Arbeitnehmer:innenrechte, Sicherheit und Sozialer Dialog im Mittelpunkt des Branchenworkshops für Bau-, Holz- und Forstwirtschaft
Am 28. und 29. April trafen sich Gewerkschafter:innen aus Österreich und Serbien in Wien zu einem Branchenworkshop, um Erfahrungen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Kollektivvertragsverhandlungen, Sozialer Dialog, betriebliche Demokratie und leistbarer Wohnraum auszutauschen. Der Workshop begann mit dem Gedenken an die weltweit verstorbenen und verletzten Arbeitnehmer:innen. Dabei wurde deutlich, welchen wichtigen Beitrag starke Gewerkschaften und die Beteiligung von Arbeitnehmer:innen zu sichereren Arbeitsplätzen, besseren Arbeitsbedingungen und einer höheren Lebensqualität leisten können.
Der zweitägige Branchenworkshop, der am 28. und 29. April in Wien stattfand, brachte Gewerkschafter:innen aus den Bereichen Bau, Holz und Forstwirtschaft aus Österreich und Serbien zusammen. Im Mittelpunkt standen Themen, die für Arbeitnehmer:innen von unmittelbarer Bedeutung sind – darunter Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Kollektivvertragsverhandlungen, betriebliche Demokratie, Sozialer Dialog und leistbarer Wohnraum. Ein besonders bedeutungsvoller Auftakt des Workshops war das gemeinsame Gedenken an die verstorbenen und verletzten Arbeitnehmer:innen. Dieser Tag erinnert an jene Menschen, die ihr Leben bei einem Arbeitsunfall verloren haben oder bei der Arbeit verletzt wurden.
Sicherere Arbeitsplätze, weniger Arbeitsunfälle
Obwohl Österreich in Bezug auf Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu den sichersten Ländern der Europäischen Union zählt, verlieren jedes Jahr durchschnittlich 64 Arbeitnehmer:innen bei Arbeitsunfällen ihr Leben. Der Bausektor gehört weiterhin zu den gefährlichsten Branchen – jährlich sind dort rund 18 tödliche Arbeitsunfälle zu verzeichnen. Hinzu kommen etwa 79.000 Arbeitsunfälle pro Jahr. Diese Zahlen zeigen, dass selbst gut entwickelte Systeme Risiken nicht vollständig ausschließen können.
Die österreichischen Gewerkschaftsvertreter:innen präsentierten das umfassende österreichische System der Arbeitssicherheit. Arbeitgeber:innen unterliegen dabei klaren gesetzlichen Verpflichtungen, deren Nichteinhaltung mit strengen Sanktionen geahndet werden kann. Rund 500 Arbeitsinspektor:innen überwachen die Arbeitsbedingungen von etwa 3,4 Millionen Beschäftigten.
Sozialpartnerschaft in der Praxis
Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war das österreichische System der Kollektivvertragsverhandlungen. Rund 98 % der Beschäftigten sind von Kollektivverträgen erfasst. Insgesamt gibt es etwa 860 Kollektivverträge, die Mindeststandards für Arbeitnehmer:innen festlegen und dabei häufig bessere Bedingungen vorsehen, als sie gesetzlich vorgeschrieben sind.
Die Gewerkschaften spielen bei den Verhandlungen dieser Vereinbarungen mit den Arbeitgeberverbänden eine zentrale Rolle. Die langjährige Tradition der österreichischen Sozialpartnerschaft hat wesentlich dazu beigetragen, dass ein konstruktiver Dialog zu einem zentralen Bestandteil der österreichischen Arbeitsbeziehungen geworden ist.
Ein wichtiger Programmpunkt war der Besuch bei STRABAG. Dabei hatten die serbischen und österreichischen Gewerkschaftsvertreter:innen die Möglichkeit, ein konkretes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen sowie für die praktische Umsetzung von Maßnahmen zur Arbeitssicherheit in einem großen Bauunternehmen kennenzulernen.
Der Besuch ergänzte die Diskussionen darüber, wie eine starke Beteiligung der Arbeitnehmer:innen und ein funktionierender Sozialer Dialog zu sichereren und nachhaltigeren Arbeitsplätzen beitragen können.
Leistbarer Wohnraum, bessere Lebensbedingungen
Auch das Thema sozialer Wohnbau war Teil des Programms. Ziel war es, die direkte Beteiligung der österreichischen Gewerkschaft, die die Arbeitnehmer:innen in den Bereichen Bau, Holz und Forstwirtschaft vertritt, an Projekten des sozialen Wohnbaus vorzustellen.
Österreich und insbesondere Wien haben eines der erfolgreichsten Modelle für sozialen Wohnbau weltweit entwickelt. Dieses System hat den Bau von rund einer Million geförderten Wohnungen ermöglicht und bietet Wohnraum für etwa drei Millionen Menschen. Die österreichische Gewerkschaftsbewegung setzt sich aktiv für leistbaren Wohnraum für Arbeitnehmer:innen ein und arbeitet dabei mit gemeinnützigen Wohnbauträgern und anderen relevanten Akteur:innen zusammen. Der Besuch und die Präsentation boten den Teilnehmer:innen die Möglichkeit, besser zu verstehen, wie gewerkschaftliches Engagement nicht nur zu besseren Arbeitsbedingungen, sondern auch zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitnehmer:innen beitragen kann.
Für die Gewerkschaftsvertreter:innen aus Serbien und Österreich boten die vorgestellten Beispiele wertvolle Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion möglicher Lösungsansätze für die jeweiligen Länder. Die Gespräche zeigten deutlich, dass eine starke Interessenvertretung der Arbeitnehmer:innen, Kollektivvertragsverhandlungen, Arbeitssicherheit und leistbarer Wohnraum eng miteinander verbunden sind und einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der Arbeits- und Lebensbedingungen haben.
Der Workshop wurde im Rahmen des europäischen Projekts JUST WORK organisiert, das von Gewerkschaftsdachverbänden aus Österreich, Bulgarien, Serbien, Slowenien, Ungarn und Moldau umgesetzt wird. Ziel des Projekts ist es, die Beteiligung von Arbeitnehmer:innen an Entscheidungsprozessen zu stärken, die betriebliche Demokratie zu fördern und einen konstruktiven Sozialen Dialog zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber:innen weiterzuentwickeln.
Der zweitägige Erfahrungsaustausch hat einmal mehr gezeigt, dass selbstbestimmte und gut vertretene Arbeitnehmer:innen sowie starke Gewerkschaften entscheidend dafür sind, sicherere, fairere und sozial nachhaltigere Arbeitsplätze und Gemeinschaften zu schaffen.