Studie
Lehre muss motivieren, nicht frustrieren
Lehrlingsmonitor zeigt: Gute Lehrbetriebe bleiben gut – und schlechte schlecht
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei von drei Lehrlingen sind mit ihrer Ausbildung zufrieden, doch seit Jahren haben rund zwei von fünf weiterhin schlechte Ausbildungsbedingungen
- Die Zahl der Lehrstellen ist stark gesunken, während gleichzeitig mehr als 24.500 Jugendliche eine Lehrstelle suchen
- Schlechte Ausbildungsbedingungen führen dazu, dass mehr als ein Viertel der Lehrlinge nicht im erlernten Beruf bleiben will
- Der ÖGB fordert einen Ausbildungsfonds und klare Qualitätsstandards, damit alle Lehrlinge eine gute Ausbildung bekommen
Die meisten Lehrlinge sind zufrieden - doch bestimmte Probleme ziehen sich seit Jahren durch die Ausbildung. Das bestätigt der 6. Österreichische Lehrlingsmonitor von ÖGB, AK und Gewerkschaftsjugend – eine aktuelle Umfrage unter mehr als 6.000 Lehrlingen im letzten Lehrjahr.
Für viele Jugendliche ist eine Lehre der perfekte Start ins Berufsleben. Du lernst einen Beruf, sammelst Erfahrung und verdienst dein eigenes Geld. Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen funktioniert das auch gut. Zwei von drei Lehrlingen sind mit ihrer Ausbildung zufrieden.
„Eine Lehre ist eine riesige Chance. Viele Jugendliche bekommen eine gute Ausbildung und engagierte Ausbilder:innen, die sie unterstützen. Genau so soll es sein“, sagt Laura Zandonella, stv. Bundesjugendvorsitzende des ÖGB.
Aber gleichzeitig zeigt der neue Lehrlingsmonitor auch: Für viel zu viele junge Menschen ist das nicht die Realität.
Gute Ausbildung darf kein Glück sein
Der Lehrlingsmonitor zeigt seit Jahren die gleichen Probleme. Rund zwei von fünf Lehrlingen haben schlechte oder sehr schlechte Ausbildungsbedingungen.
Das bedeutet zum Beispiel: Lehrlinge müssen ausbildungsfremde Tätigkeiten machen, Überstunden leisten oder werden nicht ausreichend unterstützt. Mehr als ein Drittel wurde im Betrieb schon schlecht behandelt.
„Es gibt viele gute Betriebe, die zeigen, wie Ausbildung richtig funktioniert. Aber es darf nicht vom Zufall abhängen, ob du eine gute Ausbildung bekommst oder nicht. Alle Lehrlinge haben die beste Ausbildung verdient“, stellt Zandonella klar.
Besonders problematisch: Diese Situation hat sich in den letzten Jahren kaum verbessert. Die Qualität der Ausbildung stagniert – und das obwohl seit Jahren vom Fachkräftemangel die Rede ist. Dazu kommt, dass auch die Zahl der Lehrstellen seit Jahren zurückgeht. 2025 erreichten die Unternehmen bei der Lehrausbildung einen historischen Tiefstand: Nur noch rund 27.500 Jugendliche begannen eine Lehre – rund 10.000 weniger als vor 20 Jahren. 2005 waren es noch knapp 38.000 Jugendliche im ersten Lehrjahr. Gleichzeitig suchen derzeit 24.500 junge Menschen eine Lehrstelle – so viele wie schon lange nicht.
Gewerkschaftsjugend fordert mehr Lehrstellen und einen Ausbildungsfonds
„Das Absurde ist: Jeder Fußballverein weiß ganz genau, dass man, wenn man Nachwuchs will, in die Jugend investieren und sie gut behandeln muss“, sagt Zandonella. In der Wirtschaft zeige sich aber aktuell genau das Gegenteil. Es gibt immer weniger Lehrstellen.
Die Gewerkschaftsjugend fordert deshalb einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde): Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, zahlen ein – Betriebe, die hochwertig ausbilden, sollen daraus Förderungen erhalten.
Es gibt auch viele Orte, wo Lehrlinge eine hochwertige und spannende Ausbildung bekommen. Jedoch muss es null Toleranz für schwarze Schafe geben.stv. ÖGB-Bundesjugendvorsitzende
Gute Ausbildung ist die Basis für die Zukunft
Eine gute Lehre ist mehr als nur Arbeit. Sie ist die Grundlage für dein ganzes Berufsleben. Dort lernen Jugendliche Fähigkeiten, die sie ein Leben lang begleiten. Doch wenn die Ausbildung schlecht ist, hat das Folgen: Mehr als ein Viertel der Lehrlinge sagt, sie wollen nach der Lehre nicht im erlernten Beruf bleiben.
„Aber es gibt auch viele Orte, wo Lehrlinge eine hochwertige und spannende Ausbildung bekommen“, stellt Zandonella klar. „Jedoch muss es null Toleranz für schwarze Schafe geben. Denn die Ergebnisse zeigen ganz klar, dort, wo es schiefläuft, zahlen junge Menschen den Preis – mit Stress, Frust und unfairen Arbeitszeiten.“
Für den ÖGB ist klar: Die Lehre muss ein Erfolgsmodell für alle bleiben. Aber dafür müssen junge Menschen gefördert werden, „sonst verlieren sie die Motivation“, sagt die junge Gewerkschafterin. „Gute Ausbildung bedeutet Wertschätzung, Unterstützung und echte Perspektiven sowie klare Qualitätsstandards, bessere Kontrollen und mehr Unterstützung für Lehrlinge und Betriebe.“