Elisabeth Mandl
Elementarpädagogik

Was ist uns die Entwicklung unserer Kinder wert?

Es reicht! - ElementarpädagogInnen am Ende ihrer Kräfte

Selbstständig Gabel und Messer verwenden, in vollen Sätzen sprechen, sich sozial in einer Gruppe verhalten – Kinder machen in ihren ersten Lebensjahren enorme Entwicklungsschritte. Dabei werden entscheidende Grundlagen für ihren späteren Lebenslauf gelegt. Neben den Eltern und Geschwistern sind ElementarpädagogInnen und AssistentInnen jene Personen, die sie bei diesem Aufbruch in ihr gesellschaftliches Leben unterstützen und begleiten

„Es ist 5 nach 12. Die Krankenstände explodieren. Die Burn-Out-Quote ist extrem hoch. Wir brauchen sofort und rasch geleichzeitig anwesendes Personal“ 

Elementarpädagogin K.S.

Die Aufgaben sind  vielseitig und von großer und nachhaltiger Bedeutung. Aber die Wertschätzung für diese wichtige Arbeit fehlt an vielen Stellen: Schlechte Bezahlung, große Gruppen und steigende Anforderungen zermürben die Beschäftigten in der Elementarpädagogik zusehends. Die Pandemie mit den zusätzlichen, sich ständig ändernden Herausforderungen hat diese seit vielen Jahren bestehende Schieflage verstärkt. Den PädagogInnen und AssistentInnen reicht es, sie fordern Änderungen ein: „Es ist 5 nach 12. Die Krankenstände explodieren. Die Burn-Out-Quote ist extrem hoch. Wir brauchen sofort und rasch gleichzeitig anwesendes Personal“, so die Rückmeldung einer Teilnehmerin der Konferenz „Elementarpädagogik ist kein Kinderspiel, sondern wichtige Bildungsarbeit“, die am 8. Oktober 2021 im ÖGB stattfand.

Proteste von Beschäftigen in privaten und öffentlichen Kindergärten und Horte

Beschäftigte gehen nun mit ihren Gewerkschaften in die Offensive. So veranstalteten die Belegschaften der Wiener privaten elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gemeinsam mit der GPA am 12. Oktober im Votivpark in Wien eine große öffentliche Betriebsversammlung mit über 5.000 Beteiligten. Der Tenor ist eindeutig: „Es reicht! Macht endlich die Augen auf, was ihr fordert ist so nicht zu schaffen”, steht auf einem der Transparente. Begleitet wurden die Demo-Parolen von einem Konzert aus Trillerpfeifen und Tröten, Rasseln und Ratschen.

Protest der Wiener privaten elementaren Betreuungseinrichtungen am 12.10.2021 Elisabeth Mandl

Zwei Tage später gehen Beschäftigte der öffentlichen Kinderbildungseinrichtungen mit ihrer Gewerkschaft younion auf die Straße. Protestiert wird diesmal vor dem Bildungsministerium. „Wir laden alle Beschäftigten, Eltern und SympathisantInnen ein, sich unserem Protest am 14. Oktober um 8 Uhr vor dem Bildungsministerium abzuschließen“, so Christa Hörmann, stellvertretende Vorsitzende in der younion.

Gefordert wird:

  • Mehr Personal
  • Kleinere Gruppen
  • 1 Milliarde für den elementaren Bildungsbereich
  • Einheitliches Bundesrahmengesetz
  • Eine Ausbildungsoffensive

Der ÖGB will die elementarpädagogische Arbeit sichtbar machen

Der ÖGB unterstützt gemeinsam mit GPA, younion und vida die Anliegen der Beschäftigten in der Elementarpädagogik und bot auch mit der Konferenz „Elementarpädagogik ist kein Kinderspiel, sondern wichtige Bildungsarbeit“ eine Plattform zum Austausch. 

Zentrale Fragen der Konferenz waren: Wie kann die Tätigkeit der Beschäftigten in der Elementarpädagogik sichtbarer gemacht werden und was braucht es, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessen?

Kinderbildung bekommt politische Unterstützung

Gemeinsam mit den Sozialpartnern und der Industriellenvereinigung setzt sich der ÖGB bereits seit längerer Zeit auch für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Elementarpädagogik und den Ausbau der Plätze in Kindergärten und Horten ein. Im Zuge der gemeinsamen Forderungen nach einem Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag des Kindes haben sie auch die Situation der Beschäftigten in der Branche durchleuchtet. Das Ergebnis war eindeutig: Wer eine gute erste Ausbildung für sein Kind will, muss auch den Beschäftigten gute Bedingungen bieten.

In einem weiteren Schritt haben die Sozialpartner und die IV nun einen genauen Fahrplan entwickelt, wie die Verbesserungen in der Elementarpädagogik bis 2025 gelingen kann. In 5-Punkten wird ausgeführt, welche Maßnahmen es braucht, um das Vorhaben zeitgerecht umsetzen zu können.

Mobilisierung bringt erste Erfolge

Die Proteste der Beschäftigten und der Druck durch andere politische Organisation zeigen bereits Wirkung. So versprach Bildungsminister Faßmann mehr Geld für die Elementarpädagogik zur Verfügung zu stellen und die unterschiedlichen Regelungen zwischen den Bundesländern zu vereinheitlichen. Auch die Aufnahme in den Beirat für Elementarpädagogik, aus dem die Gewerkschaften lange Zeit ausgeschlossen waren, konnte erwirkt werden. Die Stadt Wien bewegt sich auch und hat nun eine Verdoppelung der AssistentInnenstellen in der Stadt versprochen.

Es freut mich, dass dank unseres Drucks beim Thema Kinderbildung Verbesserungen anstehen. Klar ist aber auch, wir werden genau darauf schauen, was tatsächlich umgesetzt wird.

ÖGB-Vizepräsidentin und –Frauenvorsitzende Korinna Schumann

„Es freut mich, dass dank unseres Drucks beim Thema Kinderbildung Verbesserungen anstehen. Klar ist aber auch, wir werden genau darauf schauen, was tatsächlich umgesetzt wird“, kommentiert ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenvorsitzende Korinna Schumann die ersten Erfolge: „Die angekündigten Maßnahmen sind ein erster wichtiger Schritt, aber der ÖGB wird nicht lockerlassen, bis Kinder, Beschäftigte und Eltern wirkliche Verbesserungen spüren.