Wirksamer Klimaschutz schützt Gesundheit, ermöglicht Arbeitsplätze und spart Steuergeld
Der ÖGB Tirol warnt davor, das geplante Klimaschutzgesetz angesichts wirtschaftlicher Bedenken zu verwässern oder notwendige Maßnahmen auf die lange Bank zu schieben. „Die Folgen des Klimawandels sind längst spürbar und verursachen erhebliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Schäden. Hinter uns liegt bereits ein Sommer mit bis dato nie dagewesenen Höchsttemperaturen. Ein wirksames Klimaschutzgesetz ist deshalb nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch eine Investition in die Gesundheit der Menschen, sichere Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes“, hält Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fest.
Volkswirtschaftliche Folgekosten in Milliardenhöhe
Die volkswirtschaftlichen Folgen des Klimawandels sind enorm: Allein die Dürrehilfen machten vergangenes Jahr rund 240 Millionen Euro aus. Hinzu kommen Kosten für Katastrophenschutz, die Bewältigung von Unwetterschäden, steigende Energiekosten beispielsweise für Kühlungen und die Anpassung von Gebäuden und Infrastruktur an zunehmende Extremtemperaturen. Laut der vergangene Woche präsentierten COIN-2.0-Studie der Universität Graz belaufen sich die klima- und wetterbedingten Schäden in Österreich zwischen 2017 und 2024 auf durchschnittlich 3,7 Milliarden Euro pro Jahr. Laut der Budgetprognose des Finanzministeriums vom Dezember 2025 könnten Österreich bei einer Nichterreichung seiner Klimaziele Kosten von bis zu 2,9 Milliarden Euro entstehen. „Milliardenbeträge, die wir für Strafzahlungen oder den Ausgleich verfehlter Ziele aufwenden müssen, fehlen für Investitionen in unsere Zukunft. Dieses Geld wäre besser in den Ausbau erneuerbarer Energie, in klimafreundliche Infrastruktur, in die Modernisierung von Betrieben und in den Schutz der Bevölkerung investiert“, untermauert Föger-Kalchschmied die Notwendigkeit von wirksamen Klimaschutzmaßnahmen.
Klimaschutz ist auch eine Frage guter Arbeitsbedingungen
Auch die gesundheitlichen Folgen dürfen nicht unterschätzt werden. Hitzewellen belasten den Kreislauf, erhöhen das Risiko gesundheitlicher Probleme und verschlechtern die Lebensbedingungen. „Es geht längst nicht mehr nur um Schutz bei Arbeiten im Freien – auch in Innenräumen haben die Beschäftigten dieses Jahr unter enorm belastenden Bedingungen gearbeitet, beispielsweise in Produktionshallen, Werkstätten oder Küchen“, zeigt die Tiroler ÖGB-Chefin auf. Schlechtere Arbeitsbedingungen, gesundheitliche Risiken und steigende Betriebskosten können sich auch negativ auf Produktivität, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit auswirken. „Wir dürfen nicht erst dann reagieren, wenn die Hitze unerträglich wird und die Kosten explodieren. Klimaschutz ist auch eine Investition in gute Arbeitsbedingungen. Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird es, die Folgen abzufedern. Wir müssen die Ursachen des Klimawandels bekämpfen und dürfen uns nicht darauf beschränken, seine Symptome zu verwalten“, fordert Föger-Kalchschmied. Der ÖGB fordert seit längerem einen wirksamen Arbeitnehmerschutz bei Hitze, auch für Tätigkeiten in Innenräumen.
Klimaschutz als soziale Frage
Nicht zuletzt sei Klimaschutz auch eine soziale Frage, betont die Gewerkschafterin weiter: „Wir wissen, dass vor allem Personen mit niedrigen Einkommen am meisten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Die Klimakrise ist nicht abstrakt. Viele Arbeitnehmer:innen erleben ihre Auswirkungen unmittelbar am Arbeitsplatz und im Privatleben. Hitze, Unwetter oder Überschwemmungen gefährden die Gesundheit, erschweren die tägliche Arbeit und können Arbeitswege unterbrechen. Gleichzeitig führen Schäden an Wohnraum und steigende Lebenshaltungskosten zu zusätzlichen Belastungen.“ Sie betont: „Es geht beim Klimaschutz um die realen Lebensbedingungen in unserem Land!“
Verantwortung für kommende Generationen übernehmen – Green Jobs im Fokus
„In einem Punkt sind wir uns mit der Wirtschaftskammer einig: Maßnahmen für den Klimaschutz dürfen nicht zu Arbeitsplatzverlusten führen. Allerdings steht fest: Der Klimawandel birgt auch Chancen, beispielsweise im Bereich von Green Jobs. Hier müssen wir gezielt in Aus- und Weiterbildung investieren, um diesen gesellschaftlich wichtigen Sektor zu fördern“, verweist die Gewerkschafterin auf die dringenden Handlungsfelder. Sie betont abschließend: „Fehlender Klimaschutz führt zu immensen volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Folgekosten, gefährdet unsere Versorgungssicherheit und schadet der Gesundheit. Klimaschutz liegt im Interesse aller: der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Betriebe und der gesamten Gesellschaft. Wir müssen heute investieren, damit die Menschen auch morgen unter guten Bedingungen leben und arbeiten können. Wir haben eine Verantwortung den kommenden Generationen gegenüber! Beim Klimaschutz den Sparstift anzusetzen, ist der falsche Ansatz. Die Folgekosten tragen am Ende alle. Wirtschaftlich, sozial und ökologisch!“.