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Mechanikerin sitzt auf der Hebebühne und arbeitet an einem Auto
Nicht nur Fachkräfte- und generell Arbeitskräftemangel waren auch schon vor der Corona-Pandemie ein Thema. Quer durch alle Branchen suchen Unternehmen Fachkräfte. pressmaster – stock.adobe.com
Arbeitsmarkt

Wo sind all die Fachkräfte hin? #EineErklärung

Dass Menschen nicht arbeiten wollen und faul sind, wäre als Antwort nicht nur zu einfach, sondern vor allem falsch. Warum aktuell tatsächlich viele Fachkräfte gesucht werden, erklärt oegb.at

Quer durch alle Branchen werden Arbeitskräfte gesucht. Die Arbeitslosigkeit ist zwar niedrig, aber trotzdem sind viele Menschen ohne Job. Offene Stellen bleiben unbesetzt. Wie kann das sein, fragen sich viele. In der Öffentlichkeit wird gerne gesagt: „Die Leute wollen alle nicht mehr arbeiten, die Arbeitslosen liegen nur faul herum und wenn überhaupt jemand arbeiten will, dann für viel Geld und wenig Stunden.“ Wie sonst könne es einen Fachkräftemangel in Österreich geben? Dass das einfach nur falsch ist, beweist ein Blick auf Zahlen und Daten. 

Sie arbeiten! #Beschäftigungsrekord 

Auf die Frage, wo die Fachkräfte in Österreich seien, antwortete auch AMS-Vorstand Johannes Kopf kürzlich mit: „Sie arbeiten.” Mit knapp vier Millionen ArbeitnehmerInnen und 95.000 Beschäftigten mehr als noch vor einem Jahr, haben wir im Juli 2022 einen absoluten Beschäftigtenrekord in Österreich erreicht. Im Vergleich zu 2010 sind es sogar um mehr als eine halbe Million Personen mehr. 

Zurückzuführen ist das auf den starken Wirtschaftsaufschwung, der eine große Nachfrage nach Arbeitskräften quer durch alle Branchen auslöste. Während Österreichs Wirtschaft im Coronajahr 2020 um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen ist, hat sie 2021 mit dem Abflachen der Pandemie das Bruttoinlandsprodukt von 2019 übertroffen. 

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt der letzten Jahre ist aber auch auf eine steigende Erwerbsbeteiligung von Menschen über 50, nicht-österreichischen StaatsbürgerInnen bzw. auf Zuwanderung zurückzuführen. Insgesamt geht das Arbeitskräftepotential jedoch schon seit mehreren Jahren zurück. 

Die Preise steigen ohne Ende und Konzerne streichen Rekordgewinne ein. Die Rechnung zahlen wir alle und es muss jetzt etwas geschehen.

Darum sagen wir: STOPP! Die Politik muss endlich handeln. Steh jetzt mit uns auf und komm am 17. September 2022 zu einer der bundesweiten "Preise runter!"-Demos.

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Sie gehen in Pension! #Demografie 

Zum Beschäftigungsrekord kommt hinzu, dass die große Baby-Boomer-Generation jetzt in Pension geht und die jüngeren, nachkommenden Generationen wesentlich kleiner sind. Helmut Dornmayr vom ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) sagte dazu im Juli 2022 in einem trend Artikel, dass das Angebot von Arbeitskräften, das zuletzt nicht mehr wuchs, nun sogar zu sinken beginne. Es entsteht also eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, wie das auf jedem anderen Markt auch passieren kann. Hier muss die Politik mit aktiver Arbeitsmarktpolitik gezielt gegensteuern.   

Laut demografischen Prognosen der Statistik Austria wächst Österreich bis 2050 zwar auf 9,6 Millionen EinwohnerInnen, die Zahl der erwerbsfähigen Personen (15- bis 64-jährige) sinkt aber um rund 5 Prozent – also um rund 214.000 Personen. Und ohne Zuwanderung wäre die Situation noch schlimmer. Rechnet man Zuwanderung und Abwanderung gegen, bleibt ein Saldo von nur 30.000 Personen (2014: 72.000), die der österreichische Arbeitsmarkt dringend braucht. 

Sie arbeiten weniger Stunden: #Worklifebalance und #Kinderbetreuung 

Österreich durchläuft einen Wertewandel. Während früher für viele Arbeit an erster Stelle stand, ist das vor allem für die junge Generation Z nicht mehr so. Vor allem für 20- bis 25-Jährige stehen Freizeit, FreundInnen und Familie ganz oben. Geht es um den Job, dann zählen eine gute Arbeitsatmosphäre und die Balance von Arbeit und Freizeit. Arbeiten, um zu leben und nicht umgekehrt, also. Das zwingt auch Betriebe zum Umdenken. 

Die Betriebe, die das schon erkannt haben und darauf eingehen, haben kein oder zumindest deutlich weniger Probleme mit Personalmangel. Dazu zählen bessere Arbeitsbedingungen wie höhere Löhne und Gehälter, attraktive und planbare Arbeitszeiten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Andererseits arbeitet fast die Hälfte der Frauen in Teilzeit, die meisten davon, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Sie müssen Kinder betreuen oder Angehörige pflegen und verdienen dadurch viel weniger als Männer, was sich auch auf ihre Pension auswirkt. Um das zu ändern, fordern die Gewerkschaftsfrauen einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz ab dem 1. Geburtstag. 

Kämpfe mit uns für bessere Arbeitsbedingungen!

Die Gewerkschaften verhandeln höhere Löhne und Gehälter, kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen. Je mehr der Gewerkschaft beitreten, desto besser die Ergebnisse.

Hier Mitglied werden!

Sie arbeiten in anderen Branchen: #Arbeitsbedingungen verbessern 

Fachkräftemangel war auch schon vor der Corona-Pandemie ein Thema. Jetzt aber suchen Unternehmen quer durch alle Branchen nach Arbeitskräften. Mit der Pandemie bzw. danach hat sich das Problem allerdings vor allem für den Tourismus und die Gastronomie verschärft. Abgesehen davon, dass der Tourismus von einer hohen Fluktuation betroffen ist, weil die Branche nicht zu den attraktivsten zählt, wurde sie durch zahlreiche Lockdowns, Kurzarbeit und Beschränkungen auch noch sehr unsicher.

Viele haben sich nach Jobs in anderen Branchen - beispielsweise in der Industrie - umgesehen. Die Vorteile von geregelten Arbeitszeiten und besserer Bezahlung veranlassen die Leute daher nicht, in die Gastronomie zurückkehren. Dazu kommt, dass auch ausländische Arbeitskräfte Jobs in ihren Heimatländern gefunden haben. Es fehlen also sowohl NeuanfängerInnen, als auch Lehrlinge, die das Problem des Fachkräftebedarfs verstärken. 

Um es abschließend mit den Worten von AMS-Vorstand Johannes Kopf zu sagen: „Betrieben kann nur geraten werden, sich diesen Tatsachen zu stellen und an Konzepten zu arbeiten, wie sie ihre Arbeitgeberattraktivität erhöhen können.” Dazu sei Unternehmen auch geraten, wieder mehr Wert auf Lehrlingsausbildung sowie die Qualifizierung ihrer MitarbeiterInnen zu legen. Zusätzlich dazu müssen auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden und Löhne und Gehälter steigen. 

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