Niedrige Löhne und viel Stress

Kein Stück vom Kuchen für ArbeitnehmerInnen

Gewerkschaft PRO-GE: Personalmangel im Bäckergewerbe ist hausgemacht

„Bäcker suchen händeringend Personal“ – diese Schlagzeile geistert aktuell durch die Medien. Groß ist die Verwunderung bei den Unternehmen, dass angesichts der aktuellen Arbeitslosenzahlen vor allem kein Verkaufspersonal zu finden ist.

Bei der zuständigen Gewerkschaft PRO-GE hält sich die Verwunderung allerdings in Grenzen. Für Erwin Kinslechner, Branchensekretär für Nahrung, gibt es viele Gründe, warum viele Betriebe händeringend nach Personal suchen.  

oegb.at: Erwin, in den heimischen Backstuben und Verkaufsräumen hapert es oft an Personal. Betriebe müssen sogar Filialen schließen, weil sie keine Beschäftigten finden. Woran liegt das?

Erwin Kinslechner: Einer der Gründe sind einfach die stressigen Arbeitsbedingungen. Der Stresslevel ist sehr, sehr hoch. So sorgt zum Beispiel das „to-go“-Geschäft seit einigen Jahren für zusätzliche Hektik. Außerdem wird das Angebot in den Bäckereien immer umfangreicher.

Die Ladner und Ladnerinnen (so wird das Verkaufspersonal in Bäckereien genannt) bedienen neben ihrer Verkaufstätigkeit ja zum Beispiel auch Backöfen und sorgen so für Nachschub. Die VerkäuferInnen, die oft als HilfsarbeiterInnen eingestuft sind, leisten hier Facharbeit!

Außerdem: Wenn ein Bäcker gute Qualität bietet, dann steigt auch die Nachfrage und die Kundenzahl erhöht sich. Auch die Kassatätigkeit belastet viele sehr. Es gibt also viele Gründe.  

Wie schaut es mit der Bezahlung aus? Gibt es hier noch Luft nach oben? 

Auf alle Fälle! Es braucht sich kein Unternehmer oder Arbeitgeber wundern, dass ihm die Leute nicht die Backstube einrennen, wenn der Mindestlohn bei LadnerInnen bei 1.524 Euro brutto für eine 40-Stundenwoche liegt. Nach einem Jahr steigt das dann auf 1.571 Euro. Diese Summen machen es einfach sehr schwer wirklich motiviertes Personal zu finden.  

Warum sind die Löhne so niedrig? 

Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. LadnerInnen waren ursprünglich keine Verkaufskräfte und haben entsprechend weniger verdient. Jetzt sind sie es aber, an den Löhnen hat sich aber nichts geändert. LadnerInnen bekommen, im Gegensatz zu Angestellten, auch keine Biennalsprünge. Also stellen viele Unternehmer lieber LadnerInnen statt Angestellte ein.

Vordienstzeiten werden ebenfalls nicht angerechnet – das ist unerträglich. Qualifikation muss was wert sein – auch finanziell.  

Stressig, schlecht bezahlt und so gut wie keine Kündigungsfristen - so sehen die Jobs in den Bäckereien aus.

Erwin Kinslechner, PRO-GE Branchensekretär für Nahrung
Erwin Kinslechner

Wie schaut es mit den Kündigungsfristen aus? 

Die schrecken auch viele ab. Man kann quasi von heute auf morgen vor die Tür gesetzt werden. Da überlegen sich dann viele Menschen, ob sie sich das antun wollen. Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, die die eintägige Kündigungsfrist beinhart ausnutzen.

Hier hat man keine Sicherheit und es wird niemanden überraschen, wenn etwa eine Mutter sagt, sie will so etwas nicht.  

Viele Bäcker sagen, wenn sie für höhere Löhne die Preise ihrer Produkte erhöhen würden, würden die Menschen weniger kaufen. Stimmst du zu?

Nein, gar nicht. Die Verteuerung würde nicht so viel ausmachen, dass sie die Menschen abschrecken würde. Ich bin überzeugt, dass Menschen auch bereit sind für gute Qualität etwas mehr zu zahlen. Und genau deswegen brauchen wir faire Löhne und Gehälter für alle Menschen! Es geht letztlich auch darum, dass niemand zu Dumpinglöhnen und letztklassigen Arbeitsbedingungen arbeiten muss.

Danke für das Gespräch! 

Zum Nachhören: Ö1-Beitrag über die Personalnot in den heimischen Bäckereien