Tausende Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Pflegebereich gingen diese Woche für mehr Ausbildungsplätze und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße Marcus Eibensteiner
Protest

„Bundesregierung führt Gesundheitssystem in den Kollaps“

Tausende gingen diese Woche bundesweit bei den Protestaktionen des Gesundheits- und Pflegepersonals auf die Straße

„Wir schauen nicht länger zu, wie die Bundesregierung durch ihr Nichtstun das Gesundheitssystem in den Kollaps führt. Die längst überfällige Pflegereform ist in den Schubladen verschwunden“, sagt Sarah Kroboth, Referentin für alle in Ausbildung in der Hauptgruppe II in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft, am Protestmarsch der younion, GÖD, GPA und vida am 9. November in Wien. Mehr als 4.000 TeilnehmerInnnen waren bei der Demo für Reformen im Gesundheitsbereich.

Nur einen Tag später, am 10. November, protestierten Bedienstete in Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen österreichweit vor den Betrieben, um die Regierung zum Handeln aufzufordern.

Mehr als 4.000 demonstrieren in der Wiener Innenstadt für eine Pflegereform Marcus Eibensteiner
GewerkschafterInnen warnen vor einem Gesundheitskollaps durch das Nichtstun der Regierung Marcus Eibensteiner

Bereits vor der Krise litt der Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich unter massivem Personalmangel. Die Pandemie verschärf diese Entwicklung noch. Die Politik müsse endlich handeln. Was es braucht, ist eine adäquate Entlohnung, mehr Freizeit und dringend mehr Personal. Zusätzlich ist eine grundlegende Ausbildungsreform sowie verbesserte Arbeitsbedingungen notwendig, um nicht noch weiter in die gefährliche Versorgungskrise zu schlittern.

Den Auszubildenden reicht’s

Den Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege (PA/PFA/DGKP) und der medizinisch, therapeutischen und diagnostischen Gesundheitsberufe (MTDG) reichts. Darauf machen sie dem gemeinsam von den Jugendabteilungen der younion _ Die Daseinsgewerkschaft, GÖD, Gewerkschaft gpa und Gewerkschaft vida organisierten Protestmarsch aufmerksam.

Die einzigen Ideen, die am Tisch liegen, seien absurd, so die GewerkschafterInnen. Das sei zum einen eine Pflegelehre und zum anderen das ‚Fachkräfterauben‘ aus anderen Ländern: Das funktioniere einfach nicht.

GPA
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Gewerkschaften fordern Ausbildungsoffensive 

Die Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen brauchen mehr Personal vor Ort in den Abteilungen. Gerald Mjka, Vorsitzender des Fachbereichs Gesundheit der Gewerkschaft vida, rechnet vor: „Bis zum Jahr 2030 brauchen wir im Pflegebereich mindestens 76.000 Beschäftigte zusätzlich, noch besser 100.000, um Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern und Pflegeheimen nachhaltig zu entlasten.“

Das Gesundheitssystem braucht eine Ausbildungsoffensive und  klare verbindliche Personalvorgaben.

Ein erster Schritt wäre eine Ausbildungsoffensive, aber auch klare verbindliche Personalvorgaben. „Die Bundesregierung weiß das, agiert aber so wie die drei japanischen Affen - nichts hören, nichts sehen – geredet wird zwar, gemacht aber nichts“, ist Mjka verärgert.

Am 10. November protestierten tausende Beschäftigte aus Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen gegen den Personalmangel und für bessere Arbeitsbedingungen. Bei der von der „Offensive Gesundheit" koordinierten Protestaktion verließen Beschäftigte in ganz Österreich um 5 Minuten nach 12 Uhr gemeinsam für kurze Zeit die jeweiligen Arbeitsstätten, um vor dem Betrieb gegen die Untätigkeit der Bundesregierung zu protestieren. Es sei „5 nach 12“ für die Gesundheit, lautete das Credo.

„Viele unserer Beschäftigten sind bereits jetzt körperlich und psychisch am Limit“, erklärte die Offensive Gesundheit. „Emotionale und körperliche Überlastung sind mittlerweile keine Ausnahme mehr, und wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen davor schützen. Wir brauchen also eine sofortige Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um rasch gegensteuern zu können.“

Bereits vor der Krise litt der Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich unter massivem Personalmangel. Die Pandemie verschärfe diese Entwicklung noch. Es brauche nicht noch mehr schöne Worte der Politik, sondern endlich eine adäquate Entlohnung, mehr Freizeit und dringend mehr Personal. Zusätzlich brauche es rasch eine grundlegende Ausbildungsreform sowie verbesserte Arbeitsbedingungen, um nicht noch weiter in die gefährliche Versorgungskrise zu schlittern.

Die Forderungen der Gewerkschaften für den Gesundheitsbereich:

  • Mehr Ausbildungsplätze im Bereich der Pflege und der Medizinischen, Therapeutischen und Diagnostischen Gesundheitsberufe (MTDG) 
  • Anreize für QuereinsteigerInnen (Implacementstiftung, ...)
  • Pflege mit Matura (Ausbau des BHS Modells)
  • Stipendiensysteme (Zugang zu FKS erleichtern)
  • Finanzielle Entschädigung während der Ausbildung (in Theorie und Praxis) für ALLE Auszubildenden in den Gesundheitsberufen
  • Transparenten und berufsbegleitenden Zugang zum Bachelorstudium in der Gesundheits- und Krankenpflege (PFA DGKP)
  • Flächendeckende Adaptierungen der Rahmenbedingungen
  • Eine einheitliche Personalbedarfsberechnung
  • Dienstplanverlässlichkeit und -flexibilität
  • Die lange versprochene Bonuszahlung - für ALLE MitarbeiterInnen im Gesundheitssystem (einschließlich der Auszubildenden und der KollegInnen in den Blaulichtorganisationen)
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