Gender Medizin
Frauengesundheit: Gleichbehandlung? Fehldiagnose!
Die Gewerkschaftsfrauen Salzburg haben derzeit einen Schwerpunkt zum Thema „Gender-Medizin“. Wir haben anlässlich des „Internationalen Tags der Frauengesundheit“ (28. Mai) bei der ÖGB-Landesfrauenvorsitzenden Petra Berger-Ratley nachgefragt, warum ihnen das Thema so wichtig ist.
Muss man tatsächlich auch in der Medizin gendern?
Auf jeden Fall. Frauen und Männer sind unterschiedlich und das ist v.a. in der Medizin entscheidend. Fehldiagnosen oder falsche Behandlungen können im schlimmsten Fall über Leben oder Tod entscheiden. Daher müssen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Medizin berücksichtigt werden. Denn der Körper von Frauen reagiert anders als der von Männern.
Inwiefern?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen bei Frauen beispielsweise ganz andere Symptome als Männer. Lange Zeit dachte man, dass Männer anfälliger für einen Herzinfarkt sind als Frauen. Dann hat man dank der Gender-Medizin herausgefunden, dass andere Symptome bei Frauen auftreten als bei Männern. Daher kam es oft zu Fehldiagnosen. Heute wissen wir, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte, weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen sind.
Heute wissen wir, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte, weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen sind.
Also ist Gender-Medizin vor allem bei der Diagnostik wichtig?
Nicht nur. Frauen reagieren auch anders auf Medikamente als Männer. Alter und Hormone spielen z.B. eine wichtige Rolle bei der Anreicherung, Verteilung der Verstoffwechslung und der Ausscheidung von Medikamenten. Während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder beim Übergang in die Menopause können Veränderungen auftreten, was sich auf die Wirksamkeit der Medikamente und auch auf die Nebenwirkungen auswirken kann. Hinzu kommt, dass Tabletten bei Frauen länger im Magen bleiben als bei Männern. Das beeinflusst die Aufnahmemenge und Aufnahmegeschwindigkeit eines Wirkstoffs. Wirkstoffe verteilen sich aber auch unterschiedlich im Körper. So sind Männer durchschnittlich größer und schwerer, während Frauen mehr Fettgehalt im Körper haben. Das wirkt sich auch auf die Verteilung des Wirkstoffs im Körper aus. Fettlösliche Medikamente bleiben bei Frauen länger im Körper als bei Männern. Dafür gibt es mittlerweile ein Bewusstsein dank der Forschungen im Bereich der Gender-Medizin. Dennoch werden Medikamente immer noch hauptsächlich an Männern getestet. Das muss sich ändern.
Also geht es bei Gender-Medizin hauptsächlich um Diagnosen und die Wirkung von Medikamenten?
Gender-Medizin geht noch viel weiter und das ist auch gut so. Das beginnt schon damit, dass Frauen oft nicht ernst genommen werden, wenn sie medizinische Hilfe suchen. Ihre Beschwerden werden oft auf psychische Ursachen zurückgeführt. So leiden in Österreich etwa 120.000-300.000 Frauen an Endometriose. Eine Diagnose dauert aber im Schnitt sieben Jahre. Ein Symptom ist, dass Frauen unter besonders starken Regelschmerzen leiden. Regelschmerzen werden aber oft nicht ernst genommen.
Besonders gravierend ist es auch, wenn die Menopause beginnt. Die Wechseljahre sind eine besonders herausfordernde Zeit für Frauen. Viele wollen aufgrund der Beschwerden ihre Arbeitszeit reduzieren oder früher in Pension gehen. Da braucht es mehr Sensibilisierungsmaßnahmen, um ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu gestalten.
Wofür setzen sich die Gewerkschaftsfrauen im Bereich der Gender-Medizin ein?
Als Gewerkschafter setzen wir uns dafür ein, dass alle Menschen einen gerechten und gleichwertigen Zugang zu einer guten und zielgerechten medizinischen Versorgung haben. Im Bereich der Gender-Medizin braucht es dafür mehr Forschung und Präventionsprogramme. Und wir setzen uns dafür ein, dass auch auf betrieblicher Ebene Maßnahmen gesetzt werden. Dafür sensibilisieren wir Betriebsrät:innen und Personalvertreter:innen, damit die Arbeitsbedingungen angepasst werden.