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Digitalisierung

Die Zukunft der Arbeit ist jetzt

Was bedeutet die Digitalisierung für ArbeitnehmerInnen und welche Herausforderungen gibt es für Interessenvertretungen? Diese Fragen standen im Zentrum der DiDaNet-Abschlusskonferenz im ÖGB

Plattformarbeit, Gig Economy und Prekariat sind Begriffe, die oft gemeinsam mit Digitalisierung fallen. Die Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen und wir gestalten sie mit.

Am 30. September fand in der ÖGB Zentrale in Wien die große Abschlusskonferenz des Projektes DigitalDanubeNetwork (DiDaNet) statt, bei der in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien aus einer internationalen Perspektive der Status Quo und die Lösungsansätze zur Digitalisierung der Arbeit diskutiert wurden.

Für KonsumentInnen bequem – für Beschäftigte prekär

Online Essen bestellen, Nachhilfeunterricht übers Internet, Grafikdesign für anonyme Auftraggeber über Plattformen oder via App eine Mitfahrgelegenheit bestellen – das sind für KonsumentInnen bequeme Dienstleistungen und nur einige Aspekte der Digitalisierung sowie der veränderten Arbeitswelt. Für die Menschen, die diese Dienstleistungen erbringen, ist es oft die einzige Verdienstmöglichkeit. Durch die Arbeitsorganisation über Plattformen werden die bisher gültigen Regelungen und Normen der Arbeitswelt insbesondere durch international agierende Unternehmen in Frage gestellt.

Wer ist wirklich selbstständig?

Besonders wichtig ist die Einordnung dieser neuen Arbeitsverhältnisse, etwa ob es sich um selbstständige Tätigkeiten handelt. Das kann weitreichende Folgen für die Rechte der ArbeitnehmerInnen, ihre kollektiven Möglichkeiten der Selbstorganisation sowie der sozialen Absicherung haben. FunktionärInnen und AktivistInnen der Gewerkschaften der Partnerländer Slowenien (ZSSS und Mladi Plus), Serbien (Nezavisnost und CATUS), Republik Moldau (CNSM) und der Ukraine (FPU) skizzierten im Rahmen der DiDaNet-Konferenz im ÖGB ihre Lösungsansätze und Herausforderungen, denen sie sich in der Arbeitswelt bereits stellen.

Der ÖGB selbst hat die Initiative „Riders Collective“ präsentiert: Dabei handelt es sich um ein maßgeschneidertes Angebot für junge ArbeitnehmerInnen in der plattformbasierten Essenszustellung. Es soll ihre Interessen und Rechte verteidigen sowie Aufklärungsarbeit leisten – im digitalen Raum, bei KonsumentInnen als auch mit Basisarbeit und durch Unterstützung der Betriebsräte.

Gerichte auf Seiten der ArbeitnehmerInnen

Am Beispiel der Essenszustellung lieferte Arbeits- und Sozialrechtexperte Martin Gruber-Risak im Rahmen der Konferenz eine Einordnung aus arbeitsrechtlicher Perspektive. Anhand von europaweit dutzenden Gerichtsurteilen im Sinne der ArbeitnehmerInnen bzw. Gewerkschaften zeigt sich, dass Plattformarbeit in Richtung eines Arbeitsverhältnisses geht. Die internationale und politische Dimension in der Frage, ob es sich tatsächlich um eine neue Form der Arbeit handelt oder sich nur die Mittel verändert haben, diskutierte der Leitende Sekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB/ETUC), Ludovic Voet.

Klare Regeln müssen her 

Plattformarbeit bedeutet nicht nur Arbeitskampf und Organisation von unten, sondern wird auch auf EU-Ebene verhandelt. Um der Prekarisierung und systematischen Beschneidung von erkämpften Rechten der ArbeitnehmerInnen ein Ende zu setzen, will die EU-Kommission bis Ende Dezember eine Direktive zur Regulierung dieses boomenden Wirtschaftszweigs vorlegen. In welche Richtung es gehen könnte, hat der Beitrag der spanischen Gewerkschaften UGT und CCOO gezeigt, die das „Ley Rider“ ausverhandelt haben. Es ist ein Gesetz, dass davon ausgeht, dass es sich um ein Anstellungsverhältnis handelt und Transparenz in digitalen Arbeitsabläufen einfordert.

Starke Gewerkschaften auch in Zukunft wichtig

In der abschließenden ExpertInnenrunde wurden dann die verschiedenen Dimensionen und Lösungsansätze einer digitalisierten und zunehmend individualisierten Arbeitswelt diskutiert. Die TeilnehmerInnen waren sich einig: Plattformen müssen sich an die Regeln halten und die Zukunft der Arbeit entscheidet sich heute mit einer starken Gewerkschaft. Je mehr Menschen sich der Gewerkschaftsbewegung anschließen, desto stärker wird die Mitbestimmung und Verteidigung der Rechte sein.

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Über den Autor: Robert Walasinski arbeitet im internationalen Referat des ÖGB und beschäftigt sich mit den Arbeitsverhältnissen bei Plattformen, insbesondere App-basierten Lieferdiensten, in einem internationalen Kontext. Zuvor war er selbst jahrelang Fahrradbote und Betriebsratsmitgründer bei Foodora (jetzt Mjam).