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Besonders dringend ist der Bedarf an qualifiziertem Personal im Gesundheits- und Pflegebereich. Jacob Lund - stock.adobe.com
Pflege

„Die beste Entscheidung meines Lebens!”

Christopher Kleinlein hat mit Ende 20 eine Ausbildung im Pflegebereich begonnen. Warum er sich dazu entschieden hat, hat ihn oegb.at gefragt

Quer durch viele Branchen werden in Österreich Fachkräfte gesucht. Besonders dringend ist der Bedarf an qualifiziertem Personal im Gesundheits- und Pflegebereich. Weil die Arbeitsbedingungen für viele nicht mehr attraktiv genug sind, hängen sie den Beruf an den Nagel. Nicht so Christopher Kleinlein, der mit Ende 20 die Pflege-Ausbildung beginnt. oegb.at erzählt er, warum er sich dazu entschieden hat.

Wolltest du schon immer im Pflegebereich arbeiten? 

Ich habe 2010 die Lehre zum Bürokaufmann gemacht und nach dem Abschluss bei der Stadt Wien gearbeitet. Nach zehn Jahren habe ich gemerkt, dass ich mehr machen möchte. Mehr in der Hinsicht, dass ich meine Arbeitszeit als sinnvoll erachte. Natürlich ist der Job im Büro sinnvoll und es braucht leidenschaftliche Menschen, die dahinterstehen – für mich persönlich war dies aber nach zehn Jahren nicht mehr der Fall. 

Der Gedanke, in die Pflege einzusteigen, hat mich seit meinem ersten Kontakt mit anderen Pflegekräften nicht mehr losgelassen. 2020 habe ich mich dann eben meinen Gedanken ergeben und die Ausbildung dazu begonnen – die beste Entscheidung meines Lebens!  

Gab es einen ausschlaggebenden Moment für deine Entscheidung?

In meiner Zeit in der Interessensvertretung habe ich viele Menschen, die dafür Feuer und Flamme sind, kennengelernt. Ausschlaggebend für den Schritt waren aber meine KollegInnen im Team Gesundheit (Anmerkung: Das Team Gesundheit umfasst alle MitarbeiterInnen im Wiener Gesundheitsverbund; www.teamgesundheit.at), die beide Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen sind. Sie haben mir die Vielfalt, die Gelassenheit, die Spontanität, aber auch die Kontinuität, die Trauer, die Freude und die Liebe, welche in der Pflege stecken, gezeigt. 

Christopher Kleinlein, 28, studiert an der FH Campus Wien „Angewandte Pflegewissenschaften“ Christopher Kleinlein

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Weil die Pflege mehr als nur „PatientInnen und BewohnerInnen waschen“ und „Erkrankte behandeln“ bedeutet. Natürlich geht es in meinem zukünftigen Beruf viel um Krankheiten, aber auch, und das möchte ich stark hervorheben, um Gesundheit, deren Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung.

Du musst auch Praktika machen...

Ja, genau. Derzeit befinde ich mich sogar in einem Praktikum. Genauer gesagt in meinem dritten – im Bereich Mobile Pflege. Wir durchlaufen jedes Semester mindestens eins. Manchmal auch zwei kurze Praktika, um möglichst viele verschiedene Bereiche in der Pflege kennen zu lernen. Dafür steht uns auch das gesamte 5. Semester zur Verfügung.

Was magst du am liebsten an dem Beruf?

Da fehlen mir noch die Erfahrungen in einigen Gebieten. Aber am liebsten bin ich bei den PatientInnen und BewohnerInnen. Die Arbeit mit und am Menschen ist faszinierend, spannend, manchmal erdrückend, aber gleichzeitig eine der erfüllendsten Arbeiten, die es gibt.  

Was braucht es, um den Beruf attraktiver zu machen? 

Zuallererst muss eine Ausbildungsoffensive gestartet werden. Eine Offensive, die die Ausbildung leistbar macht und der Gesellschaft vor Augen führt, wie wichtig, aber auch gleichzeitig wie schön dieser Beruf ist. Und es braucht mehr Ausbildungsplätze mit hoher Qualität. 

Wenn jetzt in der Corona-Pandemie Pflegekräfte und ArbeitnehmerInnen in Gesundheitsberufen als HeldInnen bezeichnet werden, was denkst du da?

Einerseits freut es mich, dass der Beruf der Pflege von der Gesellschaft so hoch gelobt wird, andererseits kann ich beim Wort „HeldInnen“ nur den Kopf schütteln. HeldInnen sind unantastbare Gestalten und werden oft dargestellt, als wären sie unbesiegbar, als würden sie kaum Schmerz kennen und vom Dank der Geretteten leben. Aber das sind wir nicht in der Pflege. Wir sind ArbeiterInnen und Menschen wie jede und jeder andere! Die Pflegekräfte kennen Schmerz, müssen Rechnungen bezahlen und dürfen auch manchmal einfach aufgeben, wenn es zu viel für sie und ihre Angehörigen wird. Das ist menschlich – und gerade dieser Beruf muss auch weiterhin menschlich sein. 

Aktuell hört man immer wieder, dass Menschen kündigen und den Beruf an den Nagel hängen. Macht dich das nachdenklich? Was hat dich überzeugt, trotzdem in diese Branche zu gehen?

Es gibt in jeder Berufssparte Personen, die aus unterschiedlichen Gründen aufhören. Dass derzeit so viele in der Pflege den Beruf an den Nagel hängen, liegt wahrscheinlich daran, dass der Druck von unterschiedlichen Seiten einfach zunimmt und dieser die Flamme der Leidenschaft, den Gedanken, warum man den Beruf überhaupt ergriffen hat, verdrängt. Ich erinnere mich an Tage, an denen der Druck der Ausbildung und des Berufs steigt, und an die unzähligen schönen Momente, die der Job hergibt. An die KollegInnen, die unterhaltsamen Stunden bei den PatientInnen und BewohnerInnen usw. Die Liste könnte ich noch endlos fortführen, aber ich glaube, man versteht, worauf ich hinaus möchte. Haltet an den schönen Tagen fest und nicht an der Handvoll schlechten! 

 

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