Reinigungskraft im Bürogebäude diego cervo – stock.adobe.com
Studie

Reinigungskräfte: Keine Spur von Wertschätzung

Neue Studie zeigt die vielfältigen Bruchstellen in der Reinigungsbranche auf

Während der Corona-Krise wurden Reinigungskräfte noch als HeldInnen der Arbeit gefeiert, doch spürbare Verbesserungen blieben für die Reinigungs-Branche bislang aus. Eine neue Studie von FORBA zeigt, dass es zu überdurchschnittlich vielen Arbeitsrechts-Problemen in der Reinigungsbranche kommt. Rechtzeitig zum 15. Juni, dem Tag der Reinigung, wird die Studie gemeinsam von Gewerkschaft vida und Arbeiterkammer Wien veröffentlicht.

Mehrheit der Reinigungskräfte ist weiblich und migrantisch

Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein klares Bild: Laut Statistiken aus dem Jahr 2019 waren 75.900 Personen in der Reinigungsbranche beschäftigt. Der Anteil von Frauen mit 67 % ist dabei besonders hoch und der der Männer mit 33 % vergleichsweise niedrig. Viele dieser Beschäftigten verfügen über Migrationserfahrung: nur 32 % der Frauen und 51 % der Männer wurden in Österreich geboren.

Geringes Einkommen besonders für Frauen

Die Brutto-Stundenlöhne liegen in der Branche zwischen 9,23 € bis 11,26 €. Hinzu kommen Zuschläge für besonders gefährliche Arbeiten, Mehr- und Überstunden sowie Nachtarbeit. Im Mittel (Median) verdienen Beschäftigte in der Reinigung monatlich netto 1.400 € (inklusive anteiligem Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Außerdem zeigen sich deutliche Einkommensunterschiede zwischen Frauen mit durchschnittlich 1.200 € und Männern mit 1.800 €. Für die Gewerkschaft ist die Richtung angesichts dessen klar. So fordert Vida-Gewerkschafterin Monika Rosensteiner daher, diese wichtige und wertvolle Tätigkeit, die im Zuge der Corona-Krise systemrelevant wurde, auch ordentlich zu bezahlen.

Kaum Zugschläge und unberechenbare Dienstpläne

Viele Reinigungskräfte haben mehr Stunden als im Dienstvertrag vereinbart gearbeitet. Die Bezahlung steigt dadurch aber kaum. Obwohl der Kollektivvertrag eine Frist von 14 Tagen zur Ankündigung der Dienstpläne vorschreibt, kommt es in der Praxis immer wieder zu kurzfristigen Arbeitseinsätzen.

Hohe Teilzeitquote

In der Reinigungsbranche ist der Anteil an Teilzeitbeschäftigten mit 46 % besonders hoch. Auch hier trifft es vermehrt Frauen, die zu 62 % in Teilzeit arbeiten, wobei viele von ihnen gerne mehr Arbeitsstunden hätten.

An den Rand geschoben

Die Reinigung an den Tagesrandzeiten macht die Arbeit der Reinigungskräfte einerseits „unsichtbar“ und führt zu einer geringeren Wertschätzung. Andererseits stellt sie für das Familienleben der Betroffenen eine große Belastung dar: morgens um 6 oder abends um 18 Uhr gibt es kein Kinderbetreuungsangebot mehr. Der Einsatz in der Früh und am Abend, oft auch noch an verschiedenen Orten, „zerreißt“ den Tag, führt zu viel Fahrtzeit und Organisationsaufwand für ein vergleichsweise geringes Entgelt.

AK Präsidentin Renate Anderl macht darauf aufmerksam, dass Reinigungskräfte oft im doppelten Sinn an den Rand geschoben werden, denn sie arbeiten an den Tagesrandzeiten und werden als externe ArbeitnehmerInnen wenig beachtet.

Corona-Krise – ausgebremst trotz Systemerhalt

Die Reinigung „kritischer Bereiche“ wie etwa in Krankhäusern und Supermärkten gewann während der Corona-Krise noch mehr an Bedeutung. Auf der anderen Seite wurde durch die Verschiebung vieler Bürotätigkeiten ins Home-Office die Reinigung von Büroräumen nicht mehr gebraucht. Manche AuftraggeberInnen haben in dieser Situation Verträge mit Reinigungsunternehmen kurzfristig gekündigt. In solchen Fällen wurden MitarbeiterInnen vielfach auf die Straße gesetzt. Einige Unternehmen nutzten hingegen die Kurzarbeit, die durch den ÖGB maßgeblich ermöglicht wurde, um Arbeitsplätze zu bewahren.

Arbeitsrecht unter Druck

Die Arbeitsrechtsberatung wird überdurchschnittlich oft von Reinigungskräften in Anspruch genommen. So sind beispielsweise Schreiben an die ArbeitgeberInnen dreieinhalb Mal häufiger nötig als im Durchschnitt der Beschäftigten. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass es Verbesserungen für die KollegInnen in der Reinigung bedarf. 

Vida und AK fordern daher:

- 1.700 Euro Mindestlohn im Kollektivvertrag

- Mehrarbeitszuschlag von 50 Prozent auch für Teilzeitkräfte und ab der ersten Stunde

- Corona-Bonus für alle, die im Gesundheitswesen gearbeitet haben

- Reinigung am Tag, statt zur Tagesrandzeit

- 32-Stunden-Woche

- Best- statt Billigstbieterprinzip bei Aufträgen für die öffentliche Hand