Was die Bundesländer von Wien lernen können
Arbeitsmarktpolitik

Was die Bundesländer von Wien lernen können

Joboffensive 50plus als Erfolgsmodell zur Unterstützung älterer Arbeitsloser

Die Situation für die Generation 50+ am Arbeitsplatz ist keine leichte. Obwohl die Arbeitslosigkeit in Österreich sinkt, bleiben ältere ArbeitnehmerInnen auf der Strecke. Wenn sie einmal ihren Job verloren haben, ist der Wiedereinstieg oft sehr schwierig. Die Wiener Stadtregierung unter Leitung von Michael Ludwig und dem zuständigen Stadtrat Peter Hanke hat daher die Joboffensive 50plus ins Leben gerufen. oegb.at hat Christian Meidlinger, Vorstandsvorsitzender des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) der Stadt Wien und Vorsitzender der younion_Die Daseinsgewerkschaft zum Gespräch gebeten.

oegb.at: Was beinhaltet die Joboffensive genau?

Meidlinger: Mit der „Joboffensive 50plus“ stellt die Stadt Wien gemeinsam mit dem AMS Wien ein eigenes Angebot für über 50-jährige arbeitslose WienerInnen bereit, die schon länger erfolglos nach Arbeit suchen. Insgesamt gibt es damit neue Jobchancen für 1.000 ältere arbeitslose Wienerinnen und Wiener. Die Stadt Wien und das AMS Wien investieren dafür gesamt rund 24 Mio. Euro.
 

Vorstandsvorsitzender waff und Vorsitzender der Gewerkschaft younion

Christian Meidlinger, Vorstandsvorsitzender waff und Vorsitzender der Gewerkschaft younion

Warum ist die Joboffensive 50plus aus Ihrer Sicht so wichtig?

Ältere haben auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor schlechte Karten, auch wenn sie gut qualifiziert, gesund, flexibel, motiviert und leistungsfähig sind. Der Grund dafür: Menschen über 50 sind mit vielen Vorurteilen konfrontiert.

Es ist belegt, dass die Arbeitslosigkeit bei über 50jährigen mit Beginn der Aktion 20.000 zurückgegangen und kurz nach dem Stopp wieder angestiegen ist.

Christian Meidlinger, younion-Vorsitzender

Die lange Arbeitslosigkeit verschärft die Situation. Diese Menschen sind dann ungerechtfertigt am Arbeitsmarkt abgestempelt, es wird immer schwieriger, der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Deshalb hat die Stadt Wien die Joboffensive 50plus ins Leben gerufen.

Was sind die bisherigen Erfahrungen?

Das Interesse an der Mitte September gestarteten Joboffensive 50plus ist enorm hoch –  sowohl von Seiten der Betriebe, die Stellen anbieten, als auch von Seiten arbeitssuchender WienerInnen über 50 Jahre. Nach gut zwei Monaten Laufzeit konnten bereits zwei Drittel der ursprünglich 500 neuen Jobs besetzt werden. Die Palette an Jobs ist dabei sehr breit. Sie reicht von Büroberufen über IT-Berufe, handwerkliche und technische Berufe, sowie Sozialberufe bis hin zu Hilfstätigkeiten in diesen Branchen. Die Jobs sind großteils im kommunalen und gemeinnützigen Bereich angesiedelt, es sind aber auch private Unternehmen dabei.

Was können die anderen Bundesländer von Wien lernen? 

Wien hat sich die Aktion 20.000 zum Vorbild genommen. Die Joboffensive 50plus geht jedoch sogar noch darüber hinaus. So nehmen auch private Unternehmen daran teil. In anderen Bundesländern gibt es zwar auch spezielle Angebote für ältere Arbeitslose, in dieser Form aber nur in Wien. Die Joboffensive 50plus bietet vollwertige Jobs mit fairer Bezahlung. Damit bekommen Arbeitslose über 50 Jahre wieder jene Wertschätzung, die sie nach einem langen Arbeitsleben auch verdienen. Mit der Joboffensive 50plus hat Wien wirklich Pionierarbeit geleistet.