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Arbeitsmarktpolitik

Weniger ist mehr: Kürzere Arbeitszeiten bringen mehr Beschäftigung

MitarbeiterInnen sind gesünder, ausgeglichener und motivierter

Die Arbeitslosigkeit ist noch immer auf einem Rekordhoch, und die Maßnahmen der Bundesregierung greifen zu kurz, um die Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen. Spätestens die letzten zwei großen Krisen, die Finanzkrise 2008/2009 und die aktuelle Corona-Krise, führen uns vor Augen, dass das Streben nach ständiger Gewinnmaximierung ein Problem ist.

Allerspätestens jetzt muss ernsthaft über Konzepte, die langfristig mehr Jobs bringen, laut nachgedacht werden. Einige Unternehmen in Österreich machen es bereits vor und haben die Arbeitszeit für ihre Beschäftigten reduziert: Zum Beispiel eMagnetix in Oberösterreich oder das Büro für Interaktion in Wien.

Arbeitszeitverkürzung ist umsetzbar 

Von Arbeitgeberseite heißt es immer wieder, dass kürzere Arbeitszeiten realitätsfremd, zu teuer und nicht umsetzbar seien. Firmenchef Thomas Meyer vom Büro für Interaktion beweist, dass es sich doch ausgeht. Wie? Seiner Meinung nach ist „alles eine Frage des richtigen Mindsets und der richtigen Organisation“. Natürlich müsse viel Energie in die optimale Ausgestaltung der verfügbaren Zeit investiert werden, damit die Qualität passt und niemand in Stress gerät. 

50- oder 60-Stunden-Wochen im Büro sind für Meyer nichts: „Arbeit ist und bleibt für ein Gros ein Mittel zum Zweck. Und genau da setze ich an: Machen wir das Mittel so angenehm und schön wie möglich, um dem wahren Zweck des Lebens nachzugehen. Es ist die Zeit, die wir mit unseren Freunden, PartnerInnen, unserer Familie und nicht zu vergessen, mit uns selbst verbringen, die wirklich wertvoll ist.“ Wichtiger als Gewinnmaximierung ist ihm, dafür zu kämpfen, dass er fortschrittliche, angenehme und erfüllende Arbeitsplätze schafft.

ÖGB-Programm gegen Arbeitslosigkeit 

Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat am 20. Juli ein Programm vorgelegt, das mindestens 150.000 Menschen innerhalb eines Jahres in Beschäftigung bringen soll. Einen Teil davon durch Arbeitszeitverkürzung. 

Gerade jetzt in der Krise haben sich die Instrumente der geförderten Arbeitszeitverkürzung sehr bewährt, um Menschen im Arbeitsprozess zu halten. Diese Instrumente sollen noch weiter ausgebaut und fortgeführt werden, solange die Situation am Arbeitsmarkt so angespannt ist. 

Geförderte Arbeitszeitverkürzung 

Die Finanzierung von Kurzarbeit darf nicht zu Lasten der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik gehen, sieht das Arbeitsmarktprogramm des ÖGB vor. Nur so können mittel- bis langfristige Herausforderungen gemeistert werden. Außerdem sollen die positiven Erfahrungen mit der Kurzarbeit für eine Verkürzung der Arbeitszeit mit Lohnausgleich für einen beschäftigungsintensiven Aufschwung genutzt werden.  

Wird die Kurzarbeit angesichts der Krise weitergeführt, ist es notwendig, diese mit Qualifizierung beziehungsweise betrieblicher Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zu verbinden. Ebenso müssen ArbeitnehmerInnen, die einen beruflichen Neuanfang anstreben, weiterhin über das Qualifizierungsgeld unterstützt werden. 

Neben der geförderten Arbeitszeitverkürzung müssen aber laut Programm auch andere Formen der Arbeitszeitverkürzung gerade jetzt forciert werden (z. B. 4-Tage-Woche, 6. Urlaubswoche oder auch reduzierte Wochenarbeitszeiten). 

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