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Älteres Paar sitzt am Küchentisch und bespricht gemeinsam Unterlagen zur finanziellen Planung.
Vermögensaufbau und Altersvorsorge verfolgen unterschiedliche Ziele: Ein Wertpapierdepot bietet Renditechancen, während ein Pensionssystem lebenslanges Einkommen sichern soll. Fotos: Hintergrund © SnapK/peopleimages.com – stock.adobe.com, H. Schuberth © Elisabeth Mandl

Vergangene Renditen sind kein Versprechen für die Zukunft

Replik. Ein Wertpapierdepot dient dem Vermögensaufbau. Ein Pensionssystem muss dagegen lebenslanges Einkommen sichern.

Dieser Artikel ist unter dem Titel „Vergangene Renditen sind kein Versprechen für die Zukunft“ am 16. September 2026 in der Presse erschienen.

In seinem Kommentar vom 9.9. unterstellt Josef Urschitz dem ÖGB einen „Kampf gegen Vermögensaufbau“ seiner Mitglieder. Dabei vermischt er drei Fragen: Kapitalmarktanlage, staatliche Sparförderung und die Absicherung des Lebensstandards im Alter.

Kapitalmärkte sind kein Feindbild des ÖGB. Europa braucht langfristig orientierte Investoren, damit Ersparnisse stärker in Innovation, Wachstum und die Transformation europäischer Unternehmen fließen. Und wer langfristig Vermögen aufbauen kann, hat mit einem breit diversifizierten Portfolio höhere Renditechancen als auf dem Sparbuch.

Unsere Kritik am Zukunftsdepot richtet sich gegen die Verteilungswirkung der Förderung. Wer 5000 Euro pro Kind und Jahr steuerfrei anlegen kann, profitiert weit stärker als Familien, die kaum etwas zurücklegen können. Nach Berechnungen auf Basis von OeNB-Daten könnte nur rund jeder sechste Elternhaushalt diesen Betrag sparen. Wer gerade die laufenden Kosten decken kann, wird den Notgroschen kaum am Kapitalmarkt veranlagen. Auch beim Renditevergleich ist Vorsicht geboten. Hohe historische Durchschnittsrenditen sagen wenig darüber aus, welchen Schwankungen Anleger ausgesetzt waren, wann Verluste auftreten oder ob das Geld gerade in einer ungünstigen Marktphase benötigt wird.

Vor allem aber gilt: Langfristige historische Renditen sind keine Naturkonstante. Ein erheblicher Teil der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte war von einer außergewöhnlichen geldpolitischen Phase geprägt. Sehr niedrige Zinsen und umfangreiche Anleihekäufe im Zuge mehrerer Krisen haben die Preise von Vermögenswerten befeuert. Ob sich das wiederholt, ist ungewiss. Dazu kommen hohe Bewertungen und die starke Konzentration großer Indizes auf wenige Technologie- und KI-Konzerne.

Ein Wertpapierdepot dient dem Vermögensaufbau. Ein Pensionssystem muss dagegen lebenslanges Einkommen sichern. Kapitalgedeckte Vorsorge kann sinnvoll ergänzen, beseitigt Risiken aber nicht: Börsenschwankungen, Inflation und die Kapitalmarktlage beim Pensionsantritt beeinflussen, welches Einkommen im Alter tatsächlich zur Verfügung steht. Und das Risiko endet nicht zwingend mit dem Pensionsantritt: Bei Pensionskassen können auch laufende Leistungen bei schlechten Veranlagungsergebnissen sinken. Wenn Risiken eskalieren, können letztlich wieder öffentliche Hand oder Notenbank gefordert sein.

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Unabhängigkeit von Risiken

Das Umlagesystem hat wichtige Stärken: Es ist unabhängig von Börsenkursen und davon, ob jemand gerade in einer guten oder schlechten Marktphase in Pension geht, verteilt das Langlebigkeitsrisiko kollektiv und stabilisiert Einkommen sowie Nachfrage in Krisen. Die Ansprüche im Pensionskonto werden mit der Entwicklung der beitragspflichtigen Einkommen aufgewertet.

Seine Zukunft hängt nicht nur vom Verhältnis von Pensionistinnen und Pensionisten zu Erwerbstätigen ab, sondern auch von Beschäftigung, Produktivität und beitragspflichtigen Einkommen. Pensionspolitik muss daher vor allem bei hoher Beschäftigung, guten Löhnen und einer höheren Erwerbsbeteiligung ansetzen: Arbeitslosigkeit reduzieren, stille Reserven mobilisieren, die Beschäftigungschancen älterer Menschen verbessern und Betriebe stärker in die Verantwortung nehmen. Ein Bonus-Malus-System für die Beschäftigung Älterer muss dabei ein wichtiger Baustein sein.