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Großeltern leisten in Österreich jährlich rund 202 Millionen Stunden Kinderbetreuung für Kinder unter zwölf Jahren. Maria Sbytova – stock.adobe.com

ÖGB-Analyse 2026: Großeltern leisten 202 Millionen Stunden Kinderbetreuung

Kinderbetreuung durch Großeltern ist für viele Familien unverzichtbar. Die neue ÖGB-Analyse zeigt den wirtschaftlichen Wert dieser Leistung und warum ältere Menschen zum Funktionieren der Gesellschaft beitragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Großeltern leisten in Österreich jährlich rund 202 Millionen Stunden Kinderbetreuung für Kinder unter zwölf Jahren.
  • Das entspricht durchschnittlich rund zehn Stunden Betreuung pro Kind und Woche.
  • Der geschätzte wirtschaftliche Wert dieser unbezahlten Betreuung beträgt 3,63 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Die Betreuung durch Großeltern unterstützt Familien, ermöglicht Erwerbsarbeit und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Kinderbetreuung durch Großeltern: Eine oft übersehene Leistung

Wenn über Pensionen, Pflege oder Gesundheitskosten diskutiert wird, stehen ältere Menschen häufig als vermeintlicher Kostenfaktor im Mittelpunkt. Dabei gerät oft in den Hintergrund, wie viel sie täglich für Familien und die Gesellschaft leisten.

Ein besonders wichtiges Beispiel ist die Kinderbetreuung durch Großeltern. Das volkswirtschaftliche Referat des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) hat auf Basis von Zeitverwendungsdaten berechnet, dass Großeltern in Österreich jährlich rund 202 Millionen Stunden Kinderbetreuung leisten.

Diese Zahl macht sichtbar, welchen Beitrag ältere Menschen für Familien, den Arbeitsmarkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Ohne dieses Engagement wäre der Alltag vieler Familien deutlich schwieriger.

Ältere Menschen leisten mehr als oft wahrgenommen wird

Großeltern unterstützen nicht nur ihre Familien, sondern tragen auch zum Funktionieren der Gesellschaft bei. Sie übernehmen Verantwortung, entlasten Eltern und schaffen Freiräume für Beruf und Ausbildung.

„Dieses Engagement verdient mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung“, sagt Monika Kemperle, Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen.

Die ÖGB-Analyse zeigt damit auch eine andere Perspektive auf das Älterwerden: Ältere Menschen beziehen nicht nur Leistungen. Sie erbringen selbst Leistungen von großem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Wert.

Kinderbetreuung durch Großeltern entlastet Familien

Die jährlichen 202 Millionen Betreuungsstunden entsprechen durchschnittlich rund zehn Stunden Betreuung pro Woche und Kind unter zwölf Jahren.

Dabei geht es um weit mehr als gelegentliches Babysitten. Großeltern holen Kinder von Schule oder Kindergarten ab, betreuen sie in den Ferien oder springen ein, wenn ein Kind krank wird. Gerade in Zeiten, in denen viele Familien Beruf und Familienleben unter einen Hut bringen müssen, ist diese Unterstützung oft unverzichtbar.

Für zahlreiche Eltern stellt die Betreuung durch Großeltern einen wichtigen Baustein dar, um erwerbstätig bleiben zu können.

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Wie viel ist die Kinderbetreuung durch Großeltern wert?

Würde die von Großeltern geleistete Kinderbetreuung durch bezahlte Betreuungskräfte ersetzt werden, entstünden laut ÖGB-Berechnung rechnerische Kosten von rund 3,63 Milliarden Euro pro Jahr.

Diese Summe ist keine tatsächliche Ausgabe, sondern eine Schätzung des wirtschaftlichen Werts der geleisteten Betreuung. Sie zeigt jedoch deutlich, in welcher Größenordnung sich diese oft unsichtbare Arbeit bewegt.

Denn eines wird dabei besonders sichtbar: Kinderbetreuung ist Arbeit – auch dann, wenn sie innerhalb der Familie unbezahlt geleistet wird.

Warum Großeltern für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig sind

Besonders bemerkenswert ist, dass 65,4 Prozent der Betreuungsstunden zwischen 7 und 18 Uhr geleistet werden. Genau in diesem Zeitraum sind viele Eltern berufstätig.

Die Betreuung durch Großeltern erleichtert daher die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und trägt dazu bei, dass Eltern einer Beschäftigung nachgehen können.

Eine Modellrechnung des ÖGB zeigt die Bedeutung dieser Unterstützung: Würden Eltern diese Betreuungsstunden selbst übernehmen und deshalb ihre Erwerbsarbeit reduzieren, gingen jährlich rund 132 Millionen Arbeitsstunden verloren. Der damit verbundene rechnerische Verlust an Bruttoeinkommen würde rund 2,87 Milliarden Euro pro Jahr betragen.

Dieses Szenario ist keine Prognose, verdeutlicht aber die enge Verbindung zwischen Kinderbetreuung, Erwerbsarbeit und Familieneinkommen.

Unbezahlte Arbeit bleibt ungleich verteilt

Kinderbetreuung und Sorgearbeit sind auch eine Frage der Gleichstellung. Die Zeitverwendungserhebung von Statistik Austria zeigt, dass Frauen deutlich mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer.

Für die aktuelle ÖGB-Berechnung liegen keine Daten darüber vor, wie sich die Betreuungsstunden konkret auf Großmütter und Großväter verteilen. Bekannt sind jedoch die Folgen ungleich verteilter Sorgearbeit: Wer aufgrund von Betreuungsverpflichtungen beruflich zurücksteckt, hat häufig geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen und später niedrigere Pensionen.

Mehr dazu: Unfreiwillig unbezahlt: Sorgearbeit bleibt Frauensache.

Warum der Ausbau der Kinderbetreuung trotzdem notwendig ist

So wichtig die Unterstützung durch Großeltern auch ist: Sie darf nicht zur Voraussetzung dafür werden, dass Eltern überhaupt arbeiten gehen können.

Familien brauchen flächendeckende, qualitativ hochwertige und leistbare Kinderbetreuung. Deshalb fordert der ÖGB seit Jahren:

  • einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung,
  • beitragsfreie und qualitativ hochwertige Betreuungsangebote,
  • einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag,
  • Öffnungszeiten, die mit einer Berufstätigkeit vereinbar sind.

Warum eine Großelternkarenz keine Lösung für fehlende Kinderbetreuungsplätze ist, hat der ÖGB bereits ausführlich dargelegt.

Gleichzeitig setzt sich der ÖGB mit dem Modell der Familienarbeitszeit für eine gerechtere Aufteilung von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung ein.

Häufige Fragen zur Kinderbetreuung durch Großeltern

Wie viele Stunden Kinderbetreuung leisten Großeltern in Österreich?

Laut der ÖGB-Berechnung leisten Großeltern jährlich rund 202 Millionen Stunden Kinderbetreuung für Kinder unter zwölf Jahren.

Wie viel Zeit wenden Großeltern durchschnittlich für Kinderbetreuung auf?

Bezogen auf Kinder unter zwölf Jahren entspricht dies durchschnittlich rund zehn Stunden Betreuung pro Kind und Woche.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Wert der Kinderbetreuung durch Großeltern?

Der ÖGB schätzt den wirtschaftlichen Wert auf rund 3,63 Milliarden Euro pro Jahr.

Wie wichtig sind Großeltern für berufstätige Eltern?

Die Betreuung durch Großeltern erleichtert vielen Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein großer Teil der Betreuungsstunden fällt in jene Zeiten, in denen Eltern üblicherweise arbeiten.

Können Großeltern fehlende Kinderbetreuungsplätze ersetzen?

Nein. Die Unterstützung durch Großeltern ist wertvoll, kann aber keine flächendeckende öffentliche Kinderbetreuung ersetzen. Familien brauchen verlässliche und qualitativ hochwertige Betreuungsangebote.

Warum fordert der ÖGB den Ausbau der Kinderbetreuung?

Weil gute Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert, die Gleichstellung fördert und allen Kindern unabhängig vom Wohnort gleiche Chancen ermöglicht.

Quelle: Volkswirtschaftliches Referat des ÖGB, Berechnung 2026 auf Grundlage von Zeitverwendungsdaten.

Methodik der Berechnung

Die Analyse wurde vom volkswirtschaftlichen Referat des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) auf Grundlage von Zeitverwendungsdaten erstellt.

Der angeführte wirtschaftliche Wert von 3,63 Milliarden Euro stellt keine tatsächlichen Ausgaben dar, sondern eine Schätzung jener Kosten, die bei einer vergleichbaren bezahlten Betreuung entstehen würden.