Arbeitslosigkeit

Langzeitarbeitslose sind weder faul noch selber schuld

Wer zu Beginn der Pandemie seinen Job verloren und ein Jahr später noch keinen neuen gefunden hat, zählt zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen

Schon vor der Pandemie war es für Arbeitslose nicht immer ganz einfach, rasch wieder einen neuen Job zu finden. Doch die Corona-Krise hat die Arbeitsmarktlage dramatisch verschlimmert – für alle, aber besonders für Langzeitarbeitslose. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich innerhalb des letzten Jahres verdoppelt. 

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich während der Krise verdoppelt.

Fast 100.000 Menschen sind also mindestens seit einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Job. Darunter auch sehr viele, die in der Gastronomie und Hotellerie beschäftigt waren – vor allem im Westen Österreichs. Und je länger jemand arbeitslos ist, desto schwieriger wird es auch, einen neuen Job zu finden. Die Tatsache, dass es derzeit insgesamt 457.817 Arbeitslose gibt und nur 74.011 offene Stellen beim AMS vorgemerkt sind, macht die Situation nicht leichter. Mehr als sechs Arbeitslose kommen auf eine Stelle – da ist es unmöglich, dass alle rasch wieder einen Job finden.  

Arbeitslosengeld auf 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens erhöhen

Am 1. Mai, am Tag der Arbeit, denken wir vor allem an die vielen Erfolge, die ArbeiterInnenbewegung für ArbeitnehmerInnen erreichen konnte. Gefordert wurde aber auch schon vor vielen Jahren beispielsweise die Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Eine ÖGB-Forderung die besonders seit Beginn der Corona-Krise wieder an Gewicht und Aufmerksamkeit gewonnen hat. Mittlerweile haben sich dieser Forderung viele angeschlossen. Neben der Arbeiterkammer, der Volkshilfe oder der Caritas, ist laut Umfragen auch der Großteil der Bevölkerung dafür.

Vorurteil: Langzeitarbeitslose kriegen eh genug Geld 

Langzeitarbeitslose fallen in die Notstandshilfe – diese beträgt nur mehr 95 Prozent des Arbeitslosengeldes. Und auch das Arbeitslosengeld ist mit 55 Prozent des letzten Nettoeinkommens nicht besonders hoch ist. Durchschnittliche beträgt es rund 1.000 Euro und liegt damit unter der Armutsgrenze. Vor allem jene, die selbst schon von Arbeitslosigkeit betroffen waren, wissen, dass man damit über einen längeren Zeitraum nicht leben kann.

Arbeitslose müssen mit nur knapp der Hälfte ihres vorherigen Einkommens auskommen. Das drängt viele in Armut und ist in einem Staat wie Österreich untragbar.

Ingrid Reischl, Leitende ÖGB-Sekretärin

Außerdem ist das Arbeitslosengeld eine Versicherungsleistung – nur wer vorher Beiträge einbezahlt hat, bekommt nachher auch etwas. Abgesehen davon müssen Menschen die Notstandshilfe beziehen (wollen) auch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das heißt: Wer nicht arbeiten will, hat auch keinen Anspruch auf diese Leistung. 

Höheres Arbeitslosengeld, bedeutet auch höhere Kaufkraft 

Arbeitslose sind mit voller Wucht von dieser Krise getroffen werden. „Sie müssen mit nur knapp der Hälfte ihres vorherigen Einkommens auskommen. Das drängt viele Menschen in Armut und ist in einem Staat wie Österreich untragbar“, sagt Ingrid Reischl, Leitende ÖGB-Sekretärin. Sie fordert erneut, dass das Arbeitslosengeld auf zumindest 70 Prozent Nettoersatzrate erhöht wird. 

Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage fordert der ÖGB außerdem die Ausweitung der Bezugsdauer. „Das würde nicht nur Menschen ohne Arbeit vor einem wirtschaftlichem Totalabsturz bewahren, auch für die Gesamtwirtschaft würde das mehr Kaufkraft bedeuten und den wirtschaftlichen Einbruch abschwächen“, sagt Reischl