Gegen Altersarmut – gemeinsam und über Grenzen hinweg
Interkultureller Dialogtag bringt Jung und Alt zusammen
Die ÖGB-Pensionist:innen und der Seniorenverein von und für Migrant:innen luden in die ÖGB-Zentrale – und es wurde mehr als eine Fachveranstaltung: Beim Interkulturellen Dialogtag trafen Generationen und Kulturen aufeinander, um gemeinsam über eines der drängendsten sozialen Themen unserer Zeit zu sprechen: Altersarmut.
Moderiert von Vertreter:innen der Gewerkschaftsjugend, diskutierten die Teilnehmer:innen nicht nur Ursachen und Folgen von Armut im Alter – sondern auch konkrete Wege heraus.
„Nur gemeinsam schaffen wir das"
Monika Kemperle, Vorsitzende der ÖGB-Pensionist:innen, und Ramis Doğan vom Seniorenverein von und für Migrant:innen brachten es auf den Punkt: Verständnis füreinander entsteht im Gespräch – und Lösungen entstehen nur gemeinsam. Der Austausch zwischen Generationen und Kulturen sei kein Nice-to-have, sondern eine Notwendigkeit.
Wenn das Leben Spuren hinterlässt
Expert:innen aus Politik und sozialen Organisationen zeigten in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion, wie vielschichtig Altersarmut entsteht: unterbrochene Erwerbsbiografien, unbezahlte Care-Arbeit, Krankheit, Migrationsgeschichten oder Gewalterfahrungen – all das schlägt sich am Ende in der Pension nieder. Und es trifft Frauen besonders hart.
Österreich sticht dabei im EU-Vergleich unrühmlich hervor: Die Pensionslücke zwischen Frauen und Männern ist hierzulande überdurchschnittlich groß.
Raus aus der Armutsspirale – aber wie?
Niedrige Löhne und Gehälter, unbezahlte Sorgearbeit, geringe Pension – für viele Frauen dreht sich diese Spirale ein Leben lang. Was helfen würde: mehr Vollzeitstellen für Frauen, eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten und ein flächendeckender Ausbau von Pflege- und Kinderbetreuungseinrichtungen. Forderungen, die seit Jahren auf dem Tisch liegen – und die an diesem Tag wieder laut ausgesprochen wurden.
Arm und allein – eine doppelte Last
Altersarmut hat auch ein stilles Gesicht: Einsamkeit. Pensionierung, Krankheit, der Verlust nahestehender Menschen – viele Ältere ziehen sich zurück, oft auch, weil das Geld für gesellschaftliche Teilhabe schlicht fehlt. Ein Teufelskreis, der aufgebrochen werden muss.
Im Anschluss an die Diskussionen öffneten zahlreiche Organisationen ihre Türen für das Publikum: der Fonds Soziales Wien, der ÖGB, der Pensionistenverband Österreichs, die Volkshilfe, das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser, die Pensionsversicherungsanstalt und weitere Seniorenvereine. An Themenstationen konnten Besucher:innen Fragen stellen, eigene Erfahrungen einbringen und direkt mit Fachleuten ins Gespräch kommen.
Wenn Musik Brücken baut
Den Abschluss bildete ein Rahmenprogramm, das unter die Haut ging: Tanzgruppen verschiedener Volksgruppen brachten Farbe und Rhythmus in den Saal, die Fotoausstellung „Es kamen Menschen an" erzählt vom Leben der Gastarbeiter:innen – und erinnerte daran, was diese Generation aufgebaut hat.
Musik, Tanz und Kunst verbinden – und sie können, ganz nebenbei, auch das wirksamste Mittel gegen Einsamkeit sein. Gemeinsam mit dem Publikum wurde aus dem Dialogtag eine lebendige, bewegende Begegnung.