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„Brain Fry“ ist eine Form von geistiger Erschöpfung, die entsteht, wenn Menschen sehr intensiv mit KI arbeiten oder deren Ergebnisse ständig kontrollieren müssen NiK0StudeO – stock.adobe.com (KI)

KI am Arbeitsplatz

Brain Fry durch KI: Wenn künstliche Intelligenz im Job zum Stressfaktor wird

KI soll die Arbeit erleichtern. Wenn Beschäftigte aber laufend mehrere Tools bedienen, ihre Ergebnisse prüfen und zusätzlich mehr Aufgaben übernehmen müssen, entsteht ein neuer Arbeitsdruck.

„Brain Fry“ ist kein medizinischer Fachbegriff. Gemeint ist eine Form von geistiger Erschöpfung, die entstehen kann, wenn Menschen sehr intensiv mit KI arbeiten, zwischen mehreren Tools wechseln oder deren Ergebnisse ständig kontrollieren müssen. 

Wenn KI mehr Arbeit macht statt weniger 

Ein Forschungsteam der Boston Consulting Group (BCG) befragte Anfang 2026 Vollzeitbeschäftigte in den USA zu ihrer Arbeit mit KI. 14 Prozent der KI-Nutzer gaben an, bereits „AI Brain Fry“ erlebt zu haben. 

Betroffene beschrieben einen „mentalen Nebel“, Konzentrationsprobleme, langsamere Entscheidungen und teilweise Kopfschmerzen. Besonders anstrengend war nicht unbedingt die KI-Nutzung selbst. Belastend wurde es vor allem dann, wenn Menschen KI-Systeme ständig beobachten, überprüfen und korrigieren mussten. 

Beschäftigte mit besonders viel KI-Kontrolle berichteten von mehr mentaler Anstrengung, mehr geistiger Erschöpfung und mehr Informationsüberlastung, sagt ÖGB-Digitalexperte Sebastian Klocker: „Brain Fry ist ein zugespitzter Begriff, beschreibt aber ein reales Problem. Wenn Beschäftigte gleichzeitig mehrere KI-Tools bedienen, deren Ergebnisse kontrollieren und ständig zwischen Anwendungen wechseln müssen, kann aus Entlastung schnell zusätzliche Belastung werden.“ 

Mehr Erschöpfung heißt mehr Fehler 

Die Folgen können sich auch bei der Arbeit bemerkbar machen. Beschäftigte mit „Brain Fry“ berichteten laut der Untersuchung von mehr Entscheidungsmüdigkeit und mehr schwerwiegenden Fehlern als andere Befragte. Besonders häufig wurde „Brain Fry“ im Marketing berichtet: Dort war jede:r vierte Befragte betroffen. Auch im Personalbereich sowie in Operations und Engineering wurde „Brain Fry“ vergleichsweise häufig berichtet. Das zeigt ein mögliches Paradox: KI kann einzelne Aufgaben schneller machen, während mehr Tools, mehr Informationen und die ständige Kontrolle der Ergebnisse neue Belastungen schaffen. 

Wenn die KI das Denken übernimmt  

Daneben gibt es noch einen zweiten möglichen „Brain fry“-Effekt: Wir können bestimmte Fähigkeiten weniger trainieren, wenn wir zu viel Denkarbeit an die KI abgeben. 

Das zeigt eine Studie mit fast 1.000 Schülerinnen und Schülern im Mathematikunterricht. Mit KI konnten die Jugendlichen beim Üben zunächst mehr Aufgaben richtig lösen. Später mussten sie die Aufgaben ohne KI bearbeiten. Dabei schnitt die Gruppe, die zuvor mit einer frei antwortenden KI geübt hatte, um 17 Prozent schlechter ab als die Gruppe, die ohne KI gelernt hatte. Entscheidend war aber, wie die KI eingesetzt wurde. Eine andere KI gab nur Hinweise und half den Schülerinnen und Schülern, selbst auf die Lösung zu kommen. Bei dieser Form der Unterstützung zeigte sich der negative Effekt kaum.  

KI kann Beschäftigte auch entlasten 

Wenn KI monotone und wiederkehrende Aufgaben übernimmt, kann sie die Arbeit sogar erleichtern. In der BCG-Untersuchung waren solche Formen der KI-Nutzung mit niedrigeren Burnout-Werten verbunden. Problematisch kann es werden, wenn die eingesparte Zeit sofort mit noch mehr Aufgaben gefüllt wird oder Menschen mehrere KI-Systeme gleichzeitig steuern und deren Ergebnisse ständig kontrollieren müssen. „KI sollte Beschäftigte unterstützen und nicht dazu führen, dass einfach noch mehr Arbeit in denselben Arbeitstag gepackt wird. Technischer Fortschritt muss auch bei den Menschen ankommen“, betont der ÖGB-Experte Klocker. 

Macht KI also unser Gehirn kaputt?  

Nein. Dafür gibt es derzeit keine Belege.  

Die bisherigen Untersuchungen weisen vielmehr auf zwei unterschiedliche Risiken hin: Einerseits können wir bestimmte Fähigkeiten weniger trainieren, wenn wir unser Denken zu schnell an die KI auslagern. Andererseits kann die ständige Arbeit mit und Kontrolle von KI selbst zu zusätzlicher geistiger Belastung führen. 

Eine einfache Faustregel lautet: KI sollte uns beim Denken und Arbeiten unterstützen, aber weder das eigene Denken ersetzen noch zusätzlichen Dauerstress erzeugen. 

Was Betriebe beim KI-Einsatz beachten müssen 

Auch die Betriebe sind gefordert. KI darf nicht einfach eingeführt werden, ohne auf die Auswirkungen auf Beschäftigte zu schauen. Mehr KI-Nutzung ist nicht automatisch mehr Produktivität. Wenn Beschäftigte mit mehreren Tools und KI-Agenten gleichzeitig arbeiten sollen, steigt auch die Gefahr von Überforderung, Fehlern und zusätzlichem Arbeitsdruck. 

„Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir KI verwenden, sondern wie. Sie kann Routinearbeit erleichtern und Freiräume schaffen. Dafür müssen Arbeitsorganisation, Schulung und Mitbestimmung von Anfang an mitgedacht werden“, sagt Klocker. 

Sinnvoll sind eine Begrenzung der gleichzeitig verwendeten Systeme und eine laufende Beobachtung der tatsächlichen Arbeitsbelastung. Besonders wichtig ist daher eine gute Pausenkultur. Ausreichende Pausen sind ein wichtiger Teil gesunder Arbeitsbedingungen. Das gilt umso mehr, wenn KI die Arbeit schneller, dichter und anspruchsvoller macht. 

KI im Job: Darauf sollten Beschäftigte achten 

• Prüfe wichtige KI-Ergebnisse, bevor du sie weiterverwendest.
• Sprich an, wenn die Kontrolle und Korrektur der Ergebnisse zusätzliche Arbeitszeit brauchen oder die Arbeit verdichten.
• Frage nach Einschulung und klaren Regeln für den Einsatz der Tools.
• Wende dich bei belastenden Arbeitsabläufen an den Betriebsrat oder deine Gewerkschaft.
• Plane auch bei digitaler Arbeit Pausen ein. 

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