so sind heute über 400 Unternehmen Kooperationspartner. Und Frauen, die bei der Frauenstiftung Steyr einen Beruf erlernt haben und sich danach selbstständig gemacht haben, geben inzwischen neuen „Stiftlingen“ Arbeit.

Frauen-Implacentstiftung gegründet

Seit Gründung der Stiftung passten die Verantwortlichen sich nicht nur den zur Verfügung gestellten Förderungen an, sondern entwickelten auch entsprechend den Veränderungen in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt neue Bildungsangebote. Bis zur Reduzierung der Förderungen im Jahr 2002 übernahm das AMS die Kosten für die Ausbildung und Lebenshaltung der Frauen sowie die Dienstleistungen der Frauenstiftung Steyr.

Ab 2002 wurden nur mehr Lehrausbildungen für Berufe mit einem Frauenanteil unter 40 Prozent und keine reinen Schulausbildungen mehr unterstützt. Also gründete die Frauenstiftung die Frauenimplacementstiftung Steyr als weiteres Standbein.

Fachkräfte gezielt für den Bedarf der Unternehmen ausgebildet

Seit März 2003 teilen sich das AMS, das Land Oberösterreich und die Ausbildungsbetriebe die entstehenden Kosten, so bezahlen etwa die Unternehmen das Stipendium und das AMS den Lebensunterhalt der Teilnehmerin.

Fachkräfte werden nun gezielt für den Bedarf der Unternehmen ausgebildet und den arbeitssuchenden Menschen bietet das Modell die Möglichkeit einer theoretischen und betriebspraktischen Ausbildung mit anschließender Übernahme in ein Dienstverhältnis beim Praktikumsbetrieb.

Fit für Veränderungen am Arbeitsmarkt

Die Frauenstiftung Steyr reagierte auch von Anfang an auf Veränderungen am Arbeitsmarkt. Seit im Jahr 2000 klar wurde, dass EDV und Internet eine zukunftsträchtige Branche sein werden, entwickelte sie Ausbildungen zu IT-Spezialistinnen und bot Internetbasiskurse an.

Im Jahr darauf startete das Projekt FEM.IT. In Workshops setzten sich Frauen mit den Anforderungen in technischen Berufen auseinander und wurden bei der Planung ihrer technischen Ausbildung und Suche nach einem Ausbildungsbetrieb unterstützt.

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Auch wenn der Großteil der Schulungsteilnehmerinnen Frauen zwischen 30 und 40 Jahre alt sind, die nach der Familienphase ihre Lehre abschließen oder einen neuen Beruf erlernen wollen, legt die Frauenstiftung Steyr auch besonderes Augenmerk auf lebensbegleitendes Lernen und die Ausbildung von jungen Frauen.

Frauenkarrieren 50+

Mit dem Programm „Frauenkarriere 50+“ wurden die bestehenden Qualifikationen der Teilnehmerinnen verbessert und auch arbeitsplatzbezogene Coachings wie EDV, der Umgang mit Neuen Medien, Zeitmanagement und Gesundheit am Arbeitsplatz angeboten.

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Schulabgängerinnen bot die Stiftung hingegen Bewerbungstrainings an, entwickelte schon 1994 das Modell Betriebselektrikerin und vermittelte Praktika für junge Frauen in die umliegenden Automobilfabriken.

Von 2002 bis 2010 wurden im Projekt „mut! - mädchen und technik“ gemeinsam mit Kooperationspartnern und in sieben Bundesländern Mädchen, LehrerInnen und Eltern auf Ausbildungsmöglichkeiten in technischen Berufen hingewiesen. Junge Frauen in „männerdominierten“ Branchen wurden 2009 zusätzlich durch das Projekt „Competent and tough“ bei der Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen im Unternehmen gefördert. Und: Seit 2006 werden im Rahmen von „FIT“ Frauen in Handwerk und Technik ausgebildet und seit 2012 in Kurzausbildungen als Facharbeiterinnen qualifiziert.

Mobile Lernwerkstätten

Doch das Ausbildungsangebot ist nicht nur auf Steyr begrenzt. Frauen aus den ländlichen Regionen ist es oft wegen fehlender Kinderbetreuung oder Mobilität nicht möglich, Kurse zu besuchen. Also entwickelte die Frauenstiftung Steyr die mobile Lernwerkstatt und den Aufbaukurs, den Bildungsschlüssel. In Kleingruppen erlernen die Teilnehmerinnen Basiskompetenzen, aber auch, wie man freie Reden vor Publikum hält.

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Vor allem in den ländlichen Regionen fehlen Frauenarbeitsplätze. Um dem entgegen zu wirken, wurde das Ausbildungsprogramm „Aurora“ entwickelt. Nur ein Jahr nach Beginn der Ausbildung hatten bereits zwölf Frauen ihr eigenes Unternehmen gegründet – von einer Tourismusagentur über Gartenpflege bis hin zum mobilen Reformhaus. Als die Frauen bei den Betriebsgründungen auf Schwierigkeiten stießen, unterstützte die Frauenstiftung Steyr sie beim „bürokratischen Hürdenlauf“.

MOLE - Modulares Lernen für Frauen mit Migrationshintergrund

Im Jahr 2006 kam ein weiteres Ausbildungsangebot hinzu: ein Projekt zur Verbesserung der Berufs- und Lebensperspektiven von asylberechtigten Frauen und Mädchen. Vier Jahre später wurde das Angebot ausgeweitet. MOLE (Modulares Lernen für Frauen mit Migrationshintergrund) setzte sich zum Ziel, Frauen bei der Berufsorientierung und durch gezielte Lernunterstützungen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

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Und seit 2013 unterstützt das Projekt MILLI (Migrantinnen leben und lernen integriert) zugewanderte Frauen bei der Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Partizipation und ihrer Chancen am Arbeitsmarkt. Im Netzwerkprojekt „connecting communities“, das beim ESF-Innovationsaward den 2. Platz erzielte, wird seit 2002 Radio machen als Lernmethode in interkulturellen und crossmedialen Lernsettings eingesetzt.

Seit 2006 beschäftigt sich die Frauenstiftung Steyr im österreichweiten Netzwerk „learn forever“ mit der Entwicklung neuer Lernmethoden und Lernzugängen für bildungsbenachteiligte Frauen. Frauen, die oftmals noch nie oder seit mehr als 20 Jahren keine Weiterbildung mehr absolviert haben, werden ein individueller Einstieg in die EDV und die Auffrischung ihrer Kenntnisse ermöglicht.

Als eine Studie ergab, dass in den nächsten Jahren rund 300 neue Jobs im IT-Bereich geschaffen werden, beschloss die Frauenstiftung Steyr, spezielle IT-Kurse anzubieten. Als sie erkannte, dass Frauen nicht zu weit entfernten Berufsschulen fahren oder an Blockveranstaltungen teilnehmen können, entwickelte sie Lernunterlagen für das Selbststudium.

Als sie sah, dass manche Frauen sich in den Betrieben schwer taten, entwickelte sie das Jobcoaching, um sie weiterhin zu betreuen. Um alle in Ausbildung befindlichen Frauen zu unterstützen, helfen Begleiterinnen bei der Suche nach Praktikumsstellen, aber auch bei Konflikten am Arbeitsplatz oder in der Familie.

Michael Mazohl

Seit 1992 haben Tausende Frauen Lehren und Ausbildungen in allen möglichen Branchen abgeschlossen: Einzelhandelskauffrau, Friseurin, Bürokauffrau, Zahlkellnerin, Baustellenabwicklerin, EDV-Trainerin, Automechanikerin, Zahntechnikerin, Versicherungskauffrau, technische Zeichnerin, Pferdewirtin, KFZ-Händlerin, Tierpflegerin, Medienfachfrau, Exportfachfrau, Outdoorpädagogin und Heimhelferin, Floristin, Flüchtlingsbetreuerin, Friseurin, Behindertenbetreuerin, Werkzeugmaschineurin, Horterzieherin, Damenkleidermacherin, Tischlerin, Reisebüroassistentin, Ordinationsgehilfin, Typrografikerin, Werbe- und Marketingassistentin, Apothekenhelferin u.v.a.

Erfolge und Erfahrungen, die weitergegeben werden

Eine Wiedereinsteigerin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern eröffnete nach der Aufschulung im Implacement-Programm ihr eigenes Geschäft und bildet jetzt als Chefin neue „Stiftlinge“ aus. Eine Migrantin und Mutter von zwei Kindern lernte Deutsch, absolvierte die Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitet jetzt in der Flüchtlingsbetreuung und aus einer Hilfsarbeiterin ist inzwischen eine Busfahrerin und Autorin geworden.

Und: Die Verleihung des Anton-Benya-Hauptpreises für die Förderung der Facharbeit im Jahr 2012 zeugt von der arbeitsmarktpolitischen Bedeutung der Frauenstiftung Steyr.

Alle Infos zur Frauenstiftung Steyr: www.frauenstiftung.at/