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Heißer Herbst: Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter setzten sich mit den Beschäftigten für faire Erhöhungen - wenn nötig auch mit Kampfmaßnahmen.
Heißer Herbst: Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter setzten sich mit den Beschäftigten für faire Erhöhungen - wenn nötig auch mit Kampfmaßnahmen. GPA
KV-Verhandlungen

Höhere Löhne? Durchgesetzt!

Was die Bundesregierung verschlafen hat, machen die Gewerkschaften wieder wett. Und retten damit auch das Wirtschaftswachstum

Die gute Nachricht: Viele Beschäftigte bekommen im neuen Jahr mehr Geld, denn die Gewerkschaften konnten heuer in den Kollektivvertragsverhandlungen kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen durchsetzen, beispielsweise 10 Prozent oder maximal 400 Euro mehr in der Metallindustrie oder 9,2 Prozent plus in der Sozialwirtschaft. Lehrlinge im Metallgewerbe bekommen sogar 16,5 Prozent mehr und ein Klimaticket noch dazu. Die Ergebnisse der abgeschlossenen Kollektivvertragsverhandlungen können sich jedenfalls sehen lassen. Wirtschaftsforscher bestätigen zudem, dass sich die nachhaltigen Lohn- und Gehaltserhöhungen positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Warnstreiks und zähe Verhandlungen

Viele Verhandlungen waren aufgrund der anhaltend hohen Teuerung besonders schwierig. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten nämlich nur zögerlich und viel zu wenige Maßnahmen gegen die Teuerung gesetzt. ÖGB und Gewerkschaften haben sie wiederholt lautstark dazu aufgefordert – etwa mit einer kilometerlangen Menschenkette entlang der Bannmeile rund ums Parlament in Wien. Die Bundesregierung blieb aber weiter abwartend.

Die Folge: Die Preise stiegen ins Unermessliche. Für die Gewerkschaften war klar, dass sie bei denLohn- und Gehaltsverhandlungen im Herbst für einen Ausgleich kämpfen müssen: „Die Löhne und Gehälter müssen nachziehen. Das sichert die Kaufkraft und ist Grundlage jeglichen Wirtschaftswachstums“, erklärt ÖGB-Expertin Helene Schuberth. In einigen Branchen gingen die Verhandlungen schnell über die Bühne, in anderen brauchte es Warnstreiks, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Frühjahrslohnrunde: Vorbereitungen laufen

In Österreich gibt es rund 800 Kollektivverträge. Mehr als 400 werden jedes Jahr verhandelt. Nach dem Jahreswechsel steht dann bald wieder die Frühjahrslohnrunde an. Die schlechte Nachricht: Auch wenn die Teuerung zuletzt etwas nachgegeben hat, ist sie nach wie vor viel zu hoch in unserem Land. „Die Preise sinken ja nicht, sondern sie steigen weiter, nur nicht mehr ganz so rasant wie zuletzt“, sagt Schuberth. „Wenn die Bundesregierung jetzt wieder nichts gegen die Teuerung unternimmt, dann steuern wir bereits heute auf eine weitere schwierige Herbstlohnrunde im Jahr 2024 zu“, warnt die Expertin. 

Denn als Basis für die Kollektivvertragsverhandlungen wird neben der gestiegenen Produktivität die durchschnittliche Inflation der letzten zwölf Monate herangezogen. Das heißt, die Bundesregierung sollte besser heute als morgen in die Gänge kommen, denn die Uhr läuft bereits.

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