IGR Bodensee
Reinhard Stemmer neuer Präsident des IGR Bodensee
Bei der Delegiertenkonferenz des Interregionalen Gewerkschaftsrates (IGR) Bodensee in Bregenz wurde ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer zum neuen Präsidenten des grenzüberschreitenden Gewerkschaftsbündnisses gewählt. Zu den Vizepräsident:innen wurden Lukas Auer (Gewerkschaft Unia, Gewerkschaftsbund Thurgau), Bärbel Mauch (DGB-Region Südostwürttemberg) sowie Sigi Langenbahn (Liechtensteinischer ArbeitnehmerInnenverband) gewählt. Thematisch stand bei der Delegiertenkonferenz erneut die Situation in der 24-Stunden-Betreuung im Mittelpunkt. Im Vorjahr stieß der IGR-Bodensee dazu eine breite Diskussion an.
Der IGR Bodensee vereint seit mittlerweile 24 Jahren Gewerkschaften und Arbeitnehmer:innenvertretungen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Ziel ist es, die Interessen der Beschäftigten über nationale Grenzen hinweg gemeinsam zu vertreten und Herausforderungen am Arbeitsmarkt länderübergreifend anzugehen. In seinem Tätigkeitsbericht zog der scheidende Präsident Lukas Auer Bilanz über die vergangenen beiden Jahre. Er betonte die intensive Zusammenarbeit des Präsidiums und den regelmäßigen Austausch zu arbeitsmarkt-, sozial- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen in den vier Ländern der Bodenseeregion. „Viele Herausforderungen machen an Landesgrenzen nicht halt. Gerade deshalb ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Arbeitnehmer:innenvertretungen heute wichtiger denn je“, hielt Auer fest.
24-Stunden-Betreuung bleibt zentrales Thema
Im Mittelpunkt der Delegiertenkonferenz stand die Situation in der 24-Stunden-Betreuung. Mit einem Fachvortrag und anschließender Diskussion beleuchtete Yvonne Heuber die aktuellen Herausforderungen in der Branche. Die Bundesgeschäftsführerin von vidahelp und Generalsekretärin von vidaflex machte deutlich, dass eine hochwertige Betreuung nur unter fairen und sicheren Rahmenbedingungen für Betreuungskräfte und Familien gewährleistet werden kann.
Die Diskussion knüpfte an die grenzüberschreitende Kampagne des IGR Bodensee zur 24-Stunden-Pflege an. Im März 2025 hatte der IGR im Rahmen einer Pressetour in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein auf die oft schwierige Situation von Betreuungskräften aufmerksam gemacht. Thematisiert wurden unter anderem niedrige Einkommen trotz permanenter Verfügbarkeit, überlange Arbeitszeiten, mangelnde soziale Absicherung, problematische Wohnsituationen, soziale Isolation sowie Fälle von Scheinselbstständigkeit.
Die Initiative löste eine breite öffentliche Debatte aus und fand in allen vier Ländern große mediale Beachtung. Gleichzeitig wurden konkrete politische Forderungen erhoben: faire und existenzsichernde Honorare, bessere soziale Absicherung, klare Regeln gegen Scheinselbstständigkeit, verbindliche Arbeitszeitstandards sowie menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen für Betreuungskräfte.
Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zeigt Wirkung
Der IGR Bodensee sieht die Kampagne als Beispiel dafür, wie grenzüberschreitende Gewerkschaftsarbeit konkrete Verbesserungen anstoßen kann. Die Herausforderungen in der Pflege seien in allen Ländern der Bodenseeregion ähnlich gelagert und könnten langfristig nur durch gemeinsames politisches Handeln gelöst werden.
Der neue Präsident Reinhard Stemmer kündigte an, den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahre fortzusetzen: „Die Kampagne zur 24-Stunden-Betreuung hat eindrucksvoll gezeigt, was wir erreichen können, wenn Gewerkschaften und Arbeitnehmer:innenvertretungen über Grenzen hinweg an einem Strang ziehen. Gemeinsam haben wir Missstände sichtbar gemacht, eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst und politischen Handlungsbedarf aufgezeigt. Genau diesen Weg werden wir weitergehen. Unser Auftrag ist klar: Wir wollen den Beschäftigten in der Bodenseeregion eine starke Stimme geben, soziale Gerechtigkeit voranbringen und dort Druck machen, wo faire Arbeitsbedingungen und soziale Sicherheit noch immer nicht selbstverständlich sind. Die Herausforderungen der Zukunft können wir nur gemeinsam bewältigen – solidarisch, grenzüberschreitend und mit einem klaren Fokus auf die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“