ÖGB-Community

Abheben oder nicht abheben?

Umfrage: 9 von 10 Beschäftigten werden auch in Freizeit dienstlich angerufen

Freie Tage bzw. unser Urlaub sind dazu da, dass wir abschalten und entspannen. Die Arbeit sollte im besten Fall nicht dazwischenfunken. Die Entspannung ist aber schnell dahin, wenn plötzlich das Telefon läutet und der Chef oder die Chefin ist dran. Das kommt übrigens nicht selten vor, wie eine neue EU-Studie zeigt.

JedeR fünfte ArbeitnehmerIn in Österreich ist demnach 2019 in der Freizeit vom Arbeitgeber kontaktiert worden. Am öftesten werden die Beschäftigten in Finnland gestört. Beschäftige in Litauen und Rumänien hingegen können beruhigt abschalten – sie werden kaum kontaktiert. 

Wir wollten von unserer Social Media-Community wissen: „Hat dich dein Arbeitgeber schon einmal in der Freizeit angerufen?“ Das eindeutige Ergebnis unserer Umfrage: 93 Prozent haben mit „Ja“ geantwortet. 

Für User Berti K. ist die Sache klar und einfach: „Nach der Arbeitszeit ist privat und müsste für jeden Betrieb tabu sein (ausgenommen bezahlte Bereitschaft).“ Von einem besonders schlimmen Erlebnis berichtet Erich W. auf Facebook: „Ich wurde vom Betriebsleiter in meinem Krankenstand um 10 Uhr abends angerufen, worauf ich mir die nächtlichen Anrufe verbeten habe. Im Anschluss darauf wurde ich dann gekündigt......“ Auch bei Userin Nena H. hat immer wieder das Telefon geläutet, und zwar „nach dem Nachtdienst, in der Freizeit, im Urlaub, im Krankenstand“, wie sie in den Facebook-Kommentaren schreibt. 

Nein, ich muss nicht abheben, wenn der Chef mich in der Freizeit anruft.

 

ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller

Ob das rechtlich in Ordnung ist? ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller hat darauf eine eindeutige Antwort: „Nein, ich muss nicht abheben, wenn der Chef mich in der Freizeit anruft. Ich kann das Handy abdrehen, das Festnetztelefon abstecken, mich völlig aus jeder Erreichbarkeit entfernen. Außer ich hätte Rufbereitschaft und die muss ausdrücklich vereinbart werden, das ist aber ein anderes Thema.“

Die rechtliche Situation ist eindeutig, so Müller, aber „viele heben ihr Telefon ab, weil es eben der Chef ist. Viele sehen das nicht als Unterbrechung ihrer Ruhezeit, geschweige denn würden sie das als Arbeitszeit verbuchen, wenn sie 15 Minuten in ihrer Freizeit telefonieren“. 

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