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Gleichstellungsbericht

Große Lücke bei Einkommen und Pensionen

Gleichstellungsbericht 2026: Strukturelle Benachteiligungen endlich abschaffen!

Frauen verdienen in Vorarlberg deutlich weniger als Männer und erhalten im Alter fast nur halb so viel Pension. Der neue Gleichstellungsbericht zeigt, wie eng Einkommensnachteile, Teilzeitarbeit und unbezahlte Sorgearbeit zusammenhängen. Der ÖGB Vorarlberg fordert konkrete Maßnahmen für mehr Chancengleichheit und finanzielle Unabhängigkeit.

Wie steht es um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Vorarlberg? Der regelmäßig erstellte Gleichstellungsbericht, der vom Land Vorarlberg, der Arbeiterkammer Vorarlberg und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund in Auftrag gegeben wird, liefert dazu aktuelle Zahlen und Analysen. Die von L&R Sozialforschung erarbeitete Studie untersucht unter anderem Bildung, Erwerbsarbeit, unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, Einkommen, politische Teilhabe und geschlechtsbasierte Gewalt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt diesmal auf der Teilzeitarbeit und ihren Ursachen.

Einkommensschere mit Folgen bis ins Alter

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei den Einkommen. Vorarlbergerinnen kommen auf ein mittleres Jahreseinkommen von 28.962 Euro – das sind 44 Prozent weniger als bei Männern. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung beträgt der Einkommensunterschied noch 20 Prozent. Damit liegt Vorarlberg österreichweit am schlechtesten. Auch bei den Pensionen ist die Lücke besonders groß: Frauen erhalten im Schnitt 19.742 Euro brutto pro Jahr, Männer 35.552 Euro. Der sogenannte Gender Pension Gap beträgt damit 45 Prozent – der höchste Wert aller Bundesländer.

„Ein Pensionsunterschied von 45 Prozent ist das Ergebnis eines ganzen Berufslebens mit Nachteilen, und genau dort müssen wir ansetzen“, betont ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer.

Die Ursachen sind vielfältig. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit, übernehmen einen größeren Anteil der unbezahlten Kinderbetreuung und Pflege und sind überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Branchen tätig. Laut Bericht arbeiten 58 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Vorarlberg Teilzeit. Bei Müttern mit Kindern unter 15 Jahren sind es sogar 82 Prozent. Weniger Arbeitsstunden bedeuten nicht nur geringere laufende Einkommen, sondern häufig auch schlechtere Karrierechancen und niedrigere Pensionen.

Lohntransparenz muss wirksam werden

Ein zentraler Schritt zu mehr Einkommensgerechtigkeit ist die rasche und wirksame Umsetzung der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie. Der ÖGB fordert klare gesetzliche Vorgaben, damit Beschäftigte besser nachvollziehen können, wie sich ihre Bezahlung zusammensetzt und ob sie für gleiche oder gleichwertige Arbeit gleich entlohnt werden. Unternehmen müssen verpflichtet werden, geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sichtbar zu machen und wirksame Maßnahmen zu ihrer Beseitigung zu setzen. Betriebsräte brauchen dafür umfassende Informations- und Mitwirkungsrechte. Schlupflöcher dürfen nicht dazu führen, dass bestehende Ungleichheiten verborgen bleiben.

Bessere Rahmenbedingungen statt Teilzeitfalle

Der Bericht macht deutlich, dass Frauen ihre Arbeitszeit häufig nicht frei wählen können. Fehlende Betreuungsplätze, eingeschränkte Öffnungszeiten und hohe Kosten erschweren es, Familie und Beruf zu vereinbaren. Der ÖGB Vorarlberg fordert deshalb einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbildung und -betreuung: gratis, qualitätsvoll und mit Öffnungszeiten, die eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen. Dazu gehört auch ein Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag.

Zudem braucht es ein Recht auf Aufstockung der Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte, wenn sie mehr arbeiten möchten. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen, eine bessere Aufteilung der Karenz und eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit sind ebenso entscheidend. Auch Männer müssen stärker in die Verantwortung genommen werden. Dazu gehören Arbeitszeitmodelle, die es Vätern erleichtern, Betreuungspflichten zu übernehmen, sowie Maßnahmen, die eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit fördern.

„Gleichstellung darf nicht davon abhängen, ob eine Frau einen Betreuungsplatz findet oder ob sie sich eine Reduktion ihrer Arbeitszeit leisten kann. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die echte Wahlfreiheit ermöglichen und Frauen wirtschaftlich unabhängig machen“, unterstreicht Auer. Gleichzeitig müssen frauendominierte Berufe, etwa in der Betreuung und Pflege, gesellschaftlich und finanziell aufgewertet werden.

Der Gleichstellungsbericht zeigt: Es braucht Veränderungen auf mehreren Ebenen – von fairer Bezahlung und transparenten Gehaltsstrukturen über bessere Kinderbetreuung bis hin zu einer gerechteren Verteilung der Sorgearbeit. Nur wenn diese strukturellen Nachteile abgebaut werden, können Frauen ihre beruflichen und privaten Lebenswege gleichberechtigt gestalten und im Alter finanziell abgesichert sein.

Hier gibt es den ganzen Bericht zum Download: GLEICHSTELLUNGSBERICHT 2026

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