Geschichte
Josef Battisti und die Gründung des ÖGB
Im April 1945 wurde in der Wohnung des Baugewerkschafters die Gründung des ÖGB beschlossen
Das Wichtigste in Kürze
- Während den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gründeten Gewerkschafter den überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund
- Unter dem Dach des ÖGB entstanden 16 Gewerkschaften
- Einer der Gewerkschafter war Josef Battisti, der die Gründungsgeschichte erzählt
Es waren dramatische Tage im April 1945. In Wien bekämpften sowjetische Truppen die nationalsozialistische Wehrmacht, in der Stadt gab es weder Strom noch Kohle, die Straßenbahnen fuhren nicht, die Straßen waren mit Leichen übersät, die Lebensmittelversorgung zusammengebrochen und es kursierten Gerüchte über Menschenfleisch im Schleichhandel.
Trotzdem trafen sich am 11. April 1945 in der kleinen Wohnung des Baugewerkschafters Josef Battisti mehrere Gewerkschafter. Sie beschlossen die Gründung eines Gewerkschaftsbundes. Am 13. April kamen sie überein, dass dem ÖGB Mitglieder aller drei Parteien – SPÖ, ÖVP und KPÖ – beitreten sollen. Die von den politischen Parteien organisierten Richtungsgewerkschaften der Ersten Republik sollten nicht auferstehen.
Gewerkschaftsgründung im Westbahnhof
Nur wenige Tage später fand am 15. April 1945 im Direktionsgebäude am Westbahnhof eine Plenarversammlung statt. 33 Gewerkschafter beschlossen die Statuten des überparteilichen ÖGB und die Zuordnung der einzelnen Berufsgruppen zu den Gewerkschaften. Somit stand die Organisation mit 16 Gewerkschaften. Nun fehlte nur noch die offizielle Bestätigung. Eine schwierige Angelegenheit in den letzten Kriegstagen und einer provisorischen Staatsregierung, die nur in der sowjetischen Zone voll wirkmächtig war.
Josef Battisti erzählte anlässlich der Feierstunde „30 Jahre ÖGB“ die Gründungsgeschichte des ÖGB.
ÖGB formal genehmigt
Somit lag nahe, dass auch die Gewerkschafter immer wieder bei der sowjetischen Militärkommandantur um einen Termin nachfragten. Am 30. April 1945 war es soweit, der Kommandant setzte seine Unterschrift auf ein Dokument. Der ÖGB war nun auch formal genehmigt –die offizielle Arbeit konnte beginnen.
Seither hat der ÖGB eine Vielzahl von Meilensteinen gesetzt: Arbeitszeitverkürzungen und Urlaubsverlängerungen, Schutzbestimmungen für ArbeitnehmerInnen, Sozialgesetze sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen und eine Kollektivvertragsabdeckung von 98 Prozent.
Was 1945 mit Mut, Solidarität und einer klaren Vision begann, schützt und stärkt heute dich und Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich.
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