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Die Möglichkeiten, Hass im Netz zu verbreiten, sind vielfältig und richten sich meistens gegen Frauen. Cybergewalt ist psychische Gewalt – und das ist strafbar. Paolese – stock.adobe.com

Gewalt gegen Frauen

Hass im Netz: Wenn Frauen online bedroht werden

Mord- und Gewaltandrohungen, Deepfakes, Datenmissbrauch, Cyberstalking und vieles mehr: Hass im Netz ist vielfältig und richtet sich meistens gegen Frauen. Was du tun kannst, wenn du betroffen bist

Das Wichtigste in Kürze

  • 70 Prozent der Betroffenen von Online-Hass sind Frauen und Mädchen
  • Digitale Gewalt ist kein Randproblem, sondern trifft vor allem junge weibliche Nutzerinnen
  • Im Berufsleben sind besonders oft jene Frauen mit Cybergewalt konfrontiert, für die der Umgang mit sozialen Medien zum Arbeitsalltag gehört

Frauen und Mädchen sind von Hass und Gewalt im Netz besonders stark betroffen. Das zeigt der Bericht der Beratungsstelle ZARA: Im Beratungsjahr 2024/25 wurden 1.716 Hassmeldungen dokumentiert, 46 Prozent davon stufte ZARA als rechtlich relevant ein. Auffällig ist der Geschlechterbezug: 70 Prozent der Meldungen stammen von Frauen und Mädchen.

Wie früh diese Gewalt beginnt, zeigt eine Studie von Saferinternet.at: 28 Prozent der 11- bis 14-Jährigen in Österreich waren bereits mit sexueller Belästigung im Internet konfrontiert. Bei den 15- bis 17-Jährigen sind es schon 51 Prozent. Die Zahlen machen klar: Digitale Gewalt ist kein Randproblem, sondern trifft vor allem junge weibliche Nutzerinnen. *

Mobbing, aber auch sexualisierte Gewalt wie Cyber-Grooming (Anbahnung an Minderjährige), Sextortion (Erpressung mit Nacktfotos), Deepfakes und sexuelle Belästigung online werden häufiger.

Digitale Gewalt im Job

Im Berufsleben sind besonders oft jene Frauen mit Cybergewalt konfrontiert, für die der Umgang mit sozialen Medien zum Arbeitsalltag gehört – etwa Social-Media-Managerinnen oder Community-Managerinnen und Journalistinnen. Ebenso betroffen sind Politikerinnen oder Moderatorinnen. Aber auch Frauen, die sich online für Minderheiten einsetzen, ihre Meinung laut vertreten oder in der Öffentlichkeit stehen, sind beliebte Zielscheiben des Hasses und der Frauenfeindlichkeit im Netz.

Sie werden häufig bedroht, herabgewürdigt, es wird versucht, sie mundtot zu machen. All das ist psychische Gewalt und all das ist verboten. Und dennoch ist die Hemmschwelle, Hass zu verbreiten, online geringer als in der „Offline-Welt“.

Hilfe für Betroffene: 

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Hass im Netz hat viele Gesichter

Neben Beleidigungen und Beschimpfungen, die einen großen Teil der Hass-Vorfälle in Sozialen Medien ausmachen, gibt es noch viele andere – und immer neue - Formen der Gewalt. Manche Begriffe sind bekannt, doch es kommen immer Neue dazu.

Sexistische Beschimpfungen, Hassrede und Gewaltaufrufe: Frauen werden beleidigt, abgewertet oder mit Gewaltfantasien überzogen, um sie einzuschüchtern und kleinzumachen.

Online-Belästigung und Bedrohungen: Wiederholte Nachrichten, Beschimpfungen oder Drohungen sollen Betroffene zermürben und ihnen das Gefühl geben, nirgends mehr Ruhe zu haben.

Cyberstalking: Digitales Nachstellen heißt, dass Täter Frauen online verfolgen, kontrollieren und ihnen auf allen Kanälen auflauern.

Doxing: Dabei werden private Daten wie Adresse, Telefonnummer oder Arbeitsplatz veröffentlicht, um Frauen angreifbar zu machen.

Bildbasierte sexualisierte Gewalt: Intime Bilder werden ohne Zustimmung geteilt, angedroht oder als Deepfakes gefälscht, um Frauen zu demütigen und unter Druck zu setzen.

Fake-Accounts und Identitätsaneignung: Fotos, Namen oder ganze Profile werden missbraucht, um Frauen bloßzustellen oder Falsches in ihrem Namen zu verbreiten.

Hacking und digitale Kontrolle: Täter verschaffen sich Zugang zu Konten, Geräten oder Nachrichten, um Frauen zu überwachen und Macht über sie auszuüben.

Rufschädigung und Bloßstellung: Gerüchte, peinliche Inhalte oder falsche Behauptungen werden gezielt gestreut, um Frauen öffentlich zu demütigen und ihren Ruf zu zerstören.

Befeuert wird der Hass gegen Frauen in Social-Media-Kanälen auch von bekannten Frauenhassern in der sogenannten „Manosphere“. Darunter versteht man ein digitales Netzwerk antifeministischer Communities, in dem frauenfeindliche Weltbilder verbreitet und verstärkt werden.

Als wohl bekanntester Influencer der Manosphere gilt Andrew Tate, der mit einem hypermaskulinen und frauenfeindlich kritisierten Rollenbild Millionen junger Männer erreicht hat. Gegen ihn laufen inzwischen in Großbritannien zehn Anklagepunkte, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Menschenhandel; auch in Rumänien wird gegen ihn ermittelt.

Das kannst du tun, wenn du von Hass im Netz betroffen bist

Du bist nicht allein. Erzähle anderen davon, zum Beispiel deinen Kolleginnen oder Kollegen, einer Person aus dem Betriebsrat oder einer Vertrauensperson. Bitte sie, mit dir zusammen die Vorfälle zu dokumentieren und zu sammeln.

Mache Screenshots von allem, was passiert. Bei Screenshots bzw. der Dokumentation der Vorfälle ist es wichtig, dass neben den Infos zum Account, der den Hass gegen dich verbreitet, auch das vollständige Datum und die genaue Uhrzeit des Beitrags zu sehen sind. Blockiere den oder die Täter. Du bist keine Rechenschaft schuldig, dein Feed, dein Kommentarbereich oder deine Wall sind dein Bereich. Auch ein Arbeits-Account ist nicht Allgemeingut – wer sich nicht an Regeln hält, kann geblockt werden. Das sollte im Arbeitskontext unbedingt mit deiner/m Vorgesetzten geklärt werden. Verschwende also deine Zeit und deine psychische Gesundheit nicht mit Überzeugungsarbeit, sondern wehre dich!

Wende dich an die Profis, du hast ein Recht auf Hilfe. Es gibt in Österreich einige Anlaufstellen: Etwa den Verein Zara oder die Internet Ombudsstelle. Infos bekommt man auch beim Verein Safer Internet oder bei der Verbrechensopferhilfe Weisser Ring. Eine Anzeige bei der Polizei kannst du jederzeit machen.

Wenn psychische Gewalt – und dazu zählt Hass im Netz - im Arbeitsumfeld stattfindet, ist auch der Arbeitgeber in der Verantwortung. Betroffene Personen, insbesondere Frauen, müssen geschützt werden. Hier sollten unbedingt Schutzmaßnahmen erarbeitet und psychische Belastungen am Arbeitsplatz erhoben werden.

Wende dich an deinen Betriebsrat oder an deine Gewerkschaft – sie wissen, was zu tun ist. Auch das Arbeitsinspektorat kann dir helfen!

Die aktuelle Rechtslage in Kürze:

  • In Österreich trat mit 1. Jänner 2021 ein Paket mehrerer Gesetze gegen Hass im Netz in Kraft: Betroffene können beleidigende oder menschenverachtende Inhalte leichter löschen lassen, Täter können leichter ausgeforscht werden, und auch die Rechtsdurchsetzung wurde verbessert. 
  • Seit 17. Februar 2024 gilt in der EU der Digital Services Act. Er verpflichtet Plattformen zu Beschwerdewegen und zu mehr Verantwortung im Umgang mit rechtswidrigen Inhalten. Damit gibt es nun ein einheitliches Regelwerk für Online-Plattformen in der EU. 
  • Seit 1. September 2025 ist das ungefragte Verschicken von Genitalbildern („Dick Pics“) in Österreich strafbar. Das ist ein wichtiger Schritt gegen digitale sexualisierte Gewalt, von der vor allem Frauen und Mädchen betroffen sind. 
  • Seit 13. Juni 2024 gibt es auf EU-Ebene eine Richtlinie gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt. Sie erfasst auch digitale Gewalt – etwa Cyber-Stalking, Online-Belästigung, die nicht einvernehmliche Weitergabe intimer Bilder und bestimmte Deepfakes. Österreich muss diese Vorgaben bis 14. Juni 2027 umsetzen. 
  • Weitere Regeln zu KI und Deepfakes kommen. Der AI-Act sieht Transparenzpflichten für KI-generierte oder manipulierte Inhalte vor; diese Regeln gelten ab 2. August 2026. 

Der ÖGB fordert, bestehendes Recht konsequent anzuwenden. Die EU-Richtlinie gegen Gewalt an Frauen muss rasch umgesetzt werden, Schutzlücken bei Deepfakes und digitaler sexualisierter Gewalt müssen geschlossen und Prävention sowie Opferschutz dauerhaft abgesichert werden. 

Die ÖGB-Stabsstelle Digitalisierung und Technik hat das Ziel, die Mitbestimmung der Arbeitnehmer:innen bei der Einführung neuer IT-Systeme zu unterstützen und ist ein wichtiger Partner für Arbeitnehmer:innen in der digitalen Ära.

*Quellen: ZARA, 8. #GegenHassimNetz-Bericht 2024/25; Saferinternet.at, Studie „Sexuelle Belästigung online“ 2025.

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