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Gerechtigkeit bedeutet, dass alle einen fairen Beitrag leisten – auch jene, die große Vermögen erben. Hintergrund © Marco Scisetti – stock.adobe.com, A. Pfister © Elisabeth Mandl

Kassiererin zahlt, Reichenerbe nicht

Einwurf. Das permanente Nein zu Steuern auf Millionenvermögen ist keine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik

Dieser Artikel ist unter dem Titel „Kassiererin zahlt, Reichenerbe nicht“ am 16. Juli 2026 in der Presse erschienen.

Die Debatte um die Besteuerung von Millionenvermögen und Millionenerbschaften wird in Österreich seit Jahren mit erstaunlicher Vehemenz – und ebenso erstaunlicher Faktenresistenz – geführt. Wenn der Wirtschaftsbund diese Diskussion als „ideologischen Steuerschmäh“ und mit einem Nein abtut, lenkt das vor allem von einem ab: von der Realität wachsender Ungleichheit und der Frage, wer in diesem Land tatsächlich zum Gemeinwesen beiträgt.

Denn die Zahlen sind eindeutig. Laut einer neuen Studie des „Global Wealth Report“ wächst die Anzahl neuer Millionäre jeden Tag um 2680 Personen.

Laut einer Berechnung der globalisierungskritischen NGO Attac haben die Erbinnen und Erben der 100 reichsten Österreicher seit dem Auslaufen der Erbschaftssteuer 2008 76,4Milliarden Euro geerbt – ohne dafür einen einzigen Euro Steuerbeitrag zu leisten. Das entspricht durchschnittlich 4,2 Milliarden Euro pro Jahr.

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Allein dadurch sind laut Attac dem Staat Einnahmen von bis zu 36,2 Milliarden Euro entgangen. Das entspricht Jahr für Jahr Milliardenbeträgen, die fehlen – für Bildung, Pflege, Infrastruktur oder die Entlastung jener, die das Land täglich am Laufen halten.

Wessen Leistung?

Wer gebetsmühlenartig fordert, dass Leistung nicht besteuert werden darf, muss erst schlüssig erklären, wessen Leistung gemeint ist: Die Leistung der Beschäftigten, die jeden Tag arbeiten, Steuern zahlen und damit unser Gemeinwesen finanzieren? Oder die von Millionenerben, die große Vermögen erhalten, ohne selbst dafür gearbeitet zu haben?

Für uns ist klar: Gerechtigkeit bedeutet nicht, Erfolg zu bestrafen. Gerechtigkeit bedeutet, dass alle einen fairen Beitrag leisten – auch jene, die große Vermögen erben. Denn die Lasten dürfen nicht immer auf den Schultern der arbeitenden Menschen liegen.

Ungleiche Verteilung

Während in vielen Ländern Erbschaften und große Vermögen besteuert werden, stemmt sich Österreich vehement dagegen. Das sorgt auch international für Kopfschütteln. So empfiehlt die OECD Österreich seit Jahren, große Vermögen und Erbschaften stärker zu besteuern, weil die Vermögen hierzulande besonders ungleich verteilt sind und vergleichsweise gering besteuert werden.

Das oft bemühte Argument, Familienbetriebe würden dadurch gefährdet, greift zu kurz. Niemand fordert, funktionierende Betriebe zu zerschlagen oder Übergaben unmöglich zu machen. Es geht um gezielte, faire Modelle mit hohen Freibeträgen und klaren Ausnahmen– damit kleine und mittlere Unternehmen geschützt bleiben, während Millionenvermögen und große Erbschaften endlich einen angemessenen Beitrag leisten.

Die eigentliche Schieflage liegt woanders: Große Vermögen bleiben weitgehend unangetastet, während Arbeitnehmerinnen, Pensionisten und Familien den Großteil der Steuerlast tragen. Gleichzeitig wird bei jeder Budgetdebatte reflexartig über Einschnitte bei genau diesen Gruppen diskutiert. Das ist keine nachhaltige Finanzpolitik – das ist eine Verteilungsfrage.

Eine gerechte Budgetpolitik schafft den Rahmen für einen starken Sozialstaat. Sie sichert Kaufkraft, stabilisiert die Wirtschaft und verhindert, dass die Lasten einseitig verteilt werden. Es geht um Fairness. Und es geht darum, dass in Österreich gilt: Wer viel hat, kann auch mehr beitragen.