Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, rutscht in die Notstandshilfe und hat große finanzielle Einbußen. Vor allem die Hotellerie und Gastronomie sind betroffen. xartproduction - stock.adobe.com
Arbeitslosigkeit

Lockdowns trieben Küchenchef in Langzeitarbeitslosigkeit

Erhöhte Notstandshilfe ist weiterhin notwendig, um Menschen vor Armut zu schützen

Im November 2020 hat Daniel M. (Name v. d. Red. geändert) die Sommersaison in einem Tourismusbetrieb in Österreich mit voller Überzeugung, dass die Wintersaison ganz normal startet, beendet. Doch dann kam alles anders und es folgte ein regelrechter Albtraum, wie er oegb.at mitteilte.

Arbeitslos aufgrund des Lockdowns

Der Lockdown im Herbst 2020 dümpelte dahin. Zuerst Lockdown light, dann harter Lockdown, dann Lockerungen und dann wieder harter Lockdown. Für die Beschäftigten im Tourismus und der Gastronomie war und ist das ein Horror. Küchenchef Daniel war also weiterhin arbeitslos und ohne Aussicht auf einen neuen Job, denn die Betriebe hatten weitgehend geschlossen: „Im Februar 2021 wurde mir mitgeteilt, dass es zumindest bis März, bis Ostern keine Öffnung der Gastronomie geben wird.“ Für Daniel eine Katastrophe.

Verdienstentgang von 5.000 Euro 

Zu diesem Zeitpunkt hofften er und auch sein Arbeitgeber, wenigstens ab der Osterwoche öffnen zu können. Aber auch diese Hoffnung wurde zerschlagen. Die Wintersaison war zur Gänze ausgefallen. Und Daniel hatte dadurch einen Verdienstentgang von mindestens 5.000 Euro, schreibt er an oegb.at. „Für diese finanziellen Einbußen wurde ich natürlich nicht entschädigt“, schreibt er bedrückt. Denn er wollte arbeiten, aber aufgrund des Lockdowns blieb er arbeitslos.

Langzeitarbeitslosigkeit in Pandemie fast verdoppelt

Daniel ist ein Beispiel für viele Betroffene, die aufgrund der Corona-Pandemie und der schlechten Arbeitsmarktlage keinen Job finden. Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich seit Beginn der Pandemie fast verdoppelt. Aktuell sind 120.000 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos und gelten daher als langzeitarbeitslos. Besonders betroffen sind der Handel, der Tourismus, die Gastronomie sowie ältere ArbeitnehmerInnen. Hinzu kommt, dass Langzeitarbeitslose nur mehr Notstandshilfe bekommen. Diese beträgt nur 90 Prozent des Arbeitslosengeldes, das in Österreich durchschnittlich bei unter 1.000 Euro liegt.

Jetzt blüht Daniel das gleiche Schicksal wie letztes Jahr. Er musste außerdem feststellen, dass er aufgrund seiner Arbeitslosigkeit während der Lockdowns – obwohl er im Sommer gearbeitet hat – nur noch Notstandshilfe beziehen kann. In seinem Fall bedeutet das eine Einbuße von mindestens 300 Euro im Monat. 

Erhöhung der Notstandshilfe

Er stellt zu Recht die Frage, warum er weniger als das Arbeitslosengeld bekommen soll. Denn ihm wurde das Arbeiten in seinem erlernten Beruf durch die Maßnahmen der Regierung unmöglich gemacht. Für ihn ist unverständlich, dass die Notstandshilfe nicht zumindest bis Ende 2021 auf das Arbeitslosengeld angehoben wird. Dann würde wenigstens diese Kürzung bei einem ohnehin niedrigen Arbeitslosengeld wegfallen. Auch der ÖGB fordert, die Regelung der erhöhten Notstandshilfe weiterzuführen – eine Verlängerung dieser Regelung hat die Bundesregierung aber im September abgelehnt.

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