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Koch richtet Essen in der Küche an, Kopf ist nicht zu sehen.
Mangelberufe betrifft oft Branchen, in denen Arbeitsbedingungen und Bezahlung dazu führen, dass viele die angebotenen Jobs nicht machen wollen. xartproduction - stock.adobe.com

Arbeitsmarkt

Mangelberufe und warum Jobs nicht besetzt werden

Warum der Arbeitskräftemangel nicht mit Drittstaaten-Rekrutierung allein gelöst wird und bessere Arbeitsbedingungen der Schlüssel sind

Jedes Jahr veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit gegen Jahresende die Fachkräfteverordnung und mit ihr die sogenannte Mangelberufsliste für das folgende Jahr. 2026 ist die Liste etwas kürzer als 2025. Das ist vor allem der steigenden Arbeitslosigkeit zu verdanken. Dadurch gibt es pro offener Stelle mehr Arbeitslose (Stellenandrangsziffer). 2026 stehen 64 Berufe auf der bundesweit gültigen Liste. Dazu kommen 66 bundeslandspezifische Mangelberufe.

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Was ist ein Mangelberuf?

Ein Beruf gilt dann als Mangelberuf, wenn auf jede offene Stelle weniger als 1,5 Arbeitssuchende kommen. Das ist die rechtliche Grundlage, die es Unternehmen erlaubt, für entsprechende Berufe Arbeitskräfte aus Drittstaaten – also außerhalb von Europa – anzuwerben.

Die regionale Mangelberufsliste berücksichtigt dabei nur das jeweils eigene Bundesland; es ist also egal, wie viele Arbeitssuchende es für einen bestimmten Beruf in den restlichen Bundesländern gibt.  

Voraussetzung ist, dass die einwanderungswillige Fachkraft ein konkretes Arbeitsplatzangebot in Österreich vorweisen kann und eine Mindestpunktezahl aufgrund verschiedener Kriterien (Berufserfahrung, Deutsch- oder Englischkenntnisse, Alter) erreicht.  

Mangelberufsliste alleine ist keine Lösung

Die reine Ausweitung der Mangelberufsliste hilft nicht, den Fachkräftebedarf wirklich zu decken. Denn sie dient vor allem dazu, den Zugang für Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern zu erleichtern. Aber: Ohne faire und attraktive Arbeitsbedingungen bleibt das Problem bestehen. 

Betroffen sind oft Branchen, in denen Arbeitsbedingungen und Bezahlung dazu führen, dass viele die angebotenen Jobs nicht machen wollen. Anders lässt sich nicht erklären, dass beispielsweise tausende Arbeitssuchende aus dem Bereich Gastronomie oder Pflege kommen, dort aber gleichzeitig überdurchschnittlich viele Stellen monatelang nicht besetzt werden können. 

Der bessere Weg wäre, das Potential der Arbeitskräfte, das bereits im Land ist, zu nutzen. Man müsste ihnen nur die Chance geben.
Christa Hörmann, gf. ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende

Die ständige Ausweitung der Mangelberufsliste wird das Problem also nicht lösen. Solange Betriebe nicht dazu bereit sind, den zukünftigen Arbeitnehmer:innen eine gute Arbeit zu bieten, wird das Problem nur verschoben. Es geht darum, die Löhne und Gehälter zu erhöhen, attraktive und planbare Arbeitszeiten anzubieten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Außerdem geht es um Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, mehr Freizeit, aber auch leistbares Wohnen in der Region, in die die Menschen übersiedeln sollen. Die Betriebe, die das schon erkannt haben, haben ein geringeres Rekrutierungsproblem. 

Dazu kommt die fehlende Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe, die sich jetzt auf das Fachkräfteangebot auswirkt. Jahrelang ging die Zahl der Lehrstellen zurück. Dass jetzt wieder vermehrt ausgebildet wird, ist langfristig der richtige Weg, wird das akute Problem aber auch nicht lösen. 

Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge

Ein weiterer Punkt ist die Integration von Menschen, die bereits im Land sind und arbeiten möchten oder nicht die passende Ausbildung haben, etwa Asylwerber:innen. Die Sozialpartner und Industriellenvereinigung haben sich bereits 2016 in einem Papier darauf geeinigt, dass Asylwerber:innen ein halbes Jahr, nachdem sie einen Asylantrag gestellt haben, Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen sollen. Dieser Vorschlag (und dazugehörige Begleitmaßnahmen wie Qualifizierungsüberprüfungen) ist bis jetzt nicht umgesetzt, könne aber konkret zur Lösung des Fachkräfteproblems beitragen. 

Es ist absurd, einerseits um Fachkräfte aus dem Ausland zu buhlen und andererseits Menschen, die bereits in Österreich sind, und arbeiten möchten, wieder wegzuschicken. Man erinnere sich an das Entsetzen vieler Unternehmen, die ihre gut ausgebildeten Lehrlinge verloren haben, weil diese nach der Ausbildung in ihre Heimatländer abgeschoben wurden. Wer das Problem des Fachkräftebedarfs ernsthaft lösen möchte, sollte bei besseren Arbeits- und Ausbildungsbedingungen ansetzen.

 

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