Gleichstellung
Über ein Drittel sieht Frauen am Arbeitsmarkt nicht gleichberechtigt
Neue Umfrage zeigt klar: Der größte Nachteil ist das Gehalt
Das Wichtigste in Kürze
- 36 Prozent der Befragten sehen Frauen am Arbeitsmarkt als nicht gleichberechtigt
- Größter Nachteil ist laut karriere.at das Gehalt vor Care-Arbeit und Führungspositionen
- 33 Prozent der Arbeitnehmerinnen fordern Gehaltstransparenz als wichtigste Maßnahmer
- Der ÖGB verlangt verpflichtende Lohntransparenz zur Schließung des Gender Pay Gaps
Eine aktuelle Umfrage von karriere.at unter mehr als 1.000 Jobsuchenden zeigt: Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt ist für viele Frauen noch immer keine Realität.
36 Prozent der Befragten sagen, Frauen seien keineswegs oder eher nicht gleichberechtigt.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Selbsteinschätzung: Während 24 Prozent aller Befragten Frauen als „absolut gleichberechtigt“ sehen, sagen das nur neun Prozent der Frauen über sich selbst.
Das zeigt: Wer Diskriminierung erlebt, bewertet die Lage realistischer.
Gehalt ist der größte Nachteil
Auf die Frage, wo Frauen im Arbeitsleben den größten Nachteil haben, antworteten:
- 38 Prozent: beim Gehalt/Lohn
- 16 Prozent: bei unbezahlter Care-Arbeit wie Kinderbetreuung oder Pflege
- 14 Prozent: bei Führungspositionen
- 14 Prozent: sehen keine Nachteile
Der Gender Pay Gap ist damit das größte und (un)sichtbarste Problem. Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer – und das oft bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit.
Frauen fordern Gehaltstransparenz
Besonders deutlich ist auch, welche Maßnahmen Frauen sich wünschen.
Für 33 Prozent der Arbeitnehmerinnen ist Gehaltstransparenz die wichtigste Maßnahme zur Frauenförderung – gleichauf mit besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Für den ÖGB ist klar: Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von fehlender Transparenz, struktureller Benachteiligung und unfairen Systemen.
Lohntransparenz ist ein Muss
Die neue EU-Richtlinie zur Lohntransparenz setzt genau hier an und will mit Einkommensunterschieden Schluss machen. Sie verpflichtet Unternehmen zu mehr Offenheit bei Gehältern und Löhnen und hilft Beschäftigten, sich gegen Entgeltdiskriminierung zu wehren. Das Ziel ist, klare, faire und vergleichbare Löhne für alle zu schaffen – unabhängig vom Geschlecht.
Nur wenn sichtbar wird, wer wie viel verdient, kann die Lohnschere geschlossen werden. Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz ist ein wichtiges Werkzeug für mehr Fairness, Gleichstellung und Gerechtigkeit im Arbeitsleben.
Bis Juni 2026 hat Österreich Zeit, die EU-Transparenzrichtlinie in nationales Recht umzusetzen. Damit bietet sich auch die große Chance, in Sachen Gleichberechtigung ein großes Stück weiterzukommen.
Unsere zentralen Forderungen:
- Verpflichtende Lohntransparenz in allen Betrieben:
- Nur wenn klar ist, wer wie viel verdient, können Diskriminierung und Ungleichbehandlung aufgedeckt und beendet werden. Freiwilligkeit reicht nicht.
- Recht auf Auskunft über Vergleichsgehälter im Betrieb Transparente Entlohnungssysteme
- Konsequente Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen
Gleichstellung braucht Regeln
Die Umfrage verdeutlicht: Viele Frauen erleben den Arbeitsmarkt als unfair – vor allem beim Einkommen.
„Chancengleichheit und Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt sind auch im Jahr 2026 keine Selbstverständlichkeit. Viele Frauen sehen sich mit Herausforderungen und Ungerechtigkeiten konfrontiert, die Männer nie erfahren. Unternehmen sind nicht nur aus moralischer Verpflichtung, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Logik gut beraten, Maßnahmen zur Förderung von Frauen zu setzen und Gleichberechtigung zu fördern. Denn unsere Umfrage zeigt: Hier gibt es aktuell noch Luft nach oben“, sagt Georg Konjovic, CEO bei karriere.at.
Der ÖGB setzt sich dafür ein, dass Gleichberechtigung endlich Realität wird. Lohntransparenz ist ein Schlüssel dazu. Denn nur wer Unterschiede sieht, kann sie auch beseitigen.