Krank im Homeoffice? Dann gilt: Ausruhen statt Arbeiten
Auch zu Hause gilt: Wer krank ist, muss nicht arbeiten. Der ÖGB warnt vor wachsendem Druck im Homeoffice
Das Wichtigste in Kürze
- Krankenstand ist Krankenstand, auch im Homeoffice
- Beschäftigte müssen während eines Krankenstands nicht arbeiten
- Arbeiten trotz Krankheit kann die Genesung verzögern
- Arbeitgeber dürfen keine Arbeitspflicht im Krankenstand erwarten
Viele Beschäftigte arbeiten auch dann weiter, wenn sie krank sind. Vor allem im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeiten und Ausruhen oft.
Eine aktuelle Studie der Universität Klagenfurt zeigt: Wer zusätzlich von zu Hause arbeitet, arbeitet häufiger trotz Krankheit weiter. Fachleute sprechen dabei von Präsentismus. Das bedeutet: Man ist krank, arbeitet aber trotzdem.
„Wer krank ist, ist krank. Auch Homeoffice darf nicht zur Arbeitspflicht im Krankenstand werden“, sagt ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller.
Krankenstand gilt auch im Homeoffice
Die technische Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, hat den Arbeitsalltag verändert. An den arbeitsrechtlichen Regeln hat sich aber nichts geändert: Wer krank ist und deshalb nicht arbeiten kann, befindet sich im Krankenstand.
Beschäftigte müssen sich in dieser Zeit nicht einloggen, keine E-Mails beantworten und keine Aufgaben erledigen. Das gilt unabhängig davon, ob die Arbeit normalerweise im Büro oder im Homeoffice erledigt wird.
Arbeiten trotz Krankheit kann Folgen haben
Für viele Menschen ist es selbstverständlich geworden, bei leichten Beschwerden „nur kurz“ Mails zu beantworten oder eine Aufgabe fertigzustellen. Genau darin liegt die gefährliche Entwicklung.
Wer krank arbeitet, riskiert verschleppte Erkrankungen, längere Ausfälle und zusätzliche gesundheitliche Belastungen. Das betrifft nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch psychische Belastungen wie Erschöpfung oder Stress.
„Gesundheitsschutz ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in nachhaltige Arbeit“, betont Martin Müller.
Warum viele trotzdem weiterarbeiten
Oft steckt hinter dem Arbeiten trotz Krankheit keine Freiwilligkeit. Viele Beschäftigte haben Angst vor negativen Folgen im Job, wollen Kolleg:innen nicht zusätzlich belasten oder fürchten um ihren Arbeitsplatz.
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt der Druck, auch angeschlagen weiterzuarbeiten. Das darf jedoch nicht zur Normalität werden. Gesundheit muss Vorrang haben.
Klare Regeln schaffen Sicherheit
Die Forschenden empfehlen Arbeitgebern, klare Vereinbarungen für den Umgang mit Krankheit im Homeoffice zu schaffen. Aus Sicht des ÖGB gibt es dafür bereits eine klare Grundlage: Beschäftigte dürfen sich im Krankenstand auf ihre Genesung konzentrieren.
Eine moderne Unternehmenskultur zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Menschen ständig erreichbar sind. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Gesundheit respektiert wird.
Fazit
Homeoffice darf nicht dazu führen, dass Beschäftigte auch im Krankenstand arbeiten. Wer krank ist, braucht Zeit zur Erholung. Gesundheit geht vor, egal ob im Büro oder zu Hause gearbeitet wird.