Psychische Gesundheit
Lehrlinge am Limit
Psychische Belastungen steigen – Gewerkschaftsjugend fordert mehr Unterstützung
Das Wichtigste in Kürze
- Lehrlinge sind besonders stark von psychischen Belastungen betroffen, fast jeder dritte Jugendliche hatte schon einmal Suizidgedanken
- Studien zeigen: Zukunftsängste, Leistungsdruck und gesellschaftliche Krisen verstärken die Belastungen massiv
- Die ÖGJ fordert mehr leicht zugängliche, kostenlose Unterstützung – von Psychotherapie bis zu Anlaufstellen in Schulen und Betrieben
- Arbeitgeber:innen, Politik und Gesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung für ein gesundes Ausbildungsumfeld
Immer mehr junge Menschen in Österreich leiden unter psychischen Belastungen – besonders stark betroffen sind Lehrlinge. Aktuelle Umfragen und Studien zeigen: Leistungsdruck, ständige Krisenmeldungen und Zukunftsängste setzen der Jugend massiv zu.
Lehrlinge besonders stark betroffen
Die alle vier Jahre durchgeführte Lehrlingsgesundheitsstudie hat zuletzt gezeigt, nur 72 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der jungen Männer schätzen ihre psychische Gesundheit als „sehr gut oder ausgezeichnet“ ein. Viel zu wenig für dieses Alter.
Neue Daten der Mental Health Days Studie bestätigen nun: Der Druck auf Jugendliche hat weiter zugenommen. Fast jede:r Dritte hat schon einmal Suizidgedanken gehabt, zwei Drittel fühlen sich regelmäßig niedergeschlagen oder hoffnungslos.
„Viele Lehrlinge kämpfen mit Perfektionsdruck, mit hohen Erwartungen im Job und in der Berufsschule. Gleichzeitig fühlen sie sich in der Freizeit oft isoliert und verbringen viel Zeit alleine vor dem Bildschirm“, erklärt Leon Hartl, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ).
Krisen verstärken Unsicherheit
Kriege, Klimakrise und Terrorgefahr belasten junge Menschen zusätzlich. Die Ö3-Jugendstudie 2025 zeigt: 82 Prozent der Jugendlichen machen sich große Sorgen wegen internationaler Konflikte, 58 Prozent wegen des Klimas. Die Covid-Pandemie hat diese Entwicklung noch beschleunigt.
„Lehrlinge tragen einen doppelten Rucksack“, betont Hartl: „Sie müssen Leistung im Betrieb bringen, die Berufsschule schaffen und gleichzeitig mit gesellschaftlichen Krisen umgehen. Kein Wunder, dass immer mehr von ihnen überfordert sind.“
Die ÖGJ macht seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam. Sie fordern flächendeckenden Zugang zu Psychotherapieplätzen und mehr Unterstützung in Schulen und Betrieben.
Konkrete Maßnahmen, die dringend umgesetzt werden müssen:
- Mehr psychosoziale Anlaufstellen, die kostenlos und einfach zugänglich sind – auch speziell für Lehrlinge.
- Ausbau von Schul- und Jugendpsychologen und -psychologinnen an Berufsschulen, damit Hilfe schnell verfügbar ist.
- Regelmäßige Vorsorgegespräche zur psychischen Gesundheit während der Ausbildung.
- Verbindliche Qualitätsstandards in den Betrieben, um Druck, Mobbing und Überforderung entgegenzuwirken.
- Stärkung von Medienkompetenz statt pauschaler Internetverbote – damit Jugendliche mit Online-Vergleichsdruck und Desinformation besser umgehen können.
- Vollständige Kostenübernahme durch die Krankenversicherung und flächendeckend ausreichende Kapazitäten für Psychotherapie, funktionelle Therapie und kinder- und jugendpsychiatrische Angebote. Keine Kontingentierung oder Deckelung in der Kapazität der Angebote.
- Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
„Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein“, so der ÖGJ-Vorsitzende. „Arbeitgeber:innen, Politik und Gesellschaft stehen hier gemeinsam in der Pflicht.“ Denn, gute Ausbildung bedeutet nicht nur Fachwissen, sondern auch ein Umfeld, in dem junge Menschen gesund lernen und arbeiten können.