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Koch richtet Essen in der Küche an, Kopf ist nicht zu sehen.
Mangelberufe betrifft oft Branchen, in denen Arbeitsbedingungen und Bezahlung bisher dazu führ(t)en, dass niemand die angebotenen Jobs machen will. xartproduction - stock.adobe.com
Arbeitsmarkt

Was sind Mangelberufe?

Die Mangelberufsliste wird jedes Jahr länger. Unternehmer jammern trotzdem über den Mangel an Fachkräften. Wie kann das sein?

Jedes Jahr veröffentlicht das Bundesministerium für Arbeit gegen Jahresende die Fachkräfteverordnung und mit ihr die sogenannte Mangelberufsliste für das folgende Jahr. In den vergangenen Jahren ist diese Liste immer länger geworden. Für 2022 ist die bundesweit gültige Liste von 45 auf 66 Berufe erhöht worden. Dazu kommen 60 bundeslandspezifische Mangelberufe.

Ab wann ist ein Beruf ein Mangelberuf?

Mangelberufe sind jene Berufe, in denen innerhalb eines Jahres weniger als 1,5 Arbeitssuchende pro offene Stelle zur Verfügung standen. Ist das der Fall, dürfen Unternehmen für diesen Beruf Arbeitskräfte aus Drittstaaten – also außerhalb von Europa – anwerben. Die regionale Mangelberufsliste berücksichtigt dabei nur das jeweils eigene Bundesland; es ist also egal, wie viele Arbeitssuchende es für einen bestimmten Beruf in den restlichen Bundesländern gibt.  

Voraussetzung für die Anwerbung aus Drittstaaten ist, dass die einwanderungswillige Fachkraft ein konkretes Arbeitsplatzangebot in Österreich vorweisen kann und eine Mindestpunktezahl aufgrund verschiedener Kriterien (Berufserfahrung, Deutsch- oder Englischkenntnisse, Alter) erreicht.  

Erweiterung der Mangelberufsliste ist keine Lösung

Die Ausweitung der Mangelberufsliste sowie die Regionalisierung sollen dafür sorgen, dass mehr Menschen aus Nicht-EU-Ländern in Österreich arbeiten können. Das betrifft oft Branchen, in denen Arbeitsbedingungen und Bezahlung bisher dazu führ(t)en, dass niemand die angebotenen Jobs machen will. Anders lässt sich nicht erklären, dass beispielsweise tausende Arbeitssuchende aus dem Bereich Gastronomie oder Pflege kommen, dort aber gleichzeitig überdurchschnittlich viele Stellen Monate lang nicht besetzt werden können. 

Die ständige Ausweitung der Mangelberufsliste wird das Problem also nicht lösen. Solange Betriebe nicht dazu bereit sind, den zukünftigen ArbeitnehmerInnen eine gute Arbeit zu bieten, wird das Problem nur verschoben. Es geht darum, die Löhne und Gehälter zu erhöhen, attraktive und planbare Arbeitszeiten anzubieten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Außerdem geht es um Weiterbildungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, mehr Freizeit, aber auch leistbares Wohnen in der Region, in die die Menschen übersiedeln sollen. Die Betriebe, die das schon erkannt haben, haben kein Rekrutierungsproblem. 

Dazu kommt die fehlende Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe, die sich jetzt auf das Fachkräfteangebot auswirkt. Jahrelang ging die Zahl der Lehrstellen zurück. Dass jetzt wieder vermehrt ausgebildet wird, ist langfristig der richtige Weg, wird das akute Problem aber auch nicht lösen. 

Warum sind die Gewerkschaften und der ÖGB gegen diese regionalisierten Mangelberufslisten?

In einigen betroffenen Branchen geht die Zahl der AusbildungsteilnehmerInnen zurück, kehren Fachkräfte der Branche den Rücken und haben sich nach wie vor die Beschäftigungsbedingungen nicht verbessert. Anstatt die Lösung im Anwerben von Drittstaatsangehörigen zu suchen, wäre es dringend an der Zeit, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. 

 

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